Städteregion Aachen: Jobcenter: Zahl der Leistungsbezieher ist gestiegen

Städteregion Aachen : Jobcenter: Zahl der Leistungsbezieher ist gestiegen

Im vergangenen Jahr haben mehr Menschen in der Städteregion Geld vom Jobcenter bekommen, als noch 2011. Und das, obwohl sich die Konjunktur in einem Aufschwung befand. Mit 52.384 Kunden lag die Zahl im vergangenen Dezember 2,6 Prozent über der Zahl zwei Jahre zuvor, teilte das Jobcenter der Städteregion Aachen in der Jahresbilanz für 2013 mit.

Der Grund sei vor allem in der Lohnentwicklung zu finden, sagte Stefan Graaf, Geschäftsführer des städteregionalen Jobcenters. Seit es Hartz IV gebe, stagnierten die Löhne der unteren Einkommensgruppen. Die Zahl der Aufstocker steige, immer mehr Berufstätige kämen trotz Job nicht mehr ohne Hilfe des Jobcenters über die Runden.

Ende 2013 waren es mit 9504 Menschen rund ein Viertel aller erwerbsfähigen Leistungsbezieher. „Jedes fünfte Kind lebt mit den Eltern in Hartz IV.“ Mit 5824 Personen ging der größte Teil einem Mini-Job nach, mit einem Verdienst von 450 Euro oder weniger. 975 von ihnen bezogen sogar mit einem Gehalt von über 1200 Euro Leistungen vom Jobcenter. Graaf: „Arbeit alleine beendet nicht die Hilfebedürftigkeit.“

Für Stefan Graaf, Geschäftsführer des städteregionalen Jobcenters, gibt es einen weiteren Grund zur Sorge. Nach einem historischen Tiefstand bei den Langzeitarbeitslosen Ende 2012 ist ihre Zahl erstmals seit sieben Jahren wieder gestiegen, um 5,7 Prozent auf 9849. Als Langzeitarbeitslos gelten Menschen, die zwölf Monate oder länger ohne Arbeit sind. „Das ist die große Herausforderung, die das Jobcenter und der Arbeitsmarkt vor der Brust haben“, sagte er.

Die Gründe lägen vor allem in schlechter Berufsausbildung, gesundheitlichen Einschränkungen oder fehlender Mobilität. In diesem Zusammenhang richtet Graaf den Appell an die Arbeitgeber in der Region, auch Bewerbern, die vielleicht nicht zu 100 Prozent zur Stellenbeschreibung passen, eine Chance zu geben.

Die Arbeitslosenquote ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht — um 0,1 auf 6,5 Prozent — gestiegen. Unter den Kunden des Jobcenters ist der Trend zum Einpersonen-Haushalt eindeutig nachvollziehbar. Die Zahl der Single-Bedarfsgemeinschaften ist weiter gestiegen (2012: 13 638; 2013: 14 062) und bildet nach wie vor den größten Block in den Bedarfsgemeinschaften.

Seine Aufgabe musste das Jobcenter 2013 wieder mit weniger Geld bewältigen. 2008 waren in etwa so viele erwerbsfähige Leistungsberechtige Kunde beim Jobcenter, wie im vergangenen Jahr. Dennoch standen Graaf 2013 mit 27,6 Millionen rund 15 Millionen Euro weniger für Eingliederungsleistungen zur Verfügung, als noch fünf Jahre zuvor. Pro Kunde sank die Eingliederungsleistung von 1112 auf 733 Euro.

Die Schwerpunkte in diesem Jahr liegen laut Graaf naturgemäß weiter auf der Sicherung des Lebensunterhalts für rund 53.000 Menschen in der Städteregion Aachen. Neben der Fachkräftesicherung und dem Abbau von Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit, steht auch die „praxisnahe Qualifizierung in konkreten Berufen und Berufsgruppen“ auf der Agenda.

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