Heinsberg-Oberbruch: Jakob Ronkartz „kocht” seit 40 Jahren

Heinsberg-Oberbruch : Jakob Ronkartz „kocht” seit 40 Jahren

40 Jahre lang ist Jakob Ronkartz nun schon „Koch” an St. Aloysius Oberbruch. Küster, Organist und Chorleiter, das ergibt im internen Sprachgebrauch der Katholischen Kirche den „Koch”.

Die Musik, daraus macht er kein Geheimnis, war ihm immer lieber als das Kerzenanzünden, Glockenläuten und den Pfarrer mal am Arm zupfen, wenn das Messgewand nicht richtig saß. Er hat seinen Beruf schon in früher Jugend ergriffen.

Sein Vorgänger Klaus Lowis war ebenfalls Küster, Organist und Chorleiter an St. Aloysius Oberbruch. Als die Stelle vakant wurde, bewarb sich ein damals sehr junger Mann aus Langbroich-Harzelt. Aber Jakob Ronkartz hatte etwas vorzuweisen.

Schon früh war im Elternhaus die Musikalität des Jungen aufgefallen. Sein Vetter Günter Spiertz wurde sein erster Klavierlehrer. Nach der Schulausbildung absolvierte der junge Ronkartz ein vierjähriges Studium an der katholischen Hochschule für Kirchenmusik St. Gregorius Aachen, die 2007 geschlossen wurde.

Jakob Ronkartz hatte also sein Rüstzeug in der Tasche, als er zum Bewerbungstermin in der Pfarrkirche St. Aloysius erschien. So ganz firm in Sachen Kirchenmusik waren die Vorstandsmitglieder nicht. Der „Neue” sollte die schöne Orgel des weltbekannten Bonner Orgelbauers Klais für die Gottesdienstbesucher erklingen lassen. Das zu bewerten wurde Dieter Schwaak, ein Oberbrucher Jung, leider inzwischen verstorben, als Sachverständiger hinzugezogen.

In Sachen Kirchenmusik hat er in der Region ein Zeichen gesetzt, studierte damals an der Musikhochschule Köln, wurde später Kantor. Die Bewertung des Orgelvorspiels von Jakob Ronkartz während einer Messe fiel positiv aus. Dieter Schwaak empfahl den jungen Organisten damals der Kirchengemeinde. Schwere und schwierigste Stücke habe dieser gut gespielt.

Die originale Dienstanordnung für „Köche”, die vor 40 Jahren in den Dienst der Pfarrgemeinde treten wollten, ist in der Personalakte von Jakob Ronkartz noch vorhanden. Der Küster musste nicht nur katholischen Glaubens sein, er durfte auch keine Gaststätte betreiben und sollte in schwarzer Kleidung zum Dienst erscheinen, um nur wenige Kriterien zu nennen. Eine Kneipe hat Jakob Ronkartz nie betrieben, katholisch getauft war er, aber in schwarzer Kleidung ist er nie zum Dienst erschienen. Diese Kleiderordnung war schon überholt.

Die ersten Jahre als „Koch” an St. Aloysius Oberbruch forderten Jakob Ronkartz auch Sportliches ab. Ein Auto hatte er nicht, statt dessen musste er 13 Kilometer bis nach Oberbruch hin und zurück manchmal mehrmals täglich zu den Messen, Schulgottesdiensten, Beerdigungen und Hochzeiten mit dem Fahrrad zurücklegen. Eines Tages schüttete es dermaßen, dass er den damaligen Pfarrer Großmann telefonisch benachrichtigte, er könne unmöglich mit dem Rad nach Oberbruch kommen. Aber Pfarrer Großmann kannte kein Pardon.

Jakob Ronkartz radelte dann doch durch den Regen, Pfarrer Großmann nahm den Schulgottesdienst ernster als einen Dauerregen.

Die Messen und kirchlichen Veranstaltungen an St. Aloysius wurden über die Jahre weniger. Für die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Heinsberg-Oberbruch „kocht” Jakob Ronkartz heute auf vier Herden, als Küster, Organist und Chorleiter in St. Aloysius Oberbruch sowie als Chorleiter und Organist in St. Andreas Eschweiler und St. Lambertus Dremmen und als Chorleiter in St. Mariä Rosenkranz Porselen.

In Oberbruch gründete Jakob Ronkartz den Chor für junge Leute Cantiamo, der am liebsten die Gospelrichtung einschlägt und mit dem er auch schon einige Konzerte veranstaltet hat. Außerdem ist er noch verantwortlich für einen Kinderchor, dessen jährlicher Höhepunkt der begleitende Gesang beim Krippenspiel zu Weihnachten in einer der großen Kirchengemeinden ist.

Die seit seiner Kindheit bestehende Liebe zur Musik hat er beibehalten. Sein Traum war es, mit seinen Chören ein Oratorium aufzuführen. Der Traum ging in Erfüllung mit zunächst dem Oratorium von Carl Loewe „Das Sündenopfer des neuen Bundes” (Aufführung 2008 in Oberbruch) und zwei Oratorien in einem Konzert zu Weihnachten 2011. Das Oratorium „Auf Weihnachten” von Heinrich Rolle und das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns kamen in der Dremmener Pfarrkirche mit fünf Solisten und großem Orchester zur Aufführung.

Pläne für die Zukunft? Jakob Ronkartz: „Solch ein großes Oratorium würde ich gerne auch hier in Oberbruch aufführen.”