Heinsberg: „Jammern fehl am Platz, oder unverschämt”

Heinsberg : „Jammern fehl am Platz, oder unverschämt”

2008 nähert sich seinem Ende. Und selten gab es ein solch emotionales Auf und Ab wie in diesem Jahr. Dem Wettkampf der Athleten bei den Olympischen Spielen in China folgte ein Wettlauf dramatischer Ereignisse mit der globalen Bankenkrise und ihren noch nicht absehbaren Folgen an der Spitze.

Redakteur Rainer Herwartz sprach mit dem Vorsitzenden des Gewerbe- und Verkehrsvereins, Detlef Chudziak, darüber, wie sich das Szenario auf die Heinsberger Geschäftswelt auswirkte und über seine ganz persönliche Sicht so mancher Entwicklungen.

Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei und die jährlich wiederkehrende Umtauschwelle schwappt sicher auch schon durch die Kreisstadt. Hat die globale Finanzkrise den Heinsberger Händlern arg zu schaffen gemacht?

Chudziak: Wer richtig aufgestellt ist im Hinblick auf Preis, Dienstleistungen oder gar beides, der braucht die Finanzkrise nicht zu fürchten und hat sie wohl auch nicht gemerkt. Ich habe nur negative Rückmeldungen von solchen Betrieben bekommen, die diese Kriterien nicht erfüllen.

Jammern ist meiner Meinung nach fehl am Platz und sogar unverschämt gegenüber solchen Menschen, die weit weniger zur Verfügung haben und dennoch in unsere Geschäfte kommen.

Rücken die Gewerbetreibenden bei einer schlechten Konjunktur eigentlich eher zusammen oder erwacht eine Art Einzelkämpfermentalität?

Chudziak: Nein, es erwacht keine Einzelkämpfermentalität. Man rückt in der Tat näher zusammen. Es werden mehr Anstrengungen unternommen und Ideen entwickelt, um erfolgreich zu sein.

Die Frage zielt natürlich auch auf die Zahl Ihrer Mitglieder im Gewerbe- und Verkehrsverein. Hat sie in diesem Jahr zugenommen?

Chudziak: Die Mitgliederzahl ist seit Jahren stabil und dreht sich um rund 110.

Der G&V ist stets bemüht, die Attraktivität der Stadt für potenzielle Kunden durch unterschiedliche Events zu steigern. Die Mitgliedsbeiträge dürften dazu wohl kaum reichen. Gibt es für sie noch zusätzliche verlässliche Geldgeber, die auch im nächsten Jahr bei der Stange bleiben?

Chudziak: Ja. Die Mitgliedsbeiträge stellen lediglich das Grundgerüst dar, um die umfangreichen organisatorischen Aufgaben zu bewältigen, die täglich anfallen. Wir können uns zum Glück auf die Heinsberger Industrie, den Handel und Immobilienunternehmen stützen, die überwiegend inhabergeführt sind. Sie unterstützen uns gerne, weil sie sehen, dass etwas passiert.

Ist die Erwartungshaltung an das, was der G&V leisten soll, im Laufe der Jahre gestiegen?

Chudziak: Das ist eindeutig so. Das zeigen nicht nur die Anfragen und Eingaben von Händlern, sondern auch von Privatpersonen, die bei uns eingehen. Eine überzogene Forderung war zum Beispiel, wir sollten uns darum kümmern, dass der Marktplatz überdacht werde, damit die dortigen Veranstaltungen stets im Trockenen stattfinden könnten.

Das Engagement wird augenscheinlich immer nur von den selben Protagonisten gezeigt. Macht sie das nicht auf die Dauer mürbe?

Chudziak: Das macht mich nicht mürbe, denn es sind wirklich nur augenscheinlich immer dieselben Aktiven. Wir sind mittlerweile eine große Gruppe. Es bedarf nicht immer meiner Person. Wenn einer von uns Ômal nicht kann, übernimmt ein anderer seine Aufgaben.

Hand aufs Herz, glauben Sie, dass ein Gewerbeverein es in anderen Kommunen einfacher hat?

Chudziak: Klares Nein! Ich höre im Gegenteil in Städten im Umkreis von Schwierigkeiten. Wir werden immer wieder gefragt, wie wir das alles schaffen. Bei anderen Verwaltungen heißt es oft, es sei kein Geld da. Wir erleben hier eine umfangreiche Unterstützung jeglicher Art. Es mag auch an der Erkenntnis liegen, wenn der G&V es nicht macht, müsste es die Verwaltung tun.

Was wäre denn ihrer Meinung nach vonnöten, damit Ihre Arbeit in Zukunft leichter wird?

Chudziak: Ich würde mir wünschen, dass auch nicht-inhabergeführte Ketten bereit wären, einen Beitrag zur Attraktivität der Stadt zu leisten, der über das eigene Sortiment hinausgeht. Das ist bei den meisten nicht der Fall.

Ein positives Beispiel ist Woolworth, die unser größtes Einzelmitglied sind. Zudem wünsche ich mir, dass all die Händler, die an allen Leistungen des G&V partizipieren, aber keine Beiträge leisten, bereit sind, zukünftig fairer zu handeln.

Wenn Sie die letzten Jahre Revue passieren lassen, was waren dann die größten Erfolge des G&V?

Chudziak: Die Weihnachtsbeleuchtung ist nach wie vor in der Region einzigartig. Auch die HeinsbergCard ist in ihrer Art ein Novum im Kreisgebiet. Ein weiterer Punkt sind die Stadtmarketingaktivitäten, bei denen Stadt und G&V intensiv zusammengearbeitet haben. Ein Beispiel ist die komplette Neugestaltung des Heinsberger Zentrums.

Nach dem Rückblick nun ein Ausblick. Können Sie schon verraten, worauf die Heinsberger und ihre Gäste sich im nächsten Jahr freuen dürfen?

Chudziak: Es beginnt mit dem verkaufsoffenen Sonntag am 8. März, dann steht wieder die Oranje City zum Koninginnendag an. Am 6. und 7. Juni gibts das City-Confetti.

Das Motto zum Stadtfest am 5. und 6. September steht noch nicht fest. Auch der Weltkindertag wird wieder gefeiert. Und am Jahresende zum 1. Advent am 29. November werden neben einem verkaufsoffenen Sonntag auch wieder einige Aktionen geplant.