Erkelenz: In Erkelenz herrscht Ausnahmezustand

Erkelenz : In Erkelenz herrscht Ausnahmezustand

Die Innenstadt von Erkelenz befand sich am Samstagnachmittag im Ausnahmezustand.

In einem der größten Polizeieinsätze in der Geschichte des Kreises Heinsberg versuchten Beamte aus vielen Teilen Nordrhein-Westfalens, Krawalle am Rande eines Aufmarschs der „Offensive Grenzland” zu verhindern.

Polizeifahrzeuge unter anderem aus Heinsberg, Aachen, Köln, Düsseldorf, Wuppertal, Bonn und Dortmund prägten für Stunden das Stadtbild. Nahezu permanent kreiste eine „Hummel” über dem Stadtkern: Mit Hilfe des Polizeihubschraubers wurden die Hundertschaften am Boden dirigiert. Zur genauen Zahl der eingesetzten Kräfte wollte die Polizei aus taktischen Gründen keine Angaben machen.

Parolen und Rangeleien

Die „Offensive Grenzland” - laut Polizei eine der (vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften) NPD nahe stehende Kameradschaft - hatte ihrem Aufmarsch „zu Ruhm und Ehre den deutschen Soldaten” angemeldet.

Als sich diese Gruppe um 14 Uhr in strömendem Regen vom Bahnhof aus in Marsch setzte (nach Polizeiangaben mit 101 Teilnehmern), um über Wilhelmstraße, Westpromenade und Roermonder Straße das Ehrenmal auf dem Friedhof zu erreichen, waren auch etwa 120 Personen aus dem linken Spektrum im Stadtgebiet unterwegs.

„Deutschland den Deutschen” hier, „Nazis raus” dort - so wurden die Parolen skandiert. Immer wieder versuchten „Linke”, den Marschweg der „Rechten” zu blockieren. Es kam zu Rangeleien mit den begleitenden Polizeikräften.

Mit Unterstützung von „Hummel” durchkämmten Polizisten den Friedhof, wo sich linke Aktivisten aufhielten. Nach der Kranzniederlegung der „Offensive Grenzland”, an der unter anderem der NPD-Kreistagsabgeordnete Helmut Gudat teilnahm, und einem Zwischenfall auf dem Rückweg (auf der Roermonder Straße war versucht worden, aus umgestürzten Glascontainern und Mülltonnen eine Straßensperre zu errichten) wurde der Aufzugsweg in Absprache mit dem Veranstalter verlegt, um weitere Konfrontationen zu vermeiden.

Statt zur Abschlusskundgebung auf dem Johannismarkt geleitete das massive Polizeiaufgebot die „Offensive Grenzland” über Nordpromenade und Theodor-Körner-Straße direkt zum Bahnhof. Dort löste sich die Versammlung kurz vor 17 Uhr auf.

Ein Mann war bereits im Vorfeld in Gewahrsam gelandet, weil er, so die Auskunft der Polizei, bei der Anreise deutlich sichtbar den „Hitlergruß” gezeigt habe. Zwei Jugendliche wurden in Gewahrsam genommen, weil sie eine Polizeiabsperrung überwinden wollten. Nach den massiven Störversuchen von linker Seite wurden drei weitere Personen festgenommen.

In Gesprächen mit Bürgern verdeutlichten Polizeibeamte ihren Auftrag: Sie hätten die Pflicht, eine angemeldete und nicht verbotene Versammlung zu schützen - „egal, wie wir darüber denken”.

Viele Augenzeugen zeigten sich von den Vorgängen schockiert: Sie waren beunruhigt (und beruhigt zugleich) ob des großen Polizeiaufgebots, angewidert angesichts des Aufmarschs der Rechtsextremen, entsetzt aber auch über die Gewaltbereitschaft einzelner linker Aktivisten. Empörung herrschte vor allem darüber, dass der Friedhof als Plattform für politische Agitationen missbraucht und die Totenruhe an diesem Nachmittag massiv gestört worden war.