Aachen/Gangelt: In Wildwest-Manier Bandido beschossen: Rocker vor Gericht

Aachen/Gangelt : In Wildwest-Manier Bandido beschossen: Rocker vor Gericht

Der Zeuge vor dem Aachener Schwurgericht berichtete, dass er an einem Sonntag im Oktober vergangenen Jahres im Restaurant „Zweiländereck“ an der Sittarder Straße gesessen habe. „Ich wollte mit meiner Bekannten etwas essen und gerade bestellen“, berichtete er am Donnerstag vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Markus Vogt.

Hier ist der Gangelter K. (36) wegen versuchten Totschlags angeklagt, der mutmaßliche Hells Angel soll an diesem Tag gegen 16 Uhr mit einer Pistole sechs Mal auf einen Kontrahenten des verfeindeten Motorradclubs „Bandidos“ geschossen haben.

Da habe er, erklärte der Zeuge weiter, plötzlich einen Aufschrei vom Nebentisch durch das Lokal gellen hören. „Ich sprang auf und ging zum Fenster. Da stand er auf der Straße, zielte mit seiner Pistole in Richtung Geilenkirchener Straße und schoss.“ Wie viele Schüsse es denn waren und in welchen zeitlichen Abständen sie fielen, wollte der Vorsitzende wissen. Der Mann im mittleren Alter — seine Identität blieb aufgrund des persönlichen Schutzes geheim — hatte eine recht genaue Erinnerung an die Vorfälle von vor einem Jahr, die ihn doch sichtlich beeindruckt hatten.

Vor dem Schwurgericht spielte am Donnerstag eine neuerliche Episode im linksrheinischen Bandenkrieg zwischen den Rockerclubs Hells Angels und Bandidos. In diesem Fall soll K. in dem Restaurant auf eine mit einer sogenannten Kutte, einer Weste mit dem Namenszug des Clubs, bekleidete Person gestoßen sein, einen Niederländer aus dem benachbarten Sittard. K. habe als Mitglied der verfeindeten Hells Angels, so hieß es in der am Donnerstag verlesenen Anklageschrift, den Mann verbal bedroht und sei sodann nach Hause gegangen — das war nicht weit entfernt — und sei mit der Waffe zurückgekommen.

Der niederländische Bandido hatte die Drohung sehr ernst genommen und war umgehend hinter seinem Feind hinausgegangen und setzte sich in sein vor dem Restaurant abgestellten dunklen Mercedes. Allerdings muss der mutmaßliche Täter sich mächtig beeilt haben. Denn er sah den holländischen Mercedes noch und begann vor dem Lokal, mitten auf der Straße stehend, in Wildwest-Manier auf den wegrasenden Mercedes zu schießen. K. schweigt momentan noch zu den erhobenen Vorwürfen.

Er habe auch getroffen, hieß es in der Anklageschrift, die Heckscheibe der Limousine zerbarst und ein Außenspiegel wurde getroffen, der Bandido am Steuer des Benz aber nicht. Er war ebenfalls als Zeuge geladen, erschien am Donnerstagmorgen allerdings nicht.

Gerade für das mögliche Aufeinandertreffen von Opfer und mutmaßlichem Täter sowie möglicherweise dessen Gefolge — im Sitzungssaal des Landgerichts hatten sich allerdings nur Mitglieder seiner Familie versammelt und keine Rockerfreunde — war erneut ein Großaufgebot der Polizei angerückt. Die jüngsten Erfahrungen, als es vor dem Schwurgericht anlässlich eines Rockerprozesses Schlägereien gab, lassen die hochkarätigen Vorsichtsmaßnahmen als absolut begründet erscheinen.

Die Westernnummer hatte genauestens jener Zeuge beschrieben, der die Schüsse aus dem Restaurant heraus beobachtete und dem die Schießerei auf den Magen geschlagen war. Als die Luft rein war, machte er sich mit seiner Begleiterin einigermaßen erschüttert davon und fuhr zur Polizei.

Was er noch beschrieb, zeugte von der Coolness des Schützen. Nach den Schüssen sei er zwar „im Sprint“ die Sittarder Straße hinunter davon gelaufen. Aber schon bald sei er zurückgekommen und habe konzentriert und mit Ruhe die Patronenhülsen auf der Straße eingesammelt. „Er machte das ohne Hektik, aber auch nicht langsam“, schilderte der Zeuge das Verhalten des Mannes. Der Prozess wird am 17. Oktober fortgesetzt.