Düren: Katholisches Bildungsforum feiert Geburtstag

Düren : Katholisches Bildungsforum feiert Geburtstag

Ein Jodel-Diplom konnte nicht erworben werden. Dafür gab es vor 50 Jahren viele andere interessante Angebote für die Dürener Damen. „Wir geben jungen Mädchen und Frauen die Gelegenheit, ihre weiblichen Anlagen zu wecken und zu fördern, für ihre Aufgaben in Ehe und Familie“, erklärt die frisch gegründete katholische Mütterschule in einem Schreiben an die Stadt Düren Sinn und Zweck des eigenen Tuns.

Fünf Jahrzehnte später kann sich Bernhard Rietfort, stellvertretender Leiter des Katholischen Forums für Familien- und Erwachsenenbildung, angesichts dieser Zeilen ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Das war eine etwas andere Zeit“, sagt er. Die katholische Familienbildung in der Region Düren-Eifel feiert kommende Woche 50-jähriges Bestehen. Kurse wie „Von der Jungfrau zur Ehefrau“ und „Wie verwöhne ich meinen Ehemann“ gehören zur Geschichte — aber nicht mehr zum Kursangebot.

Bernhard Rietfort ist stellvertretender Leiter des katholischen Bildungsforums.
Bernhard Rietfort ist stellvertretender Leiter des katholischen Bildungsforums. Foto: sj

Gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich auch in den rund 1000 Angeboten wider, die das Bildungsforum in das aktuelle Programm aufgenommen hat. Im Gründungsjahr hatten Mädchen und Frauen lediglich zehn Kurse zur Auswahl, um ihre „weiblichen Anlagen zu entdecken und zu fördern“. Heute gehören auch Männer zu den Kursteilnehmern, die Wertevorstellungen und Rollenverteilung haben sich geändert.

„Die Gründung einer Mütterschule in Düren und einer Wandermütterschule in der Eifel ist im Kontext der Nachkriegsjahre zu sehen“, blickt Bernhard Rietfort zurück. Seit Generationen tradiertes Wissen war nicht so leicht greifbar, es fehlten angesichts der sich wandelnden Lebensumstände Bezugspersonen und Ansprechpartner. Antworten auf Fragen zur Erziehung der Kinder, zur Geburtsvorbereitung, zur Ehevorbereitung und zur allgemeinen Haushaltsführung gab es in den Mütterschulen. „Das Konzept in der Eifel war damals sehr modern. In einem Bus wurden die Dörfer angefahren, die Kurse vor Ort angeboten“, beschreibt der stellvertretende Leiter. Kursleiterinnen waren Schneidermeisterinnen, Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern — und Priester.

Heute bietet das Forum rund 1000 Veranstaltungen im Jahr an, an denen 12.000 Menschen (8000 Erwachsene, 4000 Kinder) teilnehmen. Zwölf festangestellte Mitarbeiter und 350 Honorarkräfte gehören zur Mannschaft. „An der Zielsetzung hat sich in den vergangenen 50 Jahren nichts geändert“, bilanziert Bernhard Rietfort. Das heutige Katholische Forum für Erwachsenen- und Familienbildung möchte wie einst die Vorgängereinrichtungen Ansprechpartner und Begleiter der Familien sein und sie möglichst in allen Lebenslagen unterstützen. In Kooperation mit vielen Experten und anderen Einrichtungen.

Die Angebote haben sich dabei jedoch der Nachfrage entsprechend verändert. Spätestens Ende der 70er Jahre galten beispielsweise Männer nicht nur als Ernährer der Familie, sie mussten auch Verantwortung übernehmen, mit im Haushalt anpacken, sich bei der Erziehung der Kinder einbringen. Ab den 80er Jahren nahm die Berufstätigkeit der Frauen stark zu, die Frage nach Betreuungsangeboten für Kinder stand plötzlich im Raum.

Kochkurse für Männer boomen

„Die Pluralität der Gesellschaft und der Formen des Zusammenlebens hat auch auf unsere Arbeit Einfluss“, sagt Rietfort. Angebote für Alleinerziehende und Patchworkfamilien sind mittlerweile selbstverständlich. Auch konfessionelle Grenzen gibt es bei der in Trägerschaft der Caritas befindlichen Einrichtung nicht.

Die Kurse sind stark von Trends abhängig. Während beispielsweise Geburtsvorbereitungskurse anhaltend nachgefragt wurden, drohten Nähkurse vor nicht allzu langer Zeit beinahe endgültig vom Programmzettel zu verschwinden. „Heute gibt es wieder eine starke Nachfrage. Wir sind froh, den Nähraum noch zu haben.“ Stand vor 50 Jahren noch das Ausbessern von Kleidung und damit das Einsparen von Haushaltsgeld im Vordergrund, ist es heute die kreative Betätigung. Immer kreativer geht es auch in der Küche zu, Kochkurse sind schnell ausgebucht. „Es geht heute weniger um Grundlagenvermittlung. Die Kursteilnehmer wollen immer raffinierter kochen“, sagt Rietfort. Besonders Männerkurse seien gefragt.

Familienpolitisch möchte das Bildungsforum unter anderem mit einem Mehrgenerationenhaus-Projekt ein Ausrufezeichen setzen. Der Wissens- und Erfahrungsaustausch der Generationen dürfe nicht verloren gehen. Neben jungen Familien kristallisiere sich in jüngster Zeit eine weitere starke Zielgruppe heraus: Senioren. Immer mehr Angebote für diese Generation stehen auf dem Programm. „Langweilig wird es nie“, versichert Bernhard Rietfort. Nichts sei so beständig wie der Wandel.