Instagram: Bilder und Hashtags, die das Leben bestimmen

Instagram: Bilder und Hashtags, die das Leben bestimmen

Fitness, Sport, Essen - Der gesunde Lifestyle auf Instagram

Einer dieser durchtrainierten Athleten auf Instagram ist Alexander Meisolle — Aletixx wie er sich in dem Sozialen Netzwerk nennt. Und dieser Name ist Programm. Bei ihm spielen die Magersucht-Hashtags #ano oder #anorexia zwar keine Rolle, dennoch geht es bei ihm um ein perfektioniertes Körperbild.

#herotobemade (werdender Held) liest man da genauso oft wie #workout oder #noexcuses (keine Ausreden). Auf seinen knapp 600 Bildern ist der Stolberger überwiegend selbst zu sehen — meist beim Schwitzen, auf Wettkämpfen, im Urlaub oder unterwegs.

Seine Instagram-Welt dreht sich ganz um das Thema Fitness, Sport, Essen — kurz: einen gesunden Lifestyle. Er verkörpert das Bild des lässigen Sportlers und setzt dabei seinen Körper gekonnt in Szene, entweder in Sportklamotten oder direkt mit nacktem Oberkörper. Ein definiertes Sixpack, Bizeps, durchtrainierte Beine und vor allem kaum ein Gramm Fett.

Man könnte Alexander Meisolle leicht als Narzissten abtun, das wäre aber zu kurz gegriffen. Sein Körper ist sein Aushängeschild, seine Visitenkarte. Denn er arbeitet als Model für eine Sportmarke und ist persönlicher Fitnesstrainer. Instagram ist so auch zur Gratis-Werbeplattform für ihn selbst geworden.

Gut gelaunt, motiviert und immer höchst euphorisch vor dem nächsten Lauf oder nach der letzten harten Trainingseinheit: Alex Meisolles wirkt in seinem Profil wie ein Übermensch in Shorts. Ein echter Athlet, der seine Ziele ohne „Wenn und Aber“ verfolgt.

Doch die vermeintliche Perfektion will Alexander gar nicht vorgaukeln. Eine heile Instagram-Welt, fernab der Realität zu erschaffen, darum gehe es ihm nicht. Stattdessen gibt er sich nach eigenen Angaben komplett authentisch. „Dieses Profil, das bin zu 100 Prozent ich.“

Das würden wohl viele andere Instagrammer zunächst auch so unterschreiben. Bei genauerem Hinsehen allerdings entdeckt man bei den meisten ein scheinbar ausschließlich positives Leben, ohne Makel. Zu Fehlern stehen, sich selbst Probleme eingestehen wie es Alexandra S. und ihre Mitstreiter machen — das ist in dem Sozialen Netzwerk eher die Ausnahme. Meisolle allerdings steht zum perfekt imperfekten Leben: „Ich poste auch mal ein Bild, wenn es mir schlecht geht.“ Oder eben in vermeintlichen Momenten der Schwäche, wenn er nicht Hühnchen und Gemüse isst, sondern zu Pizza oder Burger greift.

Damit will er zeigen, dass man nach viel Disziplin, Hingabe und Durchhaltevermögen durchaus auch mal schwach werden und sich selbst etwas gönnen darf. Seien es Süßigkeiten, fettige Pommes oder eine längere Trainingspause.

Er weiß, dass genau diese vermeintliche Schwäche aber bei manchen Betrachtern das Gegenteil auslösen kann und sie deshalb neidisch auf ihn oder seinen Körper werden könnten; ein Körper, der sogar Burger verträgt und dennoch aussieht wie dem Modekatalog entsprungen. Meisolle hofft jedoch, dass genau das Gegenteil eintritt: dass sein Profil motiviert und ein Ansporn ist, selbst aktiv zu werden — aber eben auf eine gesunde und realistische Art.„Wenn man meine Geschichte sieht und mich als Person kennenlernt, dann weiß man, dass auch mir nichts in den Schoß fällt, sondern dass ich hart dafür kämpfe.“

Dass durchtrainierte Körper wie die des Stolbergers nicht vom Himmel fallen, ist Alexandra S. indes durchaus bewusst. Genau wie der Umstand, dass dieser Kampf auch anhand von Bildern ausgefochten wird. Die Aachenerin klickt aber gerade deshalb immer seltener auf das rot-violette Instagram-Symbol auf ihrem Smartphone. Denn der Magersucht soll nicht die Sportsucht folgen.

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