Jülich: Jülicher Forscher organisiert internationale Konferenz

Jülich : Jülicher Forscher organisiert internationale Konferenz

Schwarz, Rot, Gold leuchtet das Motto der SC17 (Internationale Supercomputing-Konferenz), die am Wochenende im US-amerikanischen Denver begonnen hat und bis morgen dauert — vielleicht als Anspielung auf ihren Koordinator. Dr. Bernd Mohr ist Ingenieur am Supercomputing-Zentrum im Forschungszentrum Jülich (FZJ).

Und er ist der erste Nicht-Amerikaner, der die wichtigste Supercomputing-Konferenz der Welt organisiert. Das hat das FZJ mitgeteilt. Über 11.000 Experten aus 60 Nationen, von Universitäten, Forschungslaboren, aber auch Computerhersteller und Anwender besuchen die Messe. Drei Jahre dauerten die Vorbereitungen. Am Wochenende hielt Mohr die Eröffnungsrede vor 3000 Besuchern.

Als junger Mann sei das so eine Sache gewesen: „Ich war lang und dürr, ein Klappergestell und Computer-Geek, kein Held für das weibliche Geschlecht“, erzählte Bernd Mohr und lachte. Dass dieser 1,93 Meter große Mann einmal schüchtern gewesen sein soll, ist heute schwer vorstellbar. Bei Mohr laufen alle Fäden zusammen — und er genießt die Verantwortung in vollen Zügen: „Eine Art Managertraining“, sagte er.

In einem Zeitraum von drei Jahren — gespickt mit schlaflosen Nächten, unzähligen Meetings und Verhandlungen in den USA — hat der 57-Jährige die Konferenz mit 600 Freiwilligen auf die Beine gestellt. „Eine Achterbahnfahrt, die ich immer wieder antreten würde“, resümierte er.

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in einem nordbayerischen Dorf, hatte der Sohn eines Schriftsetzers zunächst noch ganz andere Zukunftspläne: Staudämme und Brücken wollte er bauen. Dann kam ein Tag der offenen Tür an der Universität Erlangen: „Dort habe ich zum ersten Mal diese riesigen Computer gesehen, war begeistert und habe mich prompt für Informatik eingeschrieben“, erinnerte sich Mohr. Die Faszination hält bis heute an: „In einem Beruf, in dem ich etwas mit den Händen schaffe, bin ich immer eingeschränkt, beispielsweise im Material.

Mit einem Computerprogramm hingegen bin ich frei. Ich schaffe etwas Neues, und wenn es nicht funktioniert, drücke ich die Löschtaste und beginne von vorne.“ Als junger Informatiker fiel es ihm zunächst schwer, vor vielen Menschen über seine Arbeit zu sprechen: „Lieber wollte ich im stillen Kämmerlein forschen.“ Doch irgendwo zwischen all den Vorträgen in englischer Sprache, die er rund um den Globus gehalten hat, verlor er seine Zurückhaltung — zumindest gegenüber einem großen Publikum. Seiner zehnminütigen Eröffnungsrede vor 3000 Zuschauern fieberte der bodenständige Hüne sogar entgegen.

Die technischen Voraussetzungen mit Scheinwerfern und Liveübertragung hat er organisiert: „Ich will schließlich eine Riesenshow abliefern!“ Auf dem Heimflug aber wird sein Sitznachbar nicht so viel von ihm haben: „Privat ziehe ich mich gerne zurück.“