Selfkant: Im November verspüren die Menschen den Drang zur Besinnung

Selfkant : Im November verspüren die Menschen den Drang zur Besinnung

Warum taucht das Wort Besinnung im Jahreskalender stets im Monat November auf? Die Antwort liegt auf der Hand: Im Sommer haben die Menschen Zeit zum Grillen, zum Baden, zum Urlauben und für andere saisonale Vergnügungen. Für Besinnung ist da wenig Raum und Sinn.

Dafür aber umso mehr im Winter, vorzugsweise im trist-grauen November mit all seinen Gedenktagen. „Der Mensch kommt dann, zwangsläufig, zum Verschnaufen, zum Innehalten”, sagt Gabriele Thönnessen. Sie muss es wissen, sie ist Gemeindereferentin im Pfarrverband St. Servatius Selfkant und so was wie Expertin in Sachen Besinnung.

Bereits seit acht, neun Jahren schürft sie an zwei Besinnungsabenden im Saeffelener Pfarrzentrum mit interessierten Teilnehmern nach der geistigen und geistlichen Tiefe. Wer gehofft hat, dass ihm Besinnung auf dem Tablett serviert wird, wird enttäuscht sein. Gabriele Thönnessen macht klar: „Eine allgemeingültige Handlungsanweisung, wie ich zu innerer Einkehr, zur Ruhe und zu mir selbst finde, gibt es nicht. Jeder Einzelne muss für sich selbst herausfinden, was für ihn wichtig ist, er muss seine eigene Standortbestimmung treffen und dann feststellen, ob der Kompass noch die richtige Richtung anzeigt.”

Die Besinnungsabende, die die Gemeindereferentin im Team mit Margret Meid, Elisabeth Dahlmanns und Helga Dahlmanns veranstaltet, sollen den gestressten Seelen zeigen, wie sie die rasante Fahrt im Hamsterrad des Alltags entschleunigen. „Wir müssen Besinnung finden, um Kraft tanken, so wie der Baum im Winter”, bemüht Thönnessen einen Vergleich. „Wer suchet, der findet”, so heißt es in der Bibel, und diesen Vers haben Gabriele Thönnessen und ihre Mitstreiterinnen quasi zum Programm erhoben. Und was steht am Ende der Suche? „Vielleicht besinnt man sich auf die echte Freundschaft, vielleicht auf ein erfülltes Familienleben, vielleicht stößt man mit einem Mal auf den Sinn seines eigenen Lebens, vielleicht klärt sich für manchen auch die Frage nach Gottes Gegenwart.”

Bei der Besinnung bietet die Heilige Schrift wertvolle Hilfe, sagt die Gemeindereferentin und spricht aus eigener Erfahrung: „In der Bibel gibt es genügend Hinweise auf Figuren, die auch Fehler machen und ihre Probleme haben. „Für mich ist es ermutigend, zu sehen, wie sie nach Lösungen suchen und Wegweisung, Trost und Hilfe bekommen.” Gabriele Thönnessen hat ihren Weg der Besinnung im Glauben gefunden, den sie auch anderen Menschen aufzeigt. Bei ihren Besinnungsabenden, mit Bibeltexten, mit meditativer Musik und Gedichten.

Doch es gibt auch andere Wege zur Mitte. Außerhalb dieser Spiritualität. „Oft reicht nur ein langer Spaziergang, ein gutes Gespräch, ein schönes Buch oder gute Musik”, erklärt Thönnessen. Eine Zwangsruhe hinter Klostermauern, ganz ohne Laptop und Handy, oder eine mehrtägige Wanderung durch die Natur oder eine Pilgerreise seien durchaus auch probate Mittel, um der täglichen Tretmühle zu entkommen und sich neu zu definieren. „Man sollte rechtzeitig die Gefahr eines Burn Outs, das immer stärker um sich greifende Phänomen unserer Zeit, erkennen.”

Überhaupt, der Zeitgeist: Gabriele Thönnessen warnt auch vor einer allzu unkritischen Haltung gegenüber dem Internet, das seine Vor- und Nachteile berge: „Was nützen mir etwa 400 virtuelle Freunde bei Facebook, die ich per Mausklick aktiviere? Da sind mir fünf echte Freunde im realen Leben wichtiger. Wir sollten nicht dem Trend und der Masse hinterherrennen.” Denn: „Wenn ich zu viel im Außen lebe, das heute oft hektisch, schnelllebig, oberflächlich und vergänglich ist, werde ich mit der Zeit unruhig, unzufrieden, ungehalten und unfreundlich.” Zu viele „un”, die Seele und Körper krank machen können und denen man beizeiten mit besinnlichen Momenten begegnen kann und sollte - nicht nur im November.

Der nächste Besinnungsabend im Pfarrzentrum St. Lucia in Saeffelen, Pfarrer-Jäger-Straße 5, ist am Montag, 26. November, von 20 bis 22 Uhr.

Der Oasentag im Besinnungshaus Regina Carmeli Sittard ist am 26.Januar 2013 von 12 bis 19.30 Uhr.

Informationen dazu gibt es bei Gemeindereferentin Gabriele Thönnessen im Pfarrbüro Pfarrer-Jäger-Straße 5, unter Tel. 02455/9309-820 oder unter thoennissen@kirche-selfkant.de