Geilenkirchen: „Jetzt wieder aufgeräumt im Oberstübchen”

Geilenkirchen : „Jetzt wieder aufgeräumt im Oberstübchen”

Verlegen Sie nicht auch schon einmal die Brille? Suchen Sie das eine oder andere Mal Ihre Schlüssel? Und wie ist es mit Namen? Na wie hieß er noch, der Herr...? Schon vergessen?

„Man kann die Konzentration und das Gedächtnis ständig trainieren und sollte dies auch tun, um dem geistigen Verfall vorzubeugen”, erklärt Kirsten von Fürstenberg. Die Geilenkirchener Diplom-Sozialpädagogin weiß: „Wer rastet, der rostet. Und das gilt auch für unsere Gedächtnisleistungen.” Denn: Alles, was nicht gefordert wird, schwindet.

Dabei besteht das menschliche Gehirn aus über 100 Milliarden Nervenzellen. „Und viele werden gar nicht genutzt. Durch lebenslanges Lernen kann man Zellen neu programmieren.” Seit Ende der 80er-Jahre beschäftigt sich Kirsten von Fürstenberg mit Gedächtnis- und Konzentrationstraining. In jenen Jahren leitete sie eine Begegnungsstätte für Senioren in Waiblingen bei Stuttgart.

„Es kamen immer mehr Menschen zu mir, die darüber klagten, dass sie sich nichts mehr merken konnten. Sie haben sich regelrecht zurückgezogen. Und ich sagte mir, da muss man etwas gegen tun.” Die Sozialpädagogin beschäftigte sich mit der aktuellen Forschung, unter anderem mit Literatur der auf dem Gebiet bekannten Dr. Franziska Stengel.

Und Kirsten von Fürstenberg erkannte: „Wie ein Muskel, der nicht beansprucht wird, an Kraft verliert, so verliert auch das Gehirn Fähigkeiten. Es besteht ein Zusammenhang zwischen sozialem Rückzug und dem Risiko, an Demenz zu erkranken.”

Entspannung

Seit neun Jahren lebt Kirsten von Fürstenberg mit ihrer Familie im Geilenkirchener Fasanenweg und bietet regelmäßig Kurse im Gedächtnis- und Konzentrationstraining an. „Zwischen dem 60. und dem 80. Lebensjahr werden Fähigkeiten merklich abgebaut. Das kann man durch frühzeitiges Training kompensieren.” Deshalb sind nicht nur Senioren ihre Zielgruppe.

„Die Kurse richten sich an Menschen ab dem mittleren Alter, an alle Bildungsschichten, an Männer und Frauen”, so von Fürstenberg. In ihren Kursen fördert die Sozialpädagogin die linke Gehirnhälfte, die für das rationale Denken verantwortlich ist, lässt dabei aber auch nicht die rechte Gehirnhälfte außer Acht, die für Kreativität und Phantasie verantwortlich ist. Man lernt, spielerisch das Gedächtnis zu trainieren.

Viel Spaß dabei

Doch vor der Konzentration steht die Entspannung. Das geschieht in den Kursen durch entsprechende Atemübungen, durch Muskelentspannung, durch Yoga. Dann gilt es für die Teilnehmer, sich durch einen „Buchstabensalat” zu kämpfen, Zahlenspiele zu bewältigen oder so genannte Schüttelwörter (aus Natter wird Ratten) zu erkennen. Übungen mit spiegelverkehrten Buchstaben und verwirrende Zeichen sind dann den Fortgeschrittenen vorbehalten.

Sie gibt den Teilnehmern nicht nur kleine Übungen mit auf den Heimweg, die oft mit viel Spaß mit der ganzen Familie gelöst werden, sie gibt auch jede Menge Tipps.

Wie kann man sich am besten Namen merken? „Durch Eselsbrücken, Bilder und Bewegung”, sagt von Fürstenberg und nennt ein Beispiel: „Nehmen wir doch einmal den Namen Kaminski. Den Namen kann man in Kamin und Ski trennen. Stellen wir uns doch mal das kuriose Bild eines in einem Kamin steckenden Ski vor. Mit diesem Bild kann man sich den Namen merken, wenn man es mit dem Gesicht in Verbindung bringt. Die Phantasie fördern ist wichtig.”

Ganz wichtig ist für Kirsten von Fürstenberg, sich unter Menschen zu bewegen. „Man darf sich nicht zurückziehen, nicht nur zu Hause vor dem Fernseher sitzen. Förderlich sind Hobbys”, rät die 44-Jährige.

„Ist die Konzentrationsfähigkeit verbessert, gewinnen die Menschen mehr Lebensqualität. Und den Leuten tut es gut zu sehen, ich kann immer wieder etwas Neues lernen”, weiß sie. Und sie freut sich natürlich auch über so manch lobendes Wort ihrer Kursteilnehmer - wie beispielsweise: „Jetzt bin ich wieder aufgeräumt im Oberstübchen...”