Kreis Heinsberg: Junge Philharmonie Ukraine Lemberg gastiert in Erkelenzer Stadthalle

Kreis Heinsberg : Junge Philharmonie Ukraine Lemberg gastiert in Erkelenzer Stadthalle

Beim fünften Meisterkonzert der Anton-Heinen-Volkshochschule in der Saison 2017/2018, das beim Publikum wohl noch lange nachklingen wird, gastierte die Junge Philharmonie Ukraine Lemberg in der Erkelenzer Stadthalle.

2002 gegründet aus den besten jungen Musikern der Westukraine, gehört sie zu den wichtigsten Kulturträgern der Region und hat im In- und Ausland auf sich aufmerksam gemacht. Letzteres gilt auch für den Pianisten Johannes Nies, einen herausragenden Vertreter seiner Zunft.

Auf dem Programm standen drei Werke von Ludwig van Beethoven (1770-1827), einem der ganz Großen der Musikgeschichte, dessen Leben durch seine Taubheit einen tragischen Verlauf nahm: Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ op. 43, Klavierkonzert nr. 1 C-Dur op. 15 und Sinfonie Nr. 1 op.21.

Immer war ein wenig Mozart und Haydn herauszuhören, obwohl Beethoven seinen ganz eigenen und unverwechselbaren Stil entwickelte. Beim ersten Stück erinnerten sich wohl viele noch an den unglückseligen Helden der griechischen Mythologie, der Zeus das Feuer gestohlen hatte und deshalb an einen Felsen gekettet wurde, wo ihm ein Adler täglich die Leber zerfraß, bis er von Herakles erlöst wurde.

Auf Anregung des Tänzers und Choreographen Salvatore Vigano entstand das Stück zunächst als Ballettmusik und verwies auch auf Napoleon, der zunächst als Menschheits- und Völkerbefreier gefeiert wurde, bevor er sich dann nach seiner Kaiserkrönung als Tyrann erwies. Das Hauptthema der Ouvertüre taucht in einigen späteren Werken Beethovens in Variationen wieder auf.

Das Klavierkonzert, bei dessen erster Aufführung Beethoven selbst als Pianist aufgetreten war, besticht durch seinen mitreißenden Rhythmus und seinen Humor, gespickt mit vielen Überraschungen, die auch heute noch begeistern. Es wechseln sich Innigkeit und Spritzigkeit ab mit reichlichen Verzierungen und brillanten Läufen. Dieses Werk gab dem Komponisten auch Gelegenheit, seine Virtuosität ins rechte Licht zu rücken.

Relativ spät hat Beethoven sich an die Gattung der Sinfonie herangewagt, musste er doch den Erwartungen gerecht werden, die andere berühmte Komponisten seiner Zeit schon erfüllt hatten. Aber sein Werk mit den vier Sätzen „Adagio molto. Allegro con brio“, „Andante cantabile con moto“, „Menuetto: Allegro molto e vivace“ und „Adagio: Allegro molto e vivace“ hat durch seine ungewohnten Stürme der Empfindungen nicht nur sein einstiges Publikum begeistert.

Diese Begeisterung war auch in der Stadthalle deutlich zu spüren. Und einem Kritiker von damals ist uneingeschränkt zuzustimmen, da er schrieb: „Es wurde eine Symphonie aufgeführt, worin sehr viel Kunst, Neuheit und Reichtum an Ideen war.“

Georg Mais dirigierte sein Orchester mit viel Körpereinsatz und verstand es, die Musikerinnen und Musiker zu außerordentlichen Leistungen zu bringen. Und die mehr als 50 Mitglieder des Orchesters wurden mit äußerster Spielfreude und jugendlichem Elan ihrem sehr guten Ruf gerecht. Am Ende gab es viel Beifall, Blumen für den Pianisten und den Dirigenten sowie einen Satz aus Mozarts „Cosi fan tutte“ als Zugabe.

(ulla)