Heinsberg: Jubel kennt keine Grenzen

Heinsberg : Jubel kennt keine Grenzen

Nach dem deutschen 3:2-Sieg über die Portugiesen erlebte Heinsberg einen verrückten Fußballballabend mit ausgelassenem Fanjubel, Autokorso und Sitzblockade, so dass der Straßenverkehr vorübergehend zum Erliegen kam. Polizei und Feuerwehr hatten die Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt.

Viermal lagen sich die Fans der Deutschen Nationalmannschaft beim Public-Viewing auf dem Heinsberger Markt in den Armen. Grund dafür waren die drei Treffer und der Schlusspfiff, als klar war: „Wir sind im Halbfinale.”

Über 2000 Fußballfans hatten sich auf dem Marktplatz eingefunden. Schon fast Siegestaumel herrschte nach der 2:0-Führung in der ersten Halbzeit, doch folgte noch vor dem Halbzeitpfiff mit dem Gegentreffer der erste Dämpfer.

Die 3:1-Führung ließ das Stimmungsbarometer noch einmal kräftig steigen, bevor dann der erneute Gegentreffer in der 86. Minute für so manches „Nein!” als Schrei des Entsetzens sorgte. Die Anspannung spielte sich auf den Gesichtern der Fans wider. Mit dem Abpfiff des Spiels entlud sich dann die ganze Fanbegeisterung in einem Freudentaumel.

Das erste Sit-In gab es gleich auf der Kreuzung Hochstraße/Markt, wo in den nationalfarben kostümierte Fans lautstark und Fahnen schwenkend jubelten. Der Fan-Tross bewegte sich dann Richtung Busbahnhof. Es dauerte nicht lange und an der Kreuzung ging gar nichts mehr.

Mit großen Hoffnungen auf viele Tore und ein Weiterkommen der portugiesischen Nationalmannschaft saßen nicht nur in Oberbrucher Wohnzimmern und Gaststätten auch hunderte portugiesische Landsleute vor den Fernsehern. Denn viele gebürtige Portugiesen leben teilweise schon seit 50 Jahren im Kreis Heinsberg, haben hierzulande geborene Kinder und fühlen sich so richtig wohl als deutsche Portugiesen.

Deshalb war während und nach dem Viertelfinal-Ausscheiden auch keinesfalls nur Trauerstimmung angesagt. Im Gegenteil: Wie im Cafe„ Lisboa oder im portugiesischen Zentrum in Heinsberg jubelten viele mit, als die Deutschen Tore fielen.

Mit portugiesischem Herzen in ihrer neuen deutschen Heimat hofften sie nach den Anschlusstreffern natürlich bis zur letzten Sekunde, dass es doch noch noch zu einem glücklichen Ende für ihr Team kommen sollte.

Im Café Lisboa jubelten Portugiesen mit Deutschen, Griechen, Spaniern, Türken und Kroaten über jedes Tor. Alle waren begeistert über ein spannendes Fußballspiel und vielleicht auch über ein friedliches Miteinander der Nationen im Herzen Europas.