Selfkant-Schalbruch: Kirche und Café sind bald unter einem Dach

Selfkant-Schalbruch : Kirche und Café sind bald unter einem Dach

Die Pfarrkirche ist nicht allein zum Beten da. Die Zeiten haben sich offensichtlich geändert. Auch im Selfkant. Das Gotteshaus in Schalbruch wird - wenn die Pläne bald Realität werden - nicht länger eine Stätte sein, die nur für Messen, Andachten, Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen den Gläubigen offen steht, sie soll auch für weltliche Veranstaltungen genutzt werden.

Tabernakel und Theke, Beten und Beat, Predigt und Party: In Schalbruch setzt man auf eine neuartige Symbiose unter dem Kirchendach. Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten ist glücklich, dass die Verantwortlichen nun, endlich, diese Lösung gefunden haben. Die Kirche wird zum Dorfgemeinschaftshaus.

„Die Vereine in Schalbruch, und das sind der Kirchenchor, der Musikverein, der Spielmannszug, der Schützenverein und die Frauengemeinschaft, haben kein eigenes Domizil. Wenn sie etwas veranstalten, müssen sie auf den Keller im Kindergarten ausweichen”, erläutert Herbert Corsten das aktuelle Provisorium. Einen Dorfsaal gibt es in der 1000-Seelen-Ortschaft schon längst nicht mehr, die letzte Gaststätte als Hort gesellschaftlicher Kommunikation schloss im Jahr 2005.

„Daraufhin gab es Überlegungen, neben dem Kindergarten ein neues Bürgerhaus im Ort zu errichten. Um die Finanzierung dieses Vorhabens zu stemmen, hätten wir den Sportplatz vom Sportverein gekauft und diesen zum Baugebiet ausgewiesen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Baugrundstücke hätten wir den Bau des Bürgerhauses und eines neuen Sportplatzes finanziert.” Doch der Sportverein sei mit dieser Lösung nicht einverstanden gewesen, sagt Corsten.

Schließlich sei der Gedanke gereift, die Pfarrkirche, die die Schalbrucher Anfang der 70er Jahre in Eigenleistung und mit Eigenmitteln errichtet haben, quasi auch als weltliche Begegnungsstätte zu nutzen und entsprechend umzubauen. Der Weg hierfür war frei, als die Pfarre der Gemeinde Selfkant das Kirchengelände für einen symbolischen Euro verkaufte.

Die Kirche wird umgebaut und geringfügig erweitert, hinzukommen sollen ein Café und neue Toiletten. Außerdem soll ein Dorfladen entstehen, eine Variante des längst ausgestorbenen Tante-Emma-Ladens. Auch wenn die Kirche verkauft wurde, wird sie im Dorf bleiben.

„Die kirchlichen Veranstaltungen finden weiterhin statt. Durch eine flexible Abtrennung wird es jedoch möglich sein, den Kirchenraum in einen Mehrzweckraum für diverse Veranstaltungen zu verwandeln.”

Kosten wird die gesamte Baumaßnahme rund 350.000 Euro. Rund 40.000 Euro davon hat die Gemeinde schon seit Jahren bereitgestellt, und 25.000 Euro stammen aus der Infrastrukturabgabe der Entwicklungsgesellschaft Selfkant (EGS). Und wie sehr die Vereine ihrem neuen Zuhause entgegenfiebern, zeigt die Tatsache, dass sie sich mit rund 80.000 Euro durch Eigenleistung in das Projekt einbringen. „Aus dem Leader-Topf rechnen wir mit einer 55-prozentigen Förderung, so dass wir die 350 000 Euro zusammenbekommen”, freut sich der Bürgermeister. Der Förder-Antrag, gestellt von der Leader-Region, sei bereits auf dem Weg, mit einem Zuwendungsbescheid rechnet Corsten noch in diesem Jahr.

Das Schalbrucher Modell, das man sinnigerweise „Kirche und viel mehr” umschreiben könnte, hat einen zukunftsweisenden Charakter für ländliche Gegenden. Das sieht auch der Bürgermeister so: „Das ist die Chance, das Vereinsleben vor Ort am Leben zu erhalten. Das ist auch die Chance, den Einwohnern mit einem Dorfladen die Nahversorgung mit Grundnahrungsmitteln zu sichern und die Lebensqualität zu steigern.”

Und auch das geplante Café hat seinen ganz besonderen Charme, den Corsten so formuliert: „Das passt hervorragend in unser touristisches Konzept. Ebenso wie das frisch eröffnete Zehnt-Café in Millen soll es Radler und Wanderer in der herrlichen Landschaft um Eiländchen und Hommelheide in den Ort ziehen und diesen beleben.

Das Dorfgemeinschaftshaus im Selfkant ist im Kreis Heinsberg bislang einzigartig und womöglich richtungsweisend. Wie heißt es neudeutsch so schön: Eine Win-Win-Situation für Gemeinde und Kirche, die am Ende auch von der Entwicklung profitiert.