Erkelenz-Katzem: Katzemerin geht neue Wege bei Schulproblemen

Erkelenz-Katzem : Katzemerin geht neue Wege bei Schulproblemen

Die Ratio, das Tor zur Welt des Wissens und der Wahrheit, stand lange alleine da auf dem Weg der Erkenntnisgewinnung. Dass Emotionen beim Lernen eine entscheidende Rolle spielen, wurde erst in der jüngeren Vergangenheit deutlich und durch zahlreiche Studien belegt.

Doch „wir haben in der Schule oft Kinder sitzen, die wir emotional gar nicht kennen, über deren Emotionen wir gar nichts wissen,” sagt die Lehrerin und Musiktherapeutin Dr. Waltraut Barowski-Geiser aus Katzem. „Die Schule ist in einer Krise und begegnet ihr entsprechend mit Bewältigungsstrategien, die meist keine wirklichen Bewältigungen sind, sondern Notstrategien,” sagt sie.

Lehrer seien verunsichert und schnell würden Theorien in den Raum geworfen. Für den Einen ist das gesunde Frühstück der Schlüssel zum Lernerfolg, Musikinstrumente fördern das Lernen für den Anderen, und der Nächste möchte die Welle der pädagogischen Aufruhr einfach nur an sich vorüberziehen lassen. Dabei werde, sagt Waltraut Barowski-Geiser, verallgemeinert, ideologisiert oder vereinfacht.

In ihrem neuen Buch „Schule braucht Gefühl” deckt sie zehn Fallen in der schulischen Krisenbewältigung auf. Außerdem stellt sie ihr Konzept vor: „Kreativ Therapeutische Arbeit an Schulen” (KreTAS).

Der Ansatz verbindet Pädagogik, Kunst und Therapie und schafft so eine mehrheitliche Perspektive. Als Schultherapeutin erfährt Waltraut Barnowski-Geiser, dass Kinder meist nicht im Lernen behindert oder unmotiviert sind, weil die Lehrstrategie nicht stimmt, sondern weil andere Probleme für sie wichtiger sind. „Sie zerbrechen sich etwa pausenlos den Kopf darüber, wie sie endlich Freunde gewinnen können oder sind von familiären Problemlagen wie Krankheit oder Sucht belastet”, sagt sie. „Diese Probleme zeigen sich nicht direkt. Sie äußern sich in Abwesenheit, Unruhe oder Aggressionen.”

In der zehnjährigen kreativtherapeutischen Arbeit haben sich für Barnowski-Geiser fünf Bausteine als besonders maßgeblich erwiesen: Kreativität, Ressourcenstärkung, Anklang, Selbst-Bewusst-Sein und Schul-Nähe, kurz „Krass”.

Ihr Konzept hat sich bewährt. Es fand besonderes Interesse bei der Verleihung des Gütesiegels „Individuelle Förderung”, dasdie damalige Schulministerin Barabra Sommer im Juli diesen Jahres der Gesamtschule in Rheydt-Mülfort überreichte, an der Barnowski-Geiser als Lehrerin und Therapeutin arbeitet. Das Konzept wird nun vom Ministerium weiter aufgegriffen und soll in die Lehrwelt verbreitet werden.

Und dies nicht nur in Deutschland: Die Doktorandin XiaoXhen-Peng, eine Studentin von Barnowski-Geisers an der Uni Köln, ist auf dem Weg Musiktherapie nach China zu bringen. Die gibt es dort bisher gar nicht. Frau Peng konnte mehrere Kooperationspartner, unter anderem Universitäten und einen großen Internatsverband, gewinnen, die vor Ort Musiktherapie in Schulen einführen möchten. Vortragsreisen mit Professor Dr. Decker-Voigt, einem der bedeutendsten Musiktherapeuten in Deutschland, sind für März 2011 geplant. Noch im selben Jahr wird auch Barnowski-Geiser voraussichtlich ihr Konzept in China vorstellen. Es gibt schon Pläne eine deutsch-chinesische Organisation für Kreative Therapie in Schulen zu gründen; das Buch „Schule braucht Gefühl” soll ins chinesische Übersetzt werden.