Heinsberg-Oberbruch: Jetzt auch Muttergesellschaft insolvent

Heinsberg-Oberbruch : Jetzt auch Muttergesellschaft insolvent

Rund 190 Arbeitsplätze sind derzeit bei dem Oberbrucher Chemiefaser-Hersteller KUAG durch die Insolvenz des Unternehmens akut gefährdet.

Der dramatische Anstieg der Rohstoffpreise und die Konkurrenz aus Fernost hatten den Produktionsbetrieb in die Verlustzone getrieben.

In einer Pressemitteilung der Firmenleitung, die auch Bestandteil unserer Berichterstattung war, stand zudem: „Erschwerend kam hinzu, dass das Mutterunternehmen TWD, die Textilwerke Deggendorf, die aufgetretene Liquiditätslücke nicht durch entsprechende Gruppen-Kredite überbrücken konnte.”

Warum dies nicht möglich war, zeigt sich jetzt. Denn am Dienstag musste die TWD GmbH in Deggendorf selbst den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen.

Zur Erinnerung: Die KUAG Oberbruch ist eine hundertprozentige Tochter der TWD KUAG Konz und diese wiederum gehört zu 100 Prozent den Textilwerken Deggenddorf.

Die TWD-Gruppe beschäftigt insgesamt 1360 Mitarbeiter. Das Umsatzvolumen betrug im letzten Jahr rund 196 Millionen Euro.

„Die negative Marktentwicklung”, heißt es in einer Stellungnahme aus Deggendorf, „verursacht durch die Nachfrageschwäche in gesättigten Märkten und abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, wegen steigendem Importangebot aus Billiglohn-Ländern - verstärkt durch das Auslaufen der Quotenbeschränkung des Welt-Textilabkommens zum 1. Januar 2005 - ist nachhaltig und unumkehrbar.”

Die Tatsache, dass KUAG in Oberruch mangels Zustimmung des Bundeskartellamtes nicht habe veräußert werden können, habe eine Entlastung der Verluste fahrenden Unternehmensgruppe verhindert.

Ähnlich wie KUAG, verordnet sich auch die Muttergesellschaft Optimismus und behauptet: „Diese Insolvenz bedeutet nicht das Aus.”

Durch die Eliminierung der Verlustbereiche des Unternehmens, die Abspaltung von unrentablen Betriebseinheiten sowie „verträgliche und konzentrierte Maßnahmen im Personalbereich” will die TWD-Gruppe ihr Überleben sichern.

Für KUAG, so erläuterte Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum aus Düren auf Anfrage, spiele die Insolvenz von TWD nur deshalb eine Rolle, „weil TWD auch Kunde von KUAG ist und ich mit dem dortigen Insolvenzverwalter klären muss, ob das auch weiterhin so bleibt”.

Derzeit, so Zumbaum, „verbringe ich 90 Prozent meiner Zeit nicht mit strategischen Überlegungen, sondern mit Schmerztherapie - nämlich der Frage, wie halte ich das Unternehmen liquide.”

Der Zeitkorridor zwischen den sofort zu bezahlenden Lieferanten und den erst später eingehenden Kundengeldern sei hier maßgeblich.

Den Anstieg der Rohstoffpreise, der vom Management immer wieder als ein Hauptgrund für das Abgleiten in die Verlustzone angeführt wird, lässt Zumbaum übrigens als Ursache für die Misere nur bedingt gelten. Schließlich müssten diese Preise überall auf der Welt gezahlt werden.