Kreis Heinsberg: Im Blickpunkt: 100 Jahre Wahlrecht für Frauen

Kreis Heinsberg : Im Blickpunkt: 100 Jahre Wahlrecht für Frauen

Aus Anlass des Internationalen Frauentages nimmt die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten aus dem Kreisgebiet Heinsberg das Wahlrecht für Frauen in den Blick, das vor genau 100 Jahren in Deutschland eingeführt wurde.

Unter Federführung der Vertreterinnen von Kreis und Stadt Heinsberg in ihrem Gremium, Anneliese Wellens und Marika Schroeder, zeigen die Gleichstellungsbeauftragten am Freitag, 9. März, ab 17.30 Uhr (Einlass 17 Uhr) im Dachgeschoss von Haus Lennartz in Heinsberg an der Hochstraße 21 (Eingang zwischen Museum Begas-Haus und Café Samocca) den Kinofilm „Suffragette. Taten statt Worte“.

Der Film beschreibt die Geschichte von Emmeline Pankhurst, gespielt von Meryl Streep, die 1903 in Großbritannien eine bürgerliche Frauenbewegung gründete. Diese machte in den folgenden Jahren sowohl durch passiven Widerstand als auch durch öffentliche Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam. Und sie kämpfte nicht nur für das Wahlrecht, sondern auch für die Gleichstellung der Frau.

In Bezug auf das Wahlrecht war es in Deutschland 1888 der Verein Frauenwohl, der als erste Gruppierung der bürgerlichen Frauenbewegung das Frauenstimmrecht gefordert habe, so Marika Schroeder im Rahmen eines Pressegesprächs im Heinsberger Kreishaus, in dem die Gleichstellungsbeauftragten ihre diesjährige kreisweite Veranstaltung vorstellten.

Als erste deutsche Partei habe die Sozialdemokratie das allgemeine, gleich, direkte Wahl- und Stimmrecht gefordert. Im Jahr 1900 seien bereits mehr als 70 000 Frauen in Frauenvereinen organisiert gewesen. 1902 sei von der bürgerlichen Bewegung der Verein für Frauenstimmrecht gegründet worden, 1904 in Berlin der Weltbund für Frauenstimmrecht. Ab 1908 hätten die Frauen laut Reichsparteiengesetz die Möglichkeit gehabt, Mitglied einer Partei zu werden.

„1916 saßen die Damen des Katholischen Deutschen Frauenbundes bei ihrer Bundesversammlung im Berliner Reichstag, ein Akt mit großer symbolischer Bedeutung, der deutschlandweit in der Presse große Beachtung fand“, so Marika Schroeder weiter. Als Frauen im Verlauf des Ersten Weltkriegs immer mehr Aufgaben der Männer in der Zivilgesellschaft hätten übernehmen müssen, sei die Frage des Frauenwahlrechts neu bewertet worden. „Die Revolution im November 1918 und der Ausruf der Weimarer Republik waren dann gleichsam der Katalysator, der diesen Prozess beschleunigte.“

In den vergangenen 100 Jahren habe sich für Frauen bereits sehr viel zum Positiven gewendet, erklärte Anneliese Wellens. Doch immerhin hätten Frauen bis Mitte der 1970er Jahr noch nicht Fußball spielen dürfen und gar bis 1977 nicht ohne die Einwilligung ihres Ehemanns arbeiten dürfen.

Auch heute gebe es immer noch ausreichend Gründe, sich für die Gleichstellung der Frauen einzusetzen, betonte sie. Eine wesentliche Forderung laute derzeit: ­gleicher Lohn für gleiche Arbeit. ­Immer noch würden Frauen für die gleiche Arbeit wie Männer im Schnitt 21 Prozent weniger verdienen, wobei der öffentliche Dienst natürlich eine rühmliche Ausnahme sei. Zudem hätten Mädchen bei der Schulbildung aufgeholt, doch leider setze sich dies in der beruflichen Karriere nicht fort. Frauen seien in Führungspositionen auch weiter unterrepräsentiert.

Der Film sei streckenweise keine leichte Kost, aber er mache deutlich, wie wichtig das Wahlrecht für die Frau sei. „Er ermuntert die Frauen, die Möglichkeit der Mitbestimmung zu nutzen, für die Mütter, Großmütter und Urgroßmütter gekämpft haben“, sagte Marika Schroeder. „Es ist an den Frauen, ihren Anspruch auf Mitbestimmung und Mitgestaltung aktiv einzulösen.“ Zugleich sei der Film jedoch zu anspruchsvoll, um danach sofort auseinanderzugehen, ergänzte Anneliese Wellens. Daher laden die Gleichstellungsbeauftragten im Anschluss an den Film zu Imbiss und Gespräch ins Café Samocca ein.

(anna)
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