Städteregion: Karin Schmitt-Promny: Stärkerer Fokus auf Kinder und Jugendliche

Städteregion : Karin Schmitt-Promny: Stärkerer Fokus auf Kinder und Jugendliche

Eine Überraschung ist diese Wahl sicher nicht. Denn Karin Schmitt-Promny gilt als Expertin. Im Ausschuss für Inklusion sowie im Beirat für Inklusion und Menschenrechte des Landschaftsverbandes Rheinland ist sie Sprecherin der Grünen. Und seit Dienstagabend ist sie nun die neue Vorsitzende des städteregionalen Inklusionsbeirates.

Dieser hat sie mit großer Mehrheit zur Nachfolgerin von Eva Malecha gewählt. Nach der Sitzung hat sich die 64-Jährige den Fragen unserer Redaktion gestellt.

Frau Schmitt-Promny, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl. Spüren Sie schon die Erwartungshaltung, die ab sofort auf Ihnen lasten wird?

Schmitt-Promny: Ich weiß, was auf mich zukommt (lacht). Ich kenne die Vertreter der Verbände und Organisationen, die dem Beirat angehören, und habe mit ihnen vor meiner Wahl gesprochen. Sicher war und ist die Erwartungshaltung groß und mit mancher Enttäuschung verbunden. Ich finde es wichtig, dass die Mitglieder die Möglichkeit haben klarzumachen, wo sie Schwierigkeiten für Menschen mit Handicap sehen. Gleichzeitig sollte man sich aber nicht nur an dem stören, was nicht möglich ist, sondern auch das Positive sehen und die Möglichkeiten nutzen, die die Städteregion hat.

Stichwort Enttäuschung: Fast die Hälfte der 70 Punkte, die 2013 in den Inklusionsplan aufgenommen worden waren, gelten heute als erledigt, weil sie nicht in die Zuständigkeit der Städteregion fallen.

Schmitt-Promny: Das stimmt, ist aber auch bedingt durch die Entstehungsgeschichte des Inklusionsplans. Damals ist zunächst gesammelt worden, was uns alles wichtig ist und was wir ändern wollen. Erst danach sind die Ergebnisse systematisiert worden. Ich sehe die Städteregion auf einem guten Weg, weil sie Inklusion als gesellschaftliches Ziel erkannt und anerkannt hat. Auf politischer und Verwaltungsebene sind die Voraussetzungen geschaffen worden, um das, was wir aus dem Inklusionsplan in den jährlich aktualisierten Aktionsplan überführen, schrittweise bearbeiten und umsetzen zu können. Dabei muss man sich bewusst sein, dass der Kampf um Inklusion und Barrierefreiheit in allen gesellschaftlichen Bereichen trotz aller schon erzielter Fortschritte noch ein langer und mühsamer sein wird.

Die Themen im Inklusionsbeirat sind oft sehr erwachsenenlastig. Teilen Sie diese Einschätzung?

Schmitt-Promny: Die Themen sind im Inklusionsplan und Aktionsplan festgelegt, und das ist auch in Ordnung. Gleichwohl ist es eines meiner Ziele, dass wir uns im Inklusionsbeirat zukünftig öfter auch mit den Belangen von Kindern und Jugendlichen beschäftigen werden. Ganz wichtig finde ich beispielsweise den Übergang von der Schule in den Beruf. Am weitesten ist die Städteregion im Kita-Bereich, weil wir dort schon einen integrativen Ansatz haben. In den Schulen haben wir einen wichtigen Schritt gemacht mit der Umsetzung des Modellprojektes „Kobsi“ und dem damit verbundenen Einsatz von Integrationshelfern im gemeinsamen Lernen. Ich gehe davon aus, dass wir dieses Modell weiter ausbauen können.

Wie beurteilen Sie die Situation in den Förderschulen nach dem politischen Wechsel in Düsseldorf?

Schmitt-Promny: Es darf jetzt keine Rolle rückwärts geben. Die neue Landesregierung bleibt da bis dato sehr vage. Sie sagt, dass sie die Förderschulen erhalten will, hat aber noch kein klares Konzept vorgelegt. Meine Idealvorstellung ist eine offene und gemeinsame Schule, die unter ihrem Dach auch spezielle Fördermöglichkeiten für Kinder mit Handicap bietet.

Das Inklusionsamt der Städteregion hat schon oft darauf verwiesen, dass es bei der Umsetzung von Beschlüssen des Inklusionsbeirates oder Punkten aus dem Aktionsplan an personelle Grenzen stößt. Wie stehen Sie zu einer Aufstockung?

Schmitt-Promny: Die sollten wir auf jeden Fall ins Auge fassen. Denn mit den wachsenden Aufgaben wird die Personaldecke, relativ gesehen, immer dünner.

Und wie sieht es mit der finanziellen Ausstattung des Inklusionsamtes aus?

Schmitt-Promny: Sicherlich benötigt man mehr Geld, um mehr schaffen zu können. Geld alleine kann aber auch nichts bewegen. Deshalb plädiere ich für eine Entwicklung, bei der die sich stufenweise erweiternden Aufgaben angemessen finanziell unterfüttert werden.