Aachen: Kinder finden beim Pilgertag einen besonderen Zugang zur Kirche

Aachen : Kinder finden beim Pilgertag einen besonderen Zugang zur Kirche

Rote Tücher, gelbe Kappen, grüne T-Shirts, blaue Halstücher: Wer am Dienstag durch die Aachener Altstadt schlenderte, traf auf unzählige Kindergruppen in Regenbogenfarben. 1800 Kinder aus dem ganzen Bistum kamen zum 6. Pilgertag für Vorschulkinder.

Mal war ein Bollerwagen dabei, mal trug ein Erzieher eine Gitarre. Immer hatte eins der Kinder einen Pilgerstab für die ganze Gruppe dabei — individuell gestaltet. Nicht nur das erste Entdecken des Domes entlockte den Kindergartenkindern ein fröhliches „Yeah!“.

pilgermja1 05.06.2018 Kinder Pilgern Dom. Foto: Michael Jaspers

An drei von fünf Stationen konnten die Kinder Halt machen und Kirche so erleben, wie es sonst kaum möglich ist: Auf dem Boden liegend in die goldene Kuppel des Oktogons schauen, im Erzählzelt in der Citykirche St. Nikolaus der Geschichte von der Arche Noah zuhören, in der Rotunde des Elisenbrunnens den „Streit der Farben“ lautstark oder auch mal sanft mit Trommeln begleiten.

Zog alle Register: Organist Angelo Scholly führte alle besonderen Eigenschaften des Instruments Oktogon vor. Foto: Michael Jaspers

Moritz (5) von der Kita St. Lambertus freute sich besonders auf „die Geheimkammer“ im Dom: „Da steht der Thron“, wusste er schon vorher zu berichten. „Und der ist aus Gold!“ Allzu sehr enttäuscht war er sicher nicht, als er feststellte, dass das nicht ganz stimmte. Immerhin gab es im Dom doch andere wundersame Dinge zu entdecken.

Organist Angelo Scholly führte den Kindern zum Beispiel die Orgel vor. „Die Pfeifen stehen an drei verschiedenen Stellen, so dass es schon unten im Oktogon sehr besonders klingt“, meinte Scholly, der zum Team der Vertretungsorganisten im Dom gehört. Die Gelegenheiten, einen Organisten auf drei Manualen und mit den Füßen auf den Pedalen in Aktion zu sehen, sind begrenzt. „Die meisten kennen eine solche Orgel nicht aus ihrer Pfarrkirche.“

Die Kinder der Kita St. Foillan verbringen ihre Kita-Stunden sozusagen im Schatten des Domes und kommen regelmäßig auch in die Nachbarkirche, um sich zum Beispiel die Krippe anzusehen. Trotzdem sind Jeremy (5) und seine Freunde beeindruckt. „Es ist egal, ob man von fern oder nah anreist — der Kinderpilgertag bietet eine ganz andere Perspektive“, erläuterte Jeremys Erzieherin Anja Peters und meinte damit sicher nicht nur das Liegelager auf dem Boden des Oktogons.

Einen anderen, nicht weniger spannenden Zugang zu Kirche und Glaube boten die verschiedenen Mitmachstationen rund um den Dom wie zum Beispiel das Erzählzelt des Vereins „Theomobil“ in der Citykirche. „Mich hat die Geschichte von der Sintflut und der Arche Noah schon immer beschäftigt, weil ein zorniger Gott mitspielt“, meinte Erzählerin Susanne Tiggemann.

„Sie gibt aber auch das Versprechen, dass es gut ausgehen kann.“ Eine Geschichte, die Kinder offensichtlich ebenso beeindruckt: 100 Kinder lauschten in dem roten Nomadenzelt 45 Minuten lang gebannt den Erzählungen Tiggemanns und ihres Kollegen Thomas Hoffmeister-Höfener. „Auch wenn es Geschichten aus dem Buch der Bücher sind, darf man sie frei erzählen. Die eigenen Worte sind das beste Mittel zur Vermittlung der Weisheit“, machte sie gleichzeitig allen Erwachsenen Mut, sich dem „Gottbuch“, wie eins der Kinder die Bibel treffend nannte, ebenso zwanglos zu nähern, wie es die Kinder beim Pilgertag vormachten.