Kreis Düren: Kammermusiker aus Brüssel überzeugen im Haus der Stadt

Kreis Düren : Kammermusiker aus Brüssel überzeugen im Haus der Stadt

Mit Lebendigkeit und Präzision begeisterte die flandrische Kammermusikgruppe Oxalys im Haus der Stadt. Ein anspruchsvoller Konzertabend im Rahmen der Industriekonzerte und in metaphorischer Anspielung auf „Oxalis tetraphygalla“ (vierblättriges Glücksklee) ein absoluter Glückgriff für die Vereinigten Industrieverbände als Veranstalter.

Mit dem Ensemble aus der belgischen Hauptstadt Brüssel erlebte das Publikum Kammermusikwerke in „ungewohnter Besetzung“ und ein besonderes Faszinosum an Klang und Vielfalt. Bezaubernde musikalische Dialoge, fesselnde Soli, atmosphärische Akkordauflösungen, tönende Bilder, Sinnlichkeit in schillerndsten Farben oder sanfte Motive strömten auf die Zuhörer ein, die „Oxalys“ wandelbar erlebten — vom Trio bis zum Septett in überraschenden Instrumentierungen und frappierenden Höreindrücken. Da fielen das Quartett C-Dur op. 145 Nr. 1 als romantische Entdeckung und Toon Fret als begnadeter Flötist auf, der überlegt gestaltete, seinen „langen Atem“ mühelos zu Gliederungen und Klangdelikatessen nutzte und seine brillante Technik souverän dem Zusammenspiel widmete.

Die ausgezeichnete Violinistin Shily Laub und Frèdéric D ‚Ursel (Viola) waren Partner, die sich organisch und organisiert einfügten und mit Tonkultur und klarer Linienführung ebenso wie Cellist Amy Norrington auch in den feinsten Verästelungen für grandioses Hörvergnügen sorgten. Im spanischen Finale vermag das Quartett sein sprühendes Temperament so herunter zu fahren, dass „Zeit“ für ein Augenzwinkern und „Spielchen“ mit der Zuhörerschaft blieb und der süffisanten Bemerkung, dass „anstatt von hübschen Frauen, nun zwei schöne Männer Flöte und Viola spielen“.

Die Zuhörer hatten ihren Spaß und Überraschungsmomente, als sie sich bei Max Regers Serenade G-Dur op.41für Flöte, Violine und Viola statt verquer gebauter Konstrukten einem gelungenem, kurzweiligen Spiel mit Motiven und Themen gegenüber sahen. Ein elegantes, quicklebendiges dreisätziges Werk, das sogar sanfte Anmut ausstrahlte. Liebreiz, der in allen Werken von Wolfgang Amadeus Mozart schlummert, der der Überlieferung nach kein „Freund der Flöte“ war, aber mit seinem Quartett D-Dur KV 285 Kammermusik der genialen Art schrieb. Ein Stück, das Oxalys auf den Leib geschrieben zu sein schien, die Musiker lebten in ihrer Körpersprache jeden Ton.

Im zweiten Teil des Konzerts erklang französische Musik des frühen 20. Jahrhunderts, wiederum in außergewöhnlichen Instrumentalbesetzungen. Harfe und Klarinette kamen dazu und damit weitere Klangfarben. Gabriel Piernè gilt in der französischen Musik als „Brückenbauer“ zwischen Romantik und Moderne.

So erlebte das Publikum im aufgeführten Werk „Voyage au ‚Pays du Tendre‘“ Musik in feinsten Nuancen bei der „Reise durch das Land der Zärtlichkeit“. Eine musikalische Exkursion voller Sinnlichkeit in menschliche Charaktereigenschaften und Empfindungen, wobei aber auch das absolut Negative durch perkussive Momente dargestellt wurde.

In der „Rhapsodie für Klarinette, Harfe, Flöte und Streichquartett“ von Claude Debussy strahlte der Stern der Klarinettistin Nathalie Lefèvre, die mit ihrem schier sensationellen Solospiel voller munterer und schwärmerischer Motive im Zusammenspiel mit der Flöte und der sensiblen begleitenden Funktionen des Streichquartetts und der Harfe im Hintergrund zu entschweben scheint. Eine Virtuosin auf ihrem Instrument, eine ausdrucksstarke Musikerin mit vielfältiger Klangsprache, voller zupackender Musikalität, die auch durch die souveräne Beherrschung der technischen Mittel das Publikum begeisterte.

Eine Einschätzung, die für alle „Oxalys-Mitglieder“ galt. Und das Weltklasse-Niveau wurde nochmals im letzten Stück des Abends unterstrichen, als das Ensemble Maurice Ravels „Introduction et Allegro pour harpe, flùte, clarinette et quatuor“ aufführte.

Amy Norrington stimmte auf dem Violoncello eine elegische Weise an, auf der Harfe begann Annie Lavoisier ihr Solo, das sie mit bewundernswerter Fingerfertigkeit zu eingehenden Melodiefolgen auffächerte . Eine Meisterin auf ihrem Instrument, die das Pedal zur Klangbildung und Erweiterung kunstvoll einsetzte. Flöte und Klarinette begannen einen betörenden Dialog. Das Publikum war fasziniert bis zum furiosen und klangvollen Finale und belohnte die Musiker mit brausenden Applaus und stehenden Ovationen. Der Konzertabend war ein musikalischer „Glücksklee“ für die Freunde der Industriekonzerte.