Städteregion: Jubilarfeier: Chöre müssen sich dem Wandel stellen

Städteregion : Jubilarfeier: Chöre müssen sich dem Wandel stellen

Welche Chancen haben unsere Chöre im Zeitalter von Sendungen wie „Voice of Germany“ oder „Deutschland sucht den Superstar“? Dieser Frage ging Claudia Rübben-Laux, Landeschorleiterin und Vorsitzende im Musikausschuss des Chorverbandes NRW, in ihrer Festansprache bei der zentralen Jubilarfeier des Chorverbandes der Städteregion im Krönungssaal des Aachener Rathauses nach.

Zu der Feierstunde begrüßte Wilfried Leisten, Vorsitzender des Chorverbandes der Städteregion, zahlreiche Gäste, unter ihnen OB Marcel Philipp.

Rübben-Laux weiß, dass die Lage der Chöre auf den ersten Blick nicht wirklich rosig aussieht. Der Chorverband NRW habe in den vergangenen zehn Jahren 500 Männerchöre verloren. Dann überraschte sie mit einer guten Nachricht: Es gebe im Verband immerhin noch 1290 Männerchöre. Deutschlandweit würden 3,2 Millionen Menschen in insgesamt 60.000 Chören dem Gesang nachgehen. „Stellen Sie sich vor, ganz Berlin ein einziger singender Chor“, sagte sie stolz.

Nicht nur diese Zahlen würden für sich sprechen, zunehmend würden Wissenschaftler auf das Singen aufmerksam, und deren Studien belegten, wie wertvoll das Singen für die Menschen sei. Singen im Chor steigere die Konzentrationsfähigkeit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität, bringe Energieschübe. Gut funktionierendes „Rudelsingen“ in Kneipen mache deutlich, dass Singen für viele Menschen ein Ventil sei.

Wie aber schaffe man es, begeisterte Sänger auch an die Chöre zu binden? Überalterung und Nachwuchssorgen würden einen Chor nicht über Nacht ereilen. Klagen und Jammern helfe nicht weiter. Zur Zukunftssicherung gehöre ein gut funktionierender Vorstand, eine offene und ehrliche Zusammenarbeit mit dem Chorleiter und eine fortschrittliche Ausrichtung des Vereins.

Keine Forderung sei so uneingeschränkt gültig, wie die nach Leistung. Leistungsstarke Chöre hätten in der Regel weniger Zukunftssorgen. Wichtig sei es auch, die Literaturauswahl behutsam zu modernisieren. Dabei gehe es nicht darum, sich zu verbiegen und in die Jahre gekommene Chöre englische Popsongs singen zu lassen, mit denen sie sich überhaupt nicht identifizieren könnten.

Die Freude am Singen in unserer Gesellschaft sei ungebrochen, sie nehme stetig zu, lautete der Tenor. Diese Entwicklung sollte man nutzen, keine pessimistischen Szenarien weitertreiben, sondern den Chorgesang vorantreiben. Dann müsse einem um die Zukunft nicht bange sein. „Vielleicht heißt es dann sogar eines Tages: Deutschland sucht den Superchor“, schloss Rübben-Laux unter starkem Beifall der großen Chorfamilie ihre Rede.

Wenn Sänger feiern, versteht es sich von selbst, dass gesangliche Beiträge zum Gelingen beitragen. Den Anfang machte der MGV „Polyhymnia“ 1881 Mariadorf (Leitung Rudolf Casper). Moderner war das Repertoire des Gemischten Chors „ChorIn Takt“ aus Oberforstbach (Leitung Manuela Frey). Abschließend trat der Frauenchor „Voices“ (Leitung Hubert Schneider, Akkordeonbegleitung Alfred Kraus) aus Eupen auf.