Hückelhoven: Immer mehr Senioren vereinsamen

Hückelhoven : Immer mehr Senioren vereinsamen

Die evangelische Gemeinde in Hückelhoven hat rund 5000 Mitglieder, von denen 911 mindestens 70 Jahre oder älter sind. Damit ist die Gemeinde kein Einzelfall, sondern spiegelt gesellschaftliche Realität wider. Die älteren Menschen geraten oft ins gesellschaftliche Abseits und vereinsamen zunehmend.

„Die Mehrgenerationenfamilien unter einem Dach gehören leider zunehmend der Vergangenheit an”, sagt Pfarrer Frank Mischnick bei der Vorstellung des Projektes im Gemeindezentrum an der Haagstraße. Dies sei umso tragischer, da es aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland immer mehr alte Menschen gebe.

„Das sind oftmals Menschen, die noch fit im Kopf sind, sich aber vielleicht nur noch eingeschränkt bewegen können.” Deren Vereinsamung schreite immer mehr voran. „Wir können nicht zulassen, dass ältere Menschen sich aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt fühlen und darunter leiden”, hob Mischnick hervor.

Dem will die Evangelische Kirchengemeinde nun entgegenwirken. Mit einem Projekt, das „eine Nische abdeckt”, so Mischnick. Gemeint ist die Seniorenbegleitung, die der Diakonieausschuss der Kirchengemeinde im Hückelhovener Stadtgebiet ins Leben gerufen hat. Neben der persönlichen Ansprache und Besuchen sind auch kleine Dienstleistungen wie Einkaufshilfen oder Hilfe bei Amtsgängen geplant.

Vorbild ist ein Modellprojekt, bei dem sich 1999 in Dülmen erstmalig Freiwillige zu Seniorenbegleitern ausbilden und qualifizieren konnten. Das Engagement grenzt sich von der Pflege und Betreuung ab, denn es geht darum, den Senioren ein aktives Leben zu ermöglichen.

In rund 50 Städten in NRW habe sich die Seniorenbegleitung bereits bewährt, so Mischnick. Nun suchen die Initiatoren Freiwillige, die ehrenamtlich ein paar Stunden pro Woche für die Begleitung und den Besuch von Senioren aufbringen wollen.

Das Projekt wird von Claudia Stollenwerk betreut. Die gelernte Altenpflegerin und Hauswirtschafterin wird als feste Ansprechpartnerin die Arbeit der Seniorenbegleiter vom Gemeindebüro aus betreuen und koordinieren. Die Seniorenbegleitung in Hückelhoven ist kreisweit ein Pilotprojekt, das jedoch Nachahmer finden soll. „Wir hoffen, dass sich auch in anderen Gemeinden Interessenten finden, die ein solches Angebot auf die Beine stellen”, betont Mischnick.

Dabei zielt das Angebot auch auf Berufstätige ab, die sich neben ihrer Arbeit auch sozial engagieren möchten. Bevor die Ehrenamtler aber ihre Tätigkeit der Begleitung aufnehmen können, müssen sie eine Ausbildung zum Seniorenbegleiter absolvieren. Die Qualifizierung umfasst zehn Kurseinheiten, die von „Grenzen häuslicher Versorgung” und „Theologische Aspekte zum Alter” bis hin zu konkreten Praktika im Evangelischen Altenzentrum und Übungen der Gesprächsführung reichen.

Die Teilnahme an der Qualifizierung ist verbindlich und kostenlos. Bereits am 27. Februar soll der erste Kurs beginnen. Er endet am 1. Juni mit einer Abschlussfeier und einem Gottesdienst. „Wir hoffen in der Anlaufphase auf bis zu 15 Freiwilligen, die bereit sind, sich als Seniorenbegleiter zu engagieren”, erklärt Stollenwerk.

Das Projekt wird zuerst mit rund 9000 Euro pro Jahr aus Mitteln der Diakonie bezuschusst. „Mittelfristig sind wir jedoch auf Spenden angewiesen, um die Arbeit aufrecht erhalten zu können”, weiß Mischnick. In der zweiten Jahreshälfte ist ein zweiter Kurs geplant.

Stollenwerk ist dienstags von 10 bis 12 Uhr im Gemeindebüro unter der Rufnummer 02433 / 85927 erreichbar. Frank Mischnick ist unter 02433 / 1343 erreichbar.