Oberbruch/Birgelen: Kinder kehrten als „Rinden-Millionäre” heim

Oberbruch/Birgelen : Kinder kehrten als „Rinden-Millionäre” heim

„Auf dem Donnerbalken, saßen zwei Gestalten”, „Oh Helene” und „Eisgekühlte Coca Cola”, das waren - wie seit Jahrzehnten - die Ohrwürmer, zu denen die Kinder der Oberbrucher „Stadtranderholung” in den dreiwöchigen Ferienspaß zum Jugendzeltplatz nach Birgelen fuhren.

Mit zwei Bussen wurden die 79 Kinder täglich in den Birgelener Wald kutschiert, wo jede Menge Natur, Kreativität und Spaß auf die vielen „Waldbewohner” im Alter von fünf bis elf Jahren wartete.

„Wer hat Lust auf Schnitzeljagd, spielt Fußball oder geht mit Entchen füttern?”, schallte es täglich durch das Geäst des Waldes und forderte die Kinder dazu auf, selbst zu entscheiden, was auf dem eigenen Ferienprogramm steht.

So erzählt Karola Eßer, seit 25 Jahren als verantwortliche Betreuerin für den Ferienspaß der Kinder aktiv, dass die Kids nicht „verplant” werden, sondern vielmehr nach Lust und Laune entscheiden sollen.

„Hauptsache die Natur kommt nicht zu kurz und die Kinder werden kreativ mit dem, was so im Wald zu finden ist”, sagt Karola Eßer, die sich mitsamt ihrem neunköpfigen Betreuerteam begeistert zeigt von den Ideen und vom Tatendrang selbst der kleinsten Knirpse.

Doch es geht auch anders, erinnert sich Karola Eßer an zwei „Neulinge”, die bei der Ankunft im Birgelener Wald nur die eine Frage quälte: „Wo stehen denn hier der Fernseher und der Computer?”

Naturnah bauten die Kinder schon in der ersten Woche aus Holzstämmen und allem Auffindbarem ein Zeltlager mit Bänken, Stühlen und Tischen, das später noch als Verkaufslager für die aus Wolle gefertigten Armbänder diente.

„Waldwährung” erfunden

Und wer eines dieser Wollbänder oder weitere Mitbringsel ersteigern wollte, musste natürlich in die Tasche greifen. So wurde mit der Baumrinde schnell eine eigene „Waldwährung” erfunden, die schon jetzt erste Millionäre machte.

Dick bepackt mit großen Tüten voller Rindenstücke machten sich die ersten „Neureichen” auf den Weg nach Hause und horten nun bis zum nächsten Jahr das „dicke Geld” in Mutterns Keller.

Doch auch der Sport kam bei den „Rackern” nicht zu kurz. Ob nun beim Volleyball, Fußball oder Völkerball, tagtäglich wurden auf dem angrenzenden Bolzplatz die Kräfte gemessen, die später beim kindgerechten Mittagessen wieder aufgebaut werden mussten.

Dicht umlagert waren die angelieferten Kochkessel des fleißigen Küchenteams um Tilde und Friedel Kaaf sowie Irene Kofanty, die im Oberbrucher Dechant-Sauer-Haus manches Gericht zauberten.

Ganz im Zeichen des Abschieds stand der letzte Ferientag auf dem Jugendzeltplatz, der nicht nur die Sommerferien beendete, sondern auch Hubert und Karola Eßer aus ihrer verdienstvollen Aufgabe entließ.

Nach 20 und 25 Jahren der verantwortungsvollen Betreuung legten Karola und Hubert Eßer nun ihre „Ämter” nieder und wurden hierfür mit reichlich Beifall der Kinder und Dankesworten des Oberbrucher Pastors Hubert Müllers bedacht.

Vom Betreuer- und Küchenteam gab es auch für den 60. Geburtstag des Hubert Eßer im Kreise der Kinder einen dicken Präsentkorb, Blümchen sowie vom Pastor einen Essensgutschein, der den beiden nun einige ruhige „kinderfreie” Stunden bescheren soll.