Heinsberg: In Taipeh noch schnell die Knöpfe angenäht

Heinsberg : In Taipeh noch schnell die Knöpfe angenäht

„Maß nehmen und manipulieren”: So beschreibt Werner Losberg aus Heinsberg mit wenigen Worten sein Handwerk, für das er vor wenigen Tagen beim 32. Weltkongress der Maßschneider in Taiwan viel Lob einheimste.

Der Bundesverband der Maßschneider in Deutschland wählte den Herrenausstatter - nach Paris (2001) und Berlin (2005) - erneut aus, einen eigens angefertigten Anzug der Weltkonkurrenz zu präsentieren.

Diesmal trafen sich die internationalen Maßschneider in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh und demonstrierten eindrucksvoll, was sich aus wenigen Metern Stoff so alles machen lässt. Neben Taiwan und Deutschland waren Südkorea, Japan, Italien und Österreich auf dem Laufsteg vertreten. „Man beäugt sich”, beschreibt Werner Losberg, der mangels Dressman selbst in Taipeh Modell stand, die Atmosphäre beim Weltkongress.

Für das deutsche Vergleichsmodell, einen beigefarbenen Anzug, hat er auf eine spitze Kragenform gesetzt und einen modischen Schnitt gewählt, „der die Figur positiver darstellt”. Beim deutschen Anzug komme es darauf an, so Losberg, den Bauch zu verstecken, die Schultern breiter zu machen und die Figur insgesamt stattlich erscheinen zu lassen.

An dem Anzug habe er eine Woche gearbeitet, sagt Losberg. Die Knöpfe hat er abschließend noch schnell im Hotel in Taipeh angenäht. Die kreative Arbeit der Schneidermeister wird beim Weltkongress weder honoriert noch bewertet.

Vorrangig vermittelt die internationale Modenschau einen Eindruck, in welchem Land das Handwerk konkurrenzfähig bleibt. So habe der Kongress zum Beispiel deutlich gemacht, dass Südamerika in der Schneiderei nicht mehr präsent sei. In Deutschland werden die Maßschneider immer seltener, erzählt Losberg, der vor 18 Jahren sein eigenes Atelier in Heinsberg eröffnete und Kunden in ganz Deutschland hat.