Kreis Heinsberg: „Individuelle Förderung ist unser Kerngeschäft”

Kreis Heinsberg : „Individuelle Förderung ist unser Kerngeschäft”

Die individuelle Förderung aller Schüler ist die zentrale Leitidee des Schulgesetzes in Nordrhein-Westfalen. Regelschulen werden dafür sogar mit einem Gütesiegel ausgezeichnet. In der Arbeitsgemeinschaft der Schulleiter von Förderschulen mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung” stieß dies auf Verwunderung.

„Individuelle Förderung ist doch gerade unser Kerngeschäft”, sagte Bernd Schleberger, Leiter der Rurtal-Schule in Heinsberg-Oberbruch. „Wir haben hier schon individuelle Förderpläne gemacht, als anderswo noch niemand davon gesprochen hat.”

So war für ihn auch schnell klar, dass er sich am landesweiten Tag der schulischen Bildung dieser Förderschulen beteiligen würde. Ziel dabei war es, auf das qualifizierte und differenzierte Bildungsangebot dieser Art von Schule aufmerksam zu machen.

Die Rurtal-Schule war im Regierungsbezirk Köln eine von rund 20 Schulen, die ihre Türen für Vertreter aus Politik und Verwaltung öffnete. Zwölf Gäste konnte Bernd Schleberger zu einer Hospitation im Unterricht begrüßen, darunter Liesel Machat und Helmut Preuß als Dezernenten aus der Kreisverwaltung. Nach einer kurzen Einführung hatten sie die Möglichkeit, an insgesamt elf unterschiedlichen Angeboten - vom Leseunterricht für die Vorstufe über die Mathematik in der Oberstufe bis hin zum berufspraktischen Unterricht in den letzten beiden Jahrgangsstufen - teilzunehmen.

In der anschließenden Diskussion waren alle Teilnehmer angetan von der Art der individuellen Förderung, die jedem einzelnen Kind zugute kommt. „Ich bewundere, wie Sie das hinkriegen”, sagte Franz-Josef Dahlmanns, Leiter des Amtes für Schule, Kultur und Weiterbildung in der Kreisverwaltung. „Ein Spagat, der eigentlich nicht gelingen kann und der hier dennoch funktioniert.” Kreistagsabgeordneter Friedel Rode (SPD) würdigte vor allem die intensive Vorbereitung, durch die für jedes einzelne Kind individuelles Unterrichtsmaterial zur Verfügung steht, und die ruhige Unterrichtsatmosphäre in der Schule.

Hildegard Wilkob aus dem Amt für Bildung und Sport der Stadt Erkelenz zeigte sich beeindruckt, wie gut die Schüler in der Berufspraxisstufe als den beiden letzten Schuljahren in der Rurtal-Schule ihre eigene Situation einschätzen konnten. „Sie bekommen hier ganz viel Selbstvertrauen. Schade, dass sie so schlechte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben”, sagte sie. Um diese Möglichkeiten weiter auszubauen, will die Rurtal-Schule mit Hilfe des Landes ein eigenes Berufsorientierungsbüro einrichten.

Schon jetzt können alle Schüler in der Berufspraxisstufe zwei Praktika absolvieren, im ersten Arbeitsmarkt und in einer Werkstatt der Lebenshilfe. „Die Schüler sollen die Wahl haben, ihren ganz eigenen Berufsweg zu finden”, betonte Pädagoge Karl Wibbeke.

Dezernent Helmut Preuß war beeindruckt von seinem Besuch im Kunstunterricht und regte an, Werke aus der Rurtal-Schule eventuell künftig im Bürger-Service-Center auszustellen. Die Anmerkung des stellvertretenden Schulleiters, Volkmar Gilleßen, dass es zu wenig Kontakte der Schulformen untereinander gebe, griff er ebenfalls auf. Im Rahmen der Diskussion um Bildungsnetzwerke könne er sich eine regionale Zusammenarbeit sehr gut vorstellen, betonte er.