Heinsberg: Kabarettist Richard Rogler nimmt Politiker auf die Schippe

Heinsberg : Kabarettist Richard Rogler nimmt Politiker auf die Schippe

Das Wochenende begann bei vielen Heinsbergern mit guter Stimmung in der Heinsberger Festhalle, denn die Anton-Heinen-Volkshochschule hatte den Politik-Kabarettisten Richard Rogler eingeladen - und der brachte immerhin sein aktuelles Programm „Stimmung” mit.

Die Bühne war spärlich ausgestattet, nur ein Tisch und ein Stuhl standen einsam auf der Bühne. Wer den Kabarettisten Richard Rogler nicht kannte, hatte Grund sich zu fragen, wie ausgerechnet dies für Stimmung sorgen sollte. Doch schnell wurden sie eines besseren belehrt. Schon als Rogler die Bühne betrat, begrüßten ihn seine Kenner mit rauschendem Beifall.

„Der gut gelaunte Deutsche in der Krise”, mit dem sich Rogler inhaltlich im ersten Beitrag beschäftigte, ließ die Grundlage für Roglers Erfolg erkennen: seine präzise Beobachtungsfähigkeit. Scharf und bissig gab Rogler seine Erfahrungen mit der Politikwelt wieder. So sei die Mitgliedschaft in einer Partei nicht mehr „cool”, denn „Parteien sind Vereine für Menschen, die auf natürlichem Wege keine Freunde finden”, erklärte Roger.

Quer durch die politische Landschaft bekamen alle Parteien ihr Fett weg. „Wenn sie sich dennoch entschließen, Politiker zu werden, dann fangen sie ruhig klein an: im Landtag!”, lautete eine seiner Empfehlungen. „Auch dort werden Reisen gemacht”, wie er dann am Beispiel des bayerischen Landtages erörterte: „Eine Gruppe Landtagsabgeordneter reiste nach Armenien, um dort den Aufbau der Demokratie und den Abbau der Korruption zu studieren. Unklar bleibt, ob Armenien den Bayern dabei helfen konnte.”

Aber Rogler hielt den Menschen auch den Spiegel vor. Sein Credo lautete „Die Menschen sind liebenswert, auch wenn sie ständig Mist bauen.” Kritik am Verhalten der Menschen zu üben, das gelang Rogler auch durch die Ich-Schilderungen. Mit den Mitteln des Selbstgesprächs kritisierte er zwar sein eigenes Verhalten, aber jeder konnte sich gut selbst darin erkennen.

Rogler griff wie so oft auch in der Heinsberger Festhalle zum Stilmittel der Übertreibung, so auch bei einem der Lieblingsthemen der Deutschen: Gesundheit und Sport. Beim Arztbesuch habe er die Frage gestellt, wie es um seinen Zustand stehe. Der Arzt habe geantwortet, dass er ihm nicht mehr den Kauf einer Doppel-CD empfehle. „Sport machen soll ich, sagt mein Arzt, sonst habe ich in drei Jahren nur noch die Wahl zwischen Erd- und Feuerbestattung”. Natürlich habe er sich reingehängt, Stretching betrieben, es aber schnell aufgegeben - das sei nur noch etwas für 25-Jährige. Trotzdem empfinde er den Druck, dem die Männer ausgesetzt seien, seitdem es nicht mehr reiche, mit der Bierflasche auf dem Sofa Sport zu schauen, um dem Selbstwertgefühl gerecht zu werden, als lästig.

Zum Schluss seines kurzweiligen, fast zweistündigen Programms hatte Richard Rogler dann noch einen Wunsch an sein Publikum: Es wäre für ihn ein schöner Erfolg, wenn seine Zuhörer die paar versteckten Weisheiten entdeckt hätten.

Dass Roglers „Reise” durch die Politik und das Leben der einfachen Menschen dem Heinsberger Publikum gefallen hat, war sicher - immerhin musste Richard Rogler mehr als eine Zugabe geben. Und wie zu erwarten endete der Abend so, wie er begonnen hatte: mit langanhaltendem Beifall des begeisterten Publikums.