Kreis Heinsberg: Katholikenrat: Würde der Menschen respektieren

Kreis Heinsberg : Katholikenrat: Würde der Menschen respektieren

Selbstbestimmt und würdevoll zu sterben, steht oft im Spannungsfeld mit der Angst, Mitmenschen am Ende des Lebens zur Last zu fallen. Welche Hilfen zur Begleitung möglich sind und wie eine gesetzliche Neuregelung zur Sterbehilfe aus der christlichen Sicht ausgestaltet werden müsse, dazu hatte der Katholikenrat der Region Heinsberg in öffentlicher Sitzung zu einer Gesprächsrunde mit Experten eingeladen.

Im Geistlichen Zentrum des Caritasverbandes in Heinsberg diskutierten unter Leitung des Vorsitzenden des Katholikenrates, Lutz Braunöhler, der Theologe Dr. Alfred Etheber vom Diözesan-Caritasverband ­Aachen, der Schmerzmediziner und Leiter des Palliativzentrums in Wegberg, Klaus Längler, sowie die hauptamtliche Koordinatorin beim Hospizdienst Camino Geilenkirchen, Judith Kemmerling, mit Verantwortungsträgern aus der Praxis von Hospizarbeit und Palliativmedizin sowie dem Publikum.

In einem einführenden Referat umriss Etheber die christlichen Positionen der katholischen Kirche zum Thema menschenwürdiges Leben und Sterben. „Wer würdiges Sterben ermöglichen will, muss die Wünsche der Menschen, wie sie sterben wollen, respektieren und ernst nehmen“, betonte Etheber. Weder der Tod noch das Sterben, aber eventuell die Art und Weise, wie gestorben würde, verletze die Würde des Menschen.

Er sehe jeden Menschen zuerst in der Selbstverantwortung dafür, eine Vorsorgevollmacht auszustellen. „Wer soll über mich wachen, wenn ich selber nicht mehr meine Wünsche mitteilen kann?“ Dies müsse beizeiten geregelt werden. Die Zustände in einem Sozialstaat dürften nicht dazu führen, dass Menschen um aktive Sterbehilfe bäten. Im Rahmen einer gesetzlichen Neuregelung der Sterbehilfe sähe er keinen Bedarf, den bisherigen Spielraum zu beschneiden, aber ebenso wenig sei eine Ausweitung notwendig.

Die Arbeit eines Hospizdienstes wie den von Camino brachte Judith Kemmerling dem Publikum mit einem anonymen Fallbeispiel nahe. Die Begleitung am Ende ­eines Lebens berücksichtige die psychischen, seelischen und medizinisch-palliativen Aspekte für die bestmöglichste Lebensqualität bis zum Tod. Unabhängig von Religionszugehörigkeit und Weltanschauung könne jeder die Begleitung der letzten Lebensphase kostenlos in Anspruch nehmen.

Jeder dürfe den Kontakt mit dem Hospizdienst aufnehmen. In einem Gespräch mit dem Betroffenen und weiteren Familienangehörigen werde eine geeignete Person als Sterbebegleiter vorgeschlagen, der dann eine Beziehung zum Sterbenden aufbauen werde. „Sie sind bis zum letzten Augenblick wichtig und sollen bis dahin ein würdiges Leben ermöglicht bekommen“, dies sei die Aufgabe des Hospizbegleiters.

Ein wohnortnahes, würdevolles Sterben zu ermöglichen, sei sein Anliegen als Schmerz- und Palliativmediziner betonte Klaus Längler. Im Kreis Heinsberg sei die Vernetzung der ambulanten und stationären Hospizeinrichtungen und der Palliativstationen zu einem Verbund der speziellen ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) mit den Pflegeeinrichtungen für das Alter ein wichtiges Anliegen. Die Bewältigung der Angst vor dem einsamen Sterben sei mit diesem Verbund durch Zuwendung, Begleitung und Schmerzen nehmen auf einem guten Weg.

Zum Ende der offenen Vollversammlung des Katholikenrates der Region Heinsberg beschlossen die Mitglieder eine Resolution auf der Grundlage der Grundsätze vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK): „Ja zu einer palliativen Begleitung — Nein zu einer organisierten Sterbehilfe“. Die Resolution ist an die Abgeordneten des Bundestages gerichtet, sich die Forderungen des ZdK zu eigen zu machen und die organisierte Sterbehilfe unter Strafe zu stellen. Zu den Forderungen gehört vor allem, die regionale ambulante Hospiz- und Palliativversorgung systematisch weiterzuentwickeln und zu finanzieren, damit allen Betroffenen eine würdevolle Sterbebegleitung ermöglicht werde.

(jwb)
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