Städteregion: „Integration durch Sport“: Vereine als Brücken der Gesellschaft

Städteregion : „Integration durch Sport“: Vereine als Brücken der Gesellschaft

Dieses Thema ist dem Regiosportbund Aachen (RSB) sogar eine eigene Stelle wert: Stephan Mayer hat sie bekommen und kümmert sich jetzt in den Kommunen des Altkreises um „Integration durch Sport“. Der Name ist Programm und spiegelt den neuen Schwerpunkt wider, den der RSB angesichts veränderter gesellschaftlicher Herausforderungen setzen will.

Im September war das Integrationskonzept vom Präsidium beschlossen worden, und nur ein gutes halbes Jahr später können die Verantwortlichen bereits eine sehr positive erste Zwischenbilanz ziehen. „Sport ist ein wesentlicher Integrationsmotor“, weiß Robert Voigstberger. Er beschäftigt sich nicht nur als stellvertretender RSB-Vorsitzender, sondern vor allem als für den Sozialbereich verantwortlicher Erster Beigeordneter der Stadt Stolberg mit dem verstärkten Zuzug von Flüchtlingen und seinen Folgen.

Sind mit der Resonanz auf das Programm „Integration durch Sport“ sehr zufrieden: Robert Voigtsberger (l.) und Thomas Mayer vom Regiosportbund.
Sind mit der Resonanz auf das Programm „Integration durch Sport“ sehr zufrieden: Robert Voigtsberger (l.) und Thomas Mayer vom Regiosportbund. Foto: Michael Grobusch

27 Millionen registrierte Vereinsmitglieder in Deutschland, davon immerhin 70.000 in der Städteregion (ohne Aachen), seien geradezu prädestiniert für gelebte und gelungene Integration. „In den Vereinen gibt es ein unheimlich großes ehrenamtliches Potenzial“, betont Voigtsberger. „Diese Kraft können wir sehr gut nutzen, um Sport und Integration zu verbinden.“ So spiele die Sprache im Sport beispielsweise kaum eine Rolle: „Jeder weiß doch, wie Fußball funktioniert.“

Beim Regiosportbund ist es jetzt Aufgabe von Stephan Mayer, solche Prozesse anzustoßen und zu begleiten. Das Konzept sieht vor, dass Migranten — auch — über den Sport eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden soll. „In diesem Sinne versuchen wir, den Sport für wirklich jeden zu öffnen“, erklärt Mayer. Allerdings nicht mit Hilfe des „Gießkannen-Prinzips“, sondern in sogenannten Stützpunktvereinen.

Sie erhalten über den RSB Fördermittel vom Landessportbund. „Im Gegenzug verpflichten sie sich, Integration als Querschnittsaufgabe zu verankern und Menschen mit Migrationshintergrund ganz gezielt in ihren Verein zu holen“, benennt Stephan Mayer die Voraussetzungen für die auf jährlich maximal 5000 Euro und insgesamt höchstens fünf Jahre begrenzte Unterstützung. Hilfe kommt auch vom Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion — wenn auch nicht in finanzieller Form.

Was ein Verein machen kann, zeigt Stephan Mayer am Beispiel des SC Berger Preuß auf: „Er hat im vergangenen Jahr ein zusätzliches Training mit zwei Übungsleitern eingerichtet.“ Auch die Veranstaltung von Turnieren und die Veröffentlichung von Broschüren gehörten zum förderwürdigen „Paket“

Der Klub aus Eschweiler gehörte zu den allerersten, die sich für die Anerkennung als Stützpunktverein beworben und eine Zusage erhalten haben. Zu diesen zählten im vergangenen Jahr auch der Budo Club Eschweiler, der Taekwondo-Verein Musado Alsdorf, der Boxclub Bam Bam Merkstein und die Spielvereinigung Straß. In diesem Jahr sind bis dato die Stolberger Turngemeinde, der TV Weiden und der SV Falke Bergrath hinzugekommen. „Damit haben wir das von uns betreute Gebiet nicht nur geografisch, sondern auch hinsichtlich der Sportarten schon sehr gut abgedeckt“, findet Stephan Mayer. Gleichwohl soll der Kreis der Stützpunktvereine noch weiter vergrößert werden.

Die Regelangebote können die Flüchtlinge zunächst kostenfrei nutzen, später werden die Vereinsbeiträge dann über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes abgedeckt. Diese Praxis hat sich nach Aussage von Robert Voigtsberger bereits bewährt.

Die Unterstützung für die Vereine umfasst derweil auch Fortbildungen. „Fit für die Vielfalt“, lautet das Motto. Zu den Angeboten zählen unter anderem Schulungen zum Umgang mit Traumafolgen und zur kulturellen Sensibilisierung, aber auch Maßnahmen für Flüchtlinge, die zu Gruppenhelfern ausgebildet werden können. Und das sei nur der erste Schritt, betont Voigtsberger: „Was spricht dagegen, Menschen mit Migrationsgeschichte nicht auch zu Trainern auszubilden oder sie für die Vorstandsarbeit zu gewinnen?“, fragt er rhetorisch. So soll die Chance für den Flüchtling auch zu einer Chance für seinen Verein werden.

Eine Zielmarke gibt es für den Regiosportbund bei „Integration durch Sport“ im Übrigen nicht „Das haben wir offen gelassen“, sagt Thomas Mayer. Und es gibt auch kein Limit. Mayers Zusage steht: „Wir werden jeden Verein, der sich engagieren möchte, auch unterstützen.“