Städteregion: Junge Kräfte gegen die Überalterung der Verwaltung

Städteregion : Junge Kräfte gegen die Überalterung der Verwaltung

Während die Gesellschaft insgesamt immer älter wird, hat sich die Verwaltung der Städteregion seit 2013 verjüngt.

Laut dem aktuellen internen Demografiebericht lag der Altersdurchschnitt aller 1922 Beschäftigten Ende 2016 bei 44,5 Jahren, drei Jahre zuvor war er noch um 0,8 Jahre höher und betrug 45,3 Jahre. Das Personalamt schaut sich die Entwicklung seit einigen Jahren genau an, um frühzeitig zu erkennen, ob in einzelnen Ämtern eine Überalterung droht. Denn dann müsste gegengesteuert und die Belegschaft dort gezielt „verjüngt“ werden.

Akuten Handlungsbedarf sieht Personalentwicklerin Susanne Penkert derzeit nicht, wie sich aus ihrem Bericht herauslesen lässt. Derzeit liegt der sogenannte alterskritische Bereich — das ist der Anteil der Beschäftigten zwischen 55 und 67 Jahren — bei knapp 24 Prozent. Wenn in den nächsten Jahren nichts passiert, also keine jungen Leute eingestellt werden, wird der Anteil der 55- bis 67-Jährigen im Jahr 2021 bereits bei 37,5 Prozent und zehn Jahre weiter sogar bei 46 Prozent liegen, prognostiziert Penkert.

Genügend Ausbildungswillige

Aber das sind nur Modellrechnungen. Tatsächlich stellt die Städteregion jedes Jahr junge Leute ein. 24 Ausbildungsstellen werden derzeit jährlich neu besetzt. Und bislang gibt es keinen Mangel an Bewerbern. Sowohl 2016 als auch 2017 wollten jeweils rund 700 junge Frauen und Männer einen dieser Ausbildungsplätze haben.

Ein Grund für die hohe Bewerberzahl ist sicher darin zu sehen, dass die Städteregion seit einiger Zeit offensiv um Azubis wirbt. Diejenigen, die im Auswahlverfahren das Rennen gemacht haben, waren im Schnitt 21,6 Jahre alt und damit gut 16 Jahre Jahre jünger als der Durchschnitt der anderen neu eingestellten Beschäftigten. Was dem „alterskritischen Bereich“ gut tut.

Mit Fachkräftemangel muss sich die Städteregion dennoch auseinandersetzen, wenn auch nicht in jedem Amt und jedem der rund 30 unterschiedlichen Berufe, die in der Verwaltung zu finden sind. Aber, so Susanne Penkert im Demografiebericht: „Schon jetzt lässt zum Beispiel im ärztlichen Bereich oder bei den Ingenieuren die Anzahl externer Bewerbungen zu wünschen übrig.“

So war etwa das Gesundheitsamt gut ein Jahr lang ohne Leitung. Dies ist umso kritischer zu sehen, als in diesen Bereichen der Altersschnitt der Beschäftigten schon jetzt über dem Durchschnitt liegt — bei den Ingenieuren um etwa drei Jahre, bei den Ärzten um etwa vier Jahre.

Auch bei den Erzieherinnen und Erziehern sind die Nachwuchssorgen groß. Hier bereitet derzeit weniger das Alter der rund 190 Beschäftigten Sorgen, das Durchschnittsalter liegt nämlich mit gut 40 Jahren deutlich unter dem Gesamtaltersdurchschnitt in der Verwaltung, in absehbarer Zeit gehen also nicht so viele in Rente.

Der Fachkräftemangel resultiert vielmehr daraus, dass im Zuständigkeitsbereich des städteregionalen Jugendamtes (Baesweiler, Monschau, Simmerath und Roetgen) immer mehr Kitas eingerichtet werden müssen, um den Betreuungsbedarf zu decken.

Frischen Wind einbringen

Ob in einer Verwaltung oder in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, mit Blick auf den demografischen Wandel gibt es eine zentrale Frage: Wie kann man verhindern, dass mit dem Ausscheiden von Personal gravierende Lücken im Wissen um Arbeitsinhalte und -abläufe entstehen?

In der Städteregionsverwaltung haben einige Ämter eigene Strategien entwickelt, schreibt Susanne Penkert in ihrem Bericht. Das reicht von der Erstellung einer „Wissensdatenbank“, in der wesentliche Abläufe und Prozesse beschrieben werden, über die Entwicklung von Checklisten für die tägliche Arbeit sowie Leitfäden für Führungskräfte bis hin zur Bildung von altersgemischten Teams.

Letzteres birgt laut Susanne Penkert besondere Herausforderungen: für die Älteren, die den „Spagat zwischen anweisen und hinweisen schaffen müssen“, und gleichermaßen für die Jüngeren, denn „die müssen sich trauen, frischen Wind einzubringen“.

In altersgemischten Teams gehe es immer auch „um verschiedene Lebensstile, das Sicheinlassen auf verschiedene Arten, die Welt zu betrachten und Aufgaben anzugehen. Dabei geht es oftmals nicht um ein besser oder schlechter, sondern darum, Dinge anders zu machen und durch Perspektivwechsel Betriebsblindheit vorzubeugen.“

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