Birgelen/Hückelhoven: „Inneres Feuer” auf Publikum übertragen

Birgelen/Hückelhoven : „Inneres Feuer” auf Publikum übertragen

In der großen, wegen ihrer hervorragenden Akustik gelobten Aula des Gymnasiums Hückelhoven reichten die zur Verfügung stehenden Plätze nicht mehr aus.

Kein Weg, keine winterliche Wetterlage war den vielen Musikfreunden aus Birgelen und dem weiteren Umkreis zu beschwerlich.

Das 25. Winterkonzert der „Eintracht” unter Leitung von Willi Brudermanns übertraf von der Programmgestaltung wie von der musikalischen Auffassung und Ausführung selbst hochgespannte Erwartungen.

Die Blasmusik hat in Birgelen unter Brudermanns Leitung eine Entwicklung genommen, die den konzertanten Stil in hohem Maße repräsentiert. Er ist ausgefeilt bis ins letzte Register, technisch auf hohem Stand und voll „innerem Feuer”, das sich auf die Zuhörer überträgt.

Das Jugendorchester unter Leitung von Michael Dilsen zeigte schon beim einleitenden Konzert, dass hier die Wurzeln gelegt sind für eine konsequente Fortführung dieses Stils. Die Musikfreunde haben also noch einiges zu erwarten.

Ob Klassik oder Pop („Trumpet Voluntary”, „Only Time” oder Highlights aus dem „Herrn der Ringe”) - das Jugendorchester steuerte geradewegs in die große Linie des Orchesters hinein. Die erstmalige Ansage der jungen Julia Jansen war instruktiv und machte keine Umstände.

Mit dem „Air” aus der Neuen Barock-Suite von Altmeister Ted Huggens eröffnete Willi Brudermanns sein Jubiläumskonzert. Ein wunderschönes, reines Trompetensolo von Guido Müller bereicherte noch die herrliche Melodie, die Herz und Sinne öffnet.

„Fate of the God” von Steven Reineke forderte allen Registern das Letzte ab. Die schwierige Komposition erinnert an Wagners „Götterdämmerung” in expressiver Ausfeilung, der harte Probenarbeit vorausgegangen war. Leichtgängiger vom Thema her war dagegen die „Hobbits” aus den „Lords of the Rings” von Johan de Meij. Der eingesprengte fröhliche Volkstanz erinnerte an Elfen, Trolle, Zwerge oder sogar an „Heinzelmännchen”.

Ein Glanzstück brillanter Instrumentierung war die Ouvertüre zur „Leichten Kavallerie” von Suppé. Das tolle Arrangement und die Spielfreude des Orchesters erinnerten an die K.u.K.-Zeit und an die „Wiener Neujahrskonzerte”.

Der zweite Konzertteil wich vom üblichen Rhythmus-Stil ab, aber keineswegs geringer im Anspruch, doch eingängiger für manche Zuhörer. „LAvenue” von Bruchmann schildert in einer schöne lyrischen Komposition Städtebilder europäischer Großstädte auf höchst eindrucksvolle Weise. Die hervorragende Ansage von Ruth Jansen unterstützte die Vorstellungskraft.

Mit einem Eisenbahnzug auf Western-Art durch die USA zu reisen und die Eindrücke kompositorisch umzusetzen, ist das Verdienst des Niederländers Jacob de Haan.

Ein wunderschöner klassischer Aufheller war die Kompositionsfolge „The Masters take Hollywood”. Von Beethovens „Neunter” und dem Schlusschor „An die Freude” über Mozarts „Nachtmusik” und andere Klassik-Meister führte Willi Brudermanns sein Orchester in souveräner Weise. „The Wizard of Oz” ist ein Musical, das einen Wirbelsturm in den Weiten und Canyons der USA in allen Phasen schildert. Wunderschön die Instrumentierung mit der übergelagerten Melodie des Hits „Over the Rainbow”.

Mit dem „Marsch der Medici” und den Fanfarenklängen von Fucik erfüllte das Orchester die speziellen Wünsche der Jubilare Josef Michels und Willi Brudermanns. Hier wurde deutlich, dass der unverfälschte Viervierteltakt in solcher Perfektion immer noch die Bodenhaftung eines Blasorchesters bildet.

Willi Brudermanns ist seinen Weg konsequent gegangen. Sein Orchester, die Birgelener „Eintracht”, und die große Fan-Gemeinde haben einen Wunsch: Dass er noch einige Jährchen so weitermacht.