Instagram: Bilder und Hashtags, die das Leben bestimmen

Instagram: Bilder und Hashtags, die das Leben bestimmen

Der Schein auf Instagram trügt oft

Es sind Menschen, die sie zum Großteil noch nie getroffen hat, und doch teilen sie eine gemeinsame Geschichte, einen gemeinsamen Kampf gegen die Essstörung, den sie auch in Form von Bildern ausfechten. Sie tauschen „Weiter so“-Aufmunterungen und „Du siehst heute so viel besser aus“-Kommentare unter ihren Beiträgen aus. Und schreiben, dass es auch okay ist, wenn man sich mal schlecht fühlt.

„Ich glaube, dass mir Instagram bei meinem Kampf gegen die Magersucht tatsächlich geholfen hat“, sagt die Aachenerin. „Alle, die ich bewundert habe, haben sich professionelle Hilfe geholt.“ Damit gaben sie ihr den Mut und die Kraft, selbst im Frühjahr 2016 in einer Klinik einzuchecken. Seitdem lautet auch ihr Ratschlag, den sie viele Male unter Vorher-Nachher-Bildkombinationen und Fotos von einem deftigen Mittagessen oder einem Stück Sahnetorte gepostet hat: Sucht euch Hilfe! Lasst euch stationär behandeln!

Es gab eine Zeit, da hat Alexandra penibel auf die Reaktionen auf solche Posts geachtet. Auf die Anzahl ihrer Follower, die Anzahl der Likes unter ihren Fotos, markiert durch kleine Herzchen. Doch je gesünder Alexandra wurde, desto weniger wichtig wurde die bildhafte Darstellung ihrer selbst in dem Sozialen Netzwerk. „Das war meine kleine Welt, als ich krank war. Doch je mehr ich mich wieder mit Leuten treffe, desto weniger wichtig ist es für mich“, sagt sie und fügt nachdenklich hinzu: „Man verliert den Blick fürs Wesentliche, wenn man sich in dieser Welt verfängt.“

Denn „diese Welt“, die sei in vielen Fällen längst nicht so aufregend, so perfekt gestylt und vor allem so fröhlich, wie es ausgewählte Fotos und vermeintliche Schnappschüsse suggerieren. „Viele Leute stellen sich ganz anders dar, als sie sind, und präsentieren sich nur von ihrer besten Seite. Man misst sich dann mit ihnen und fühlt sich hässlich“, sagt Alexandra. Sie weiß: Je mehr Menschen einem folgen, desto mehr wächst auch die Verantwortung. Ist diese Vorher-Nachher-Kombination Motivation für andere, gesund zu werden? Oder könnte das Bild einer knochigen Hand, eines eingefallenen Gesichts ein „Trigger“, ein Auslöser, sein, der andere zurück in die Magersuchtspirale schleudert? Insbesondere für Menschen, die anfällig und emotional nicht gefestigt sind, kann die exzessive Instagram-Nutzung gefährlich werden.

Diesen Eindruck bestätigte eine Studie der Royal Society for Public Health (RSPH) und der Young Health Movement (YHM) von 2017. Von knapp 1500 befragten Jugendlichen in Großbritannien wurde Instagram als besonders schädlich für die psychische Gesundheit bewertet. Die jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren assoziierten die Foto-Plattform überwiegend mit negativen Gefühlen wie Depression, Unbehagen und Mobbing. Am positivsten bewertet wurde Youtube. Facebook landete auf Platz drei von fünf.

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