Heinsberg-Aphoven: Kinder „lauschen” Märchen in Gebärden

Heinsberg-Aphoven : Kinder „lauschen” Märchen in Gebärden

Mit der Gebärdensprach-Dolmetscherin Beate Grevenstein begrüßte Kindergartenleiterin Ingrid van Helden im Städtischen Kindergarten Aphoven einen nicht alltäglichen Gast.

Sie kam von der Beratungsstelle für Hörgeschädigte in Aachen.

Es war die kleine Birte Spiertz, die dazu den Anlass gab, obwohl sie hören und auch sprechen kann, nicht jedoch ihre Eltern Selma und Stefan, die beide gehörlos sind. Beide wurden jedoch nicht gehörlos geboren, sondern verloren ihr Hörvermögen durch eine Krankheit.

Mit ihren Eltern kann also Birte lediglich über Gebärden kommunizieren. Damit ihr vorhandenes Sprachvermögen, vor allem aber die Aussprache, sich ihrem Alter entsprechend normal entwickelt, wurde sie durch eine Sondergenehmigung des Landschaftsverbandes und durch die Bereitschaft der Mitarbeiterinnen des Städtischen Kindergartens Aphoven bereits im Alter von zweieinhalb Jahren im vergangenen November als Kindergartenkind aufgenommen.

Natürlich versuchte sie sich auch hier zunächst überwiegend über Gebärden und Berührungen verständlich zu machen, so wie sie es bei den Eltern gewohnt ist. Nicht nur für die Kinder des Kindergartens, sondern auch für die Erzieherinnen war dies ungewöhnlich und manchmal sogar irritierend, wie Ingrid van Helden offen zugibt. Man musste sich zunächst aneinander gewöhnen. Inzwischen aber hat sich Birte sehr gut eingelebt.

Oft Missverständnisse

Die Idee, mit Beate Grevenstein eine Gebärdensprach-Dolmetscherin einzuladen, sorgte für einen interessanten und spannenden Kindergartenmorgen und freute nicht zuletzt auch Selma Spiertz.

Beate Grevenstein kennt aus eigener Erfahrung die Schwierigkeiten und damit verbundenen Missverständnisse. Auch ihre Eltern und ein Bruder sind gehörlos. „Ich wuchs zweisprachig auf, mit der Gebärdensprache und der normalen Sprache”, berichtete sie den Erzieherinnen und erklärte zugleich die Bedeutung der Mimik für Gehörlose.

Spielerisch führte Beate Grevenstein die Kinder in die Thematik ein, indem für jedes Kind in der Gebärdensprache der persönliche Name gefunden wurde. Mit den Erzieherinnen gemeinsam lernten die Kinder, wie man „Essen” oder „Trinken” in der Gebärdensprache ausdrückt, und auch wie das „Arbeiten” angezeigt wird, hatte die Gruppe ganz schnell verstanden.

„Gebärden gehören zum täglichen Leben”, machte Beate Grevenstein darauf aufmerksam, dass diese häufig genutzt würden, ohne dass dies einem hörenden Menschen ins Bewusstsein dringe. Gehörlose aber kommunizierten über Gebärden, so wie der Hörende spreche.

Richtig spannend wurde es dann, als Beate Grevenstein als Höhepunkt sogar noch ein Märchen in Gebärdensprache „vorlas” und damit reges Interesse fand. Für das Team des Aphovener Kindergartens ist, klar, das dies keine einmalige Aktion bleiben wird, sondern fortgesetzt werden soll für ein besseres Miteinander.