Städteregion: Internationale Förderklassen: Schulleiter sehen weiter hohen Bedarf

Städteregion : Internationale Förderklassen: Schulleiter sehen weiter hohen Bedarf

Die Zeiten ändern sich. Das gilt auch für die Zuwanderung von Flüchtlingen in die Städteregion. Sie ist mittlerweile weit entfernt von dem Ausmaß, die sie in den Jahren 2015 und 2016 erreicht hatte. Spürbar ist das nicht zuletzt auch in den neun städteregionalen Berufskollegs, an denen in der Summe zwischenzeitlich bis zu 41 sogenannte Internationale Förderklassen (IFK) eingerichtet worden waren.

Aktuell gibt es derer nur noch 30, weil viele Schüler den Übergang in reguläre Bildungsgänge vollzogen haben und weitaus weniger junge Menschen nachrücken als die Förderklassen verlassen.

Das legt die Vermutung nahe, dass mit der rückläufigen Schülerzahl auch der Bedarf an begleitender Schulsozialarbeit zurückgeht. Doch eben dieser Vermutung widersprechen die Leiter der Berufskollegs vehement. Und sie verweisen darauf, dass sich der Beratungsbedarf nicht mit dem Verlassen der Förderklasse erledige, sondern vielmehr auch in den anderen Bildungsgängen zunehmend feststellbar sei. Die Konsequenz könne deshalb nur sein, die eingestellten Schulsozialarbeiter zu halten und die Stellenkontingente nicht aufgrund der sinkenden Schülerzahlen zu reduzieren.

„Neben dem Versuch, diese Menschen zu unterrichten, müssen wir noch sehr viel mehr Arbeit investieren“, erklärte Ingrid Wagner jetzt auf Nachfrage im städteregionalen Schulausschuss. „Die Gruppe der Geflüchteten ist keine homogene. Die jungen Flüchtlinge haben aufgrund ihrer Genese große und sehr unterschiedliche Probleme. Deshalb benötigen sie auch nach dem Verlassen der Internationalen Förderklassen ganz viel Unterstützung.“

Wagner ist Leiterin des Berufskollegs Simmerath/Stolberg und hat sich gemeinsam mit ihren acht Kollegen gegenüber der Städteregion klar positioniert. Drei Seiten umfasst die Zusammenfassung der Argumente, die den Fraktionen jetzt schriftlich von der Schulverwaltung vorlegt worden ist. Darin ist unter anderem von Angst und Verunsicherung wegen einer drohenden Abschiebung, von weiterhin erheblichen sprachlichen Defiziten, von kulturellen Konflikten und einem in der Summe unverändert sehr hohen sozialpädagogischem Betreuungsbedarf die Rede.

Die Argumente zeigen offenbar Wirkung — bei Politik und Verwaltung. Letztere hat den Vorschlag gemacht, die Schulsozialarbeit zumindest vorerst auf unverändertem Niveau fortzusetzen. Das trifft bei allen Fraktionen auf Zustimmung , was abgesehen vom erkannten und anerkannten Bedarf auch ein bisschen daran liegen könnte, dass die Finanzierung der Stellen noch ein gutes Jahr lang gesichert ist: Bis zum 31. Juli 2019 laufen die Verträge für die multiprofessionellen Teams, die sich jeweils aus drei Schulsozialarbeitern zusammensetzen. Zwei von ihnen bezahlt — auf der Basis eines noch von der rot-grünen Regierung im Jahr 2016 initiierten Sonderprogramms — das Land Nordrhein-Westfalen, die dritte steuert die Städteregion bei, die zudem freiwillig zwei weitere Schulsozialarbeiter auf eigene Kosten eingestellt hat.

Neue Bewertung im Frühjahr 2019

Das macht in der Summe also elf Stellen, die zunächst einmal beibehalten werden können. Weiter reichende Entscheidung will die Politik derzeit noch nicht treffen. Im Schulausschuss haben sich stattdessen alle Fraktionen — den Ausführungen der Verwaltung folgend — darauf verständigt, die Situation und den daraus resultierenden Bedarf im Frühjahr 2019 noch einmal zu überprüfen.

Folgt man der Argumentation der Leiter der Berufskollegs, dann wird sich bis dahin nichts Wesentliches geändert haben. Gut möglich also, dass im neuen Jahr ein weiterer Appell zur Beibehaltung der Schulsozialarbeit folgen wird.

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