Heinsberg: Im Oktober steht die neue Rettungswache

Heinsberg : Im Oktober steht die neue Rettungswache

Mit Straßen - und Kanalbau ist Frauenrath groß geworden, inzwischen macht das Heinsberger Familienunternehmen aber weit mehr aus. In Leverkusen baut es Kindertagesstätten, in Neuss ist Anfang des Jahres das beachtliche Bildungszentrum „Romaneum” fertig geworden und in Dinslaken wurde letztes Jahr eine hochmoderne Feuerwehrwache eingeweiht.

Auch hier in Heinsberg tut sich einiges. Darüber, wie der aktuelle Stand ist und wie es mit Frauenrath weitergeht, sprach Verena Müller mit einem der beiden geschäftsführenden Gesellschafter, Dipl.-Ing. Gereon Frauenrath, sowie Geschäftsführer Johannes Jansen.

Herr Frauenrath, was passiert da gerade nebenan? Ich sehe Container und Baufahrzeuge ...
Frauenrath: Im ehemaligen Kia/MAN-Autohaus? Da entsteht eine der neuen Rettungswachen des Kreises Heinsberg mit weiteren Nutzungen durch den ABC-Zug. Neben einer Halle für die Einsatzfahrzeuge wird es Aufenthalts- und Ruhebereiche geben und auch einen Schulungsraum. Wir bauen aber nicht komplett neu, sondern nur um.

Wann ist die Eröffnung?
Frauenrath: Wir entkernen gerade. Das wird sicher Oktober werden.

Ich habe gesehen, dass Sie schon mehr in diese Richtung gemacht haben. Zum Beispiel in Dortmund eine neue Feuerwehrwache. Wird das ein neuer Schwerpunkt in Ihrem Unternehmen, ist das die Zukunft?
Jansen: So kann man das nicht sagen. Das hat sich so entwickelt. Der Straßen- und Tiefbau ist unsere Keimzelle und ein Kerngeschäftsfeld. Unsere Tätigkeit in dem Bereich der ÖPP, der öffentlich-privaten Partnerschaft, ist aus unserer Projektentwicklungssparte heraus gewachsen. Planen, bauen, finanzieren und betreiben - das steht dahinter, hier wollen wir uns noch breiter aufstellen. Wir wollen uns in Zukunft noch mehr im Facility Management, also im Bereich Betreiber-Dienstleistungen, engagieren.

Also Instandhaltung, Hausmeister- und Handwerkertätigkeiten.
Jansen: Ja, der Trend geht immer mehr dahin, dass Aufgaben, die mit dem Kerngeschäft eines Unternehmens oder der öffentlichen Hand nichts zu tun haben - wie etwa die Bedienung einer Schranke oder andere Dienstleistungen außerhalb des direkten Tätigkeitsgebietes - ausgelagert werden.

Solche Betreiberverträge laufen oft über Jahrzehnte. Gehen Sie da nicht - im Vergleich zum Kanalbau etwa, bei dem Sie nach fünf Jahren in der Regel raus sind - ein hohes unternehmerisches Risiko ein?
Jansen: Das ist mit entsprechenden Erfahrungen beherrschbar, sonst würden wir das ja auch nicht machen. In unserem Unternehmen sind die unterschiedlichsten Professionen vertreten, also beispielsweise neben Technikern auch Finanz- und Immobilienfachleute, so dass wir schnell zu einer soliden Entscheidung kommen.

Was sind die besonderen Herausforderungen architektonischer oder technischer Art bei Feuerwachen?
Jansen: Oh, da gibt es eine Menge! Zum Beispiel sollten die Wege zwischen Personalraum und Fahrzeughalle kurz sein. Oder es muss geschaut werden, wie schnell das Tor aufgeht und was man macht, wenn es defekt ist, also dass man es auch mit Handbetrieb schnell öffnen kann. Da gelten natürlich auch ganz andere Qualitätsstandards. Bei Inspektionen wird deshalb auch nicht gewartet, bis etwas kaputt geht und es erst dann ersetzt, sondern vorausschauend gehandelt. Die Fliesen müssen R 12 haben ...

R 12?
Frauenrath: Rutschfestigkeitsklasse 12.
Jansen: Stellen Sie sich mal vor, die Klappe des Gerätewagens steht offen, der Boden ist nass und ein Feuerwehrmann rutscht beim Rennen aus. Da hat der gleich eine kapitale Schnittwunde am Kopf. Deshalb wird bei den Fliesen auf besondere Rutschfestigkeit geachtet.

Ah. Und was fehlt alten Wachen, was die neuen jetzt mitbringen müssen?
Frauenrath: Eigentlich alles. Viele Gebäude sind hoffnungslos überaltert. Sie müssen ja überlegen: Ohne Not würde keine Kommune neue Wachen bauen. Oft liegen auch die Standorte ungünstig. Im Laufe der Jahrzehnte sind neue Wohn- oder Industriegebiete dazugekommen, die nicht mehr in der gesetzlich vorgeschriebenen Acht-Minuten-Frist zu erreichen sind.
Jansen: Und das Baumaterial ist oft miserabel. In den 50ern wurde sozusagen auf Sand gebaut. Energiekosten spielten damals noch keine Rolle. Da ist es oft billiger, neu zu bauen, als zu sanieren.

Wenn Sie sich bei der Planung mit Feuerwehrleuten unterhalten - mit welchen Anregungen wenden die sich an Sie, was die neue Halle im Vergleich zur alten auf jeden Fall haben sollte?
Jansen: Das ist ganz unterschiedlich. Meist geht es um ganz praktische Dinge. Die Feuerwehrleute wissen selbst am besten, was wo sein muss. Ein Raum, in dem die Gasmasken gewartet werden sollen, muss nicht so hohe Aufenthaltsqualitäten haben wie eine Kantine.
Frauenrath: Das ist immer schön, wenn man mit denen an einem Tisch sitzt, die am Ende die Räume nutzen. Die Diskussionen werden ganz anders geführt, das macht Spaß!

Mal eine ganz andere Frage: Sie haben - wie viele Bauunternehmer - Anfang der Neunziger auch einen Standort im Osten aufgemacht. Bereuen Sie das inzwischen? Viele haben sich dort nicht halten können.
Frauenrath: Nein. Als wir 1991 zwischen Dresden und Bautzen einen Standort aufgebaut haben, haben wir von Anfang an gesagt, dass wir nicht nur mal eben die Aufbauphase mitnehmen wollen, sondern bleiben werden. Wir sind zufrieden. Wir befinden uns gerade in der Konsolidierungsphase.

Geschäftsbereiche, Mitarbeiter und Umsatz

Das Familienunternehmen Frauenrath mit Sitz in Heinsberg und Bretnig wurde vor über 100 Jahren gegründet. Straßen- und Tiefbau gehören zum Kerngeschäft, daneben gibt es die Bereiche Hochbau mit Schlüsselfertigbau, Garten- und Landschaftsbau, Abbruch und Recycling sowie Sicherheitstechnik/Zaunbau.

100 bis 120 Millionen Euro beträgt der Jahresumsatz. 430 Mitarbeiter sind an den Standorten in West und Ost angestellt.