Hückelhoven-Ratheim: Kampf der Geschlechter im Kinderzimmer

Hückelhoven-Ratheim : Kampf der Geschlechter im Kinderzimmer

Jungs spielen immer nur Fußball, sind frech und schubsen. Mädchen schminken sich heimlich, machen zwar immer ihre Hausaufgaben, lassen einen aber nie abschreiben.

Darin bestehen für Anja und Nico gar keine Zweifel.

Was für eine Welt: Gerade im zarten Alter von acht Jahren tobt der Geschlechterkampf besonders hart. Dass diverser gegenseitiger Abneigungen zum Trotz eine gemeinsame spielerische Basis gefunden werden kann, veranschaulichten jetzt Beate Albrecht und Uwe Frisch vom Duisburger ReibeKuchenTheater mit dem Stück „Das Schätzchen der Piratin” für Menschen ab sechs Jahren.

Zwei Gastspiele gab das einfühlsame Duo am Dienstag in der Grundschule Im Weidengrund. Vor allem die erste Vorstellung war gut besucht: Rund 250 kleine Theaterfreunde schauten sich das sehr authentisch dargestellte Bühnenspiel von Heiner Kondschak an.

Apropos authentisch: Ohne die fachkundigen „Ratschläge” der Zuschauer wäre das Theaterstück überhaupt nicht aufgeführt worden. Das Ensemble hatte nämlich keine so rechte Vorstellung, wie achtjährige Kinder und deren Eltern eigentlich so sind. Und sie mussten schließlich welche spielen. „Wer hat schon mal einen Vater gesehen?”, wollte Uwe Frisch etwa wissen.

Stefan, Lukas Chantal und eine echte Mutter aus dem Publikum halfen zu Demonstrationszwecken aus. Zum Beispiel war von ihnen zu erfahren, dass Mamas gerne mit dem Fuß aufstampfen, wenn sie sauer sind, und Töchter dann am besten weinend in ihr Zimmer laufen sollten. Väter hingegen gucken in solchen Fällen richtig grimmig und sind ganz ernst. Aus Mangel an anwesenden Vätern mussten sich die Schauspieler mit Informationen aus zweiter Hand begnügen.

Zum Inhalt: Anja und Nico sollen die Ferien miteinander verbringen und zwar drei Wochen lang in einer Hütte an einem bayrischen Bergsee. Leider können sich die beiden überhaupt nicht leiden, weil Anja eben ein Mädchen ist und Nico ein Junge.

Aber ihre Ansichten ändern sich schon bald, teilen die Kinder doch die gleiche Faszination: Piraten! Anja schlüpft in die Rolle von Anne Bonny, der „größten Plage der Karibik”. Das Stück lebt allein von ihrem differenzierten Spiel; stets verschmitzt, aber nie albern, mal ernsthaft, aber nie humorlos. Da werden ein umgedrehter Tisch zum Piratenschiff, ein Besenstiel zum Hauptmast und ein Bilderrahmen zum Segel.

Der Rest spielt sich in den Köpfen der Zuschauer ab - für Kinder Herausforderung und Spaß zugleich.