Hückelhoven: Image der schwarzen Zechenstadt wird abgeschminkt

Hückelhoven : Image der schwarzen Zechenstadt wird abgeschminkt

Als am 27. März 1997 der letzte Brocken Kohle gefördert wurde, gab es nicht wenige, die befürchteten, dass damit in Hückelhoven die Lichter ausgingen.

Zu sehr war die Stadt vom Bergbau geprägt, fast 5000 Menschen standen bei Sophia-Jacoba in Brot und Arbeit. Aber es ging weiter - und zwar stetig bergauf. Heute stellt sich Hückelhoven als eine Stadt dar, die die mit der Zechenschließung aufgezwungene Herausforderung angenommen hat, sich als Stadt im Wandel begreift und dies als Chance betrachtet.

Dass der Strukturwandel in der Stadt permanent an Fahrt gewonnen hat, lässt sich mit Zahlen untermauern: Seit 1992 wurden in Hückelhoven mehr als 90 Hektar neuer Gewerbe- und Industrieflächen entwickelt. „Das ist auch im Vergleich zu Nachbargemeinden eine enorme Zahl”, sagt Björn Vogel als Leiter des Wirtschaftsförderungsamtes nicht ohne Stolz.

Und er hatte am Mittwoch bei einem Rückblick auf die Ansiedlungspolitik von 2000 bis 2003 auch eine Neuigkeit parat, die weitere Perspektiven für die Zukunft eröffnet: „Heute ist im Rathaus ein Erörterungstermin für den vierten Bauabschnitt im Industriepark ,Rurtal zwischen dem Wirtschaftsministerium, der Bezirksregierung und der Stadt. Wir hoffen, dass wir im Herbst mit dem Bau dort beginnen und im Sommer 2005 fertig sind”.

Auf dem rund neun Hektar (90000 Quadratmeter) großen Areal an Schacht IV werden dann bis zu 40 Grundstücke ausgewiesen, auf denen sich neue Firmen ansiedeln können. „Wir brauchen diese Grundstücke dringend, es gibt eine Vielzahl von Anfragen”, sagt Vogel. Auf rund 1,5 Millionen Euro werden die Investitionskosten für diesen Abschnitt beziffert, ein Drittel davon muss die Stadt selbst aufbringen.

Die Ausweisung neuer Gewerbe- und Industrieflächen war der Grundstock zum Wandel, mit dem die Stadt sich in den vergangenen Jahren ihr Image als schwarze Zechenstadt erfolgreich abgeschminkt hat:

In Baal wurden 41 Hektar für rund 20 Millionen Euro (davon 11,5 Millionen Euro Fördermittel) erschlossen; im Industriepark „Rurtal” waren es zwischen 1992 und 2002 insgesamt 35 Hektar (Kosten: 6,5 Millionen Euro, 3,6 Millionen Zuschüsse), und in der Innenstadt wurden von 1996 bis 2001 Gewerbeflächen von 17 Hektar für knapp fünf Millionen Euro (3,6 Millionen Euro Zuschüsse) neu geschaffen. Von den insgesamt 147 Hektar Industrie- und Gewerbefläche im Stadtgebiet stehen derzeit noch 26 Hektar zur kurzfristigen Verfügung, das sind lediglich 17,6 Prozent der ausgewiesenen Flächen.

Obwohl die Arbeitslosenquote mit rund 14,5 Prozent noch immer weit über dem Landesdurchschnitt liegt (Björn Vogel: „Ohne unsere erfolgreichen Bemühungen in der Ansiedlungspolitik stünden wir deutlich schlechter da”), hat sich die Zahl der Beschäftigten inzwischen wieder auf den Stand von 1997 eingependelt: Am 31. Dezember vergangenen Jahres zählte man 6247 Beschäftigte in Hückelhoven. Gleichzeitig stieg die Einwohnerzahl in den zehn Jahren von 1993 bis 2003 um rund 13 Prozent an. Die Stadt zählt heute 40940 Einwohner.

Nachdem man das FOC endgültig abgeschrieben hat, setzt man nun viel Hoffnung auf das Hückelhoven Center (HC), das derzeit auf dem Areal der alten Sportplätze entsteht und im Herbst diesen Jaahres eröffnet werden soll. Beim Neujahrsempfang war die Rede von rund 8000 Besuchern täglich, die erwartet werden.

Obwohl seitens der Hückelhovener Gewerbetreibenden die in ihren Augen nur unzureichende Anbindung des Centers an die Parkhostraße (über die Harbigstraße) kritisiert wird, setzen sowohl Wirtschaftsförderer als auch Bürgermeister auf eine Sogwirkung für die Parkhofstraße.

Bürgermeister Werner Schmitz: „Da sind jetzt Ideen und Kreativität der Einzelhändler auf der Parkhofstraße gefragt, um die Besucher des Centers auch in ihre Geschäfte zu locken.” Seiner Unterstützung, versichert Schmitz, könnten sie „hundertprozentig sicher sein”.