Städteregion: Jobs für behinderte Menschen gesucht

Städteregion : Jobs für behinderte Menschen gesucht

Fredi Gärtner weiß, was viele der Menschen mit Behinderung, die in einer der acht Werkstätten der Caritas in der Städteregion arbeiten, sich wünschen: Sie möchten am liebsten in einem Betrieb auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt arbeiten.

Für die Beschäftigen mache es einen großen Unterschied, wo sie arbeiten, weiß Gärtner aus Erfahrung. Der Leiter des Bereichs Soziale Dienste und Berufliche Bildung bei der Caritas-Behindertenwerk GmbH (CBW) und seine Kollegen sprechen einmal im Jahr mit jedem der mehr als 1200 Beschäftigten der CBW. Dabei steht im Mittelpunkt, was der Mensch mit Behinderung möchte: Möchte er in einer Werkstatt arbeiten, wo es viele Pausen gibt, wo es eine gute Begleitung von Teamleitern gibt und wo der Mensch und nicht die Arbeit im Mittelpunkt steht? Oder möchte er zurück auf den ersten Arbeitsmarkt? Viele wollen Letzteres, aber es fehlt an entsprechenden Arbeitsplätzen.

Nicht so bei Cinram in Alsdorf. Dort arbeiten derzeit 32 CBW-Beschäftigte im Alter zwischen 20 und 60 Jahren. Sie ordnen CDs in Hüllen. „Unsere Mitarbeiter haben Lust zu arbeiten“, erklärt Bereichsleiterin Margarethe Pinkawa. Gemeinsam mit den beiden Gruppenleitern Rainer Bonk und Reiner Bierfert betreut sie die CBW-Mitarbeiter. „Wir müssen immer auf Termin arbeiten. Das sagen wir aber nicht, denn das würde unnötig Stress auslösen“, erzählt Pinkawa.

Abwechslungsreiche Arbeit

Jürgen (55) kommt jeden Tag gerne zur Arbeit. „Die Arbeit ist abwechslungsreich. Mal falten wir die Blätter, die in die CD-Hüllen gesteckt werden, mal müssen wir bis zu vier CDs richtig in den Hüllen anordnen, oder wir müssen die Hüllen mit Folie einschweißen.“ Das sind alles Arbeiten, die bei Cinram per Hand gemacht werden können. Alsdorf ist der größte europäische Produktions- und Distributions-Standort der Firma Cinram, einem der größten Hersteller und Logistik-Dienstleister für führende Unternehmen in der Home Entertainment-lndustrie. Zu den derzeit wichtigsten Aufgaben der Cinram GmbH gehören die Herstellung der Formate Blu-Ray, DVD und CD, die Herstellung der Drucksachen, die europaweite Logistik und weitere Dienstleistungen. Dabei bietet Cinram einen auf jeden Kunden abgestimmten Service.

Soziale Verantwortung

Um das alles bewerkstelligen zu können, beschäftigt Dieter Lubberich, Geschäftsführer von Cinram, außer den knapp 1100 eigenen Mitarbeitern in Alsdorf auch die 32 Frauen und Männer der CBW. „Bei der Beschäftigung der Menschen mit Behinderung geht es nicht um wirtschaftliche Aspekte“, erklärt der Geschäftsführer. „lch sehe es als unternehmerische und soziale Verantwortung, Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, am normalen Arbeitsleben teilzunehmen, wenn sie wollen.“ Trifft er auf die Mitarbeiter, freut er sich. „Sie sind wirklich motiviert und machen ihre Arbeit sehr gut“, lobt Lubberich.

Als Geschäftsführer muss er auch für die Sicherheit der CBW-Mitarbeiter sorgen. „Wir haben die Behinderung der Menschen im Blic“, sagt er. Manchmal gingen sie beispielsweise in Gedanken versunken durch die großen Hallen, durch die auch Gabelstapler fahren. Beschäftigte ohne Behinderung achten laut Lubberich auf die drohende Gefahr und richten sich nach den Bodenmarkierungen. „Für die Menschen mit Behinderung müssen wir die Wege genauer abtrennen und Abgrenzungen errichten, damit sie vor den Gabelstaplern sicher sind.“

Die CBW-Mitarbeiter fühlen sich gut aufgehoben. „Hier zu arbeiten ist schöner als in der Werkstatt“, sagt etwa Detlef (45) mit einem Lächeln. Wenn es mal schwierig wird, weil es Streit unter den Mitarbeitern gibt, mischt sich Margarethe Pinkawa ein. Sie kümmert sich darum, dass die CBWler nicht so viel Stress in Konfliktsituationen haben, berichtet sie. Ermöglicht eine Firma wie Cinram mehreren CBW-Beschäftigten die Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, schickt die CBW immer einen Teamleiter mit.

Die CBW kann aber nicht nur „Außengruppen“ in Betrieben einrichten. „Wenn ein Betrieb nur einen einzelnen Arbeitsplatz an einen unserer Beschäftigten vergeben möchte, freuen wir uns ebenso“, sagt Fredi Gärtner, der passgenaue Arbeitsplätze sucht. Jeder Arbeitgeber kann erst mal vier bis acht Wochen testen, ob der Mann oder die Frau in sein Team passt. Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt sind jedoch rar. „Wir hoffen immer auf Arbeitgeber, die sich auf eine Beschäftigung einlassen“, sagt Gärtner.

(red)