Kreis Heinsberg: IG Bau: „Unsichere Jobs sind meist Frauensache“

Kreis Heinsberg : IG Bau: „Unsichere Jobs sind meist Frauensache“

„Unsichere Jobs sind meist Frauensache“, beklagt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Im Kreis Heinsberg arbeiteten nach Angaben der Gewerkschaft Ende letzten Jahres rund 32.600 Frauen in Teilzeit, Mini-Job oder Leiharbeit.

Damit machten sie 71 Prozent der „atypischen Beschäftigung“ aus, wie eine gleichnamige Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeige. Die IG BAU warnte zugleich vor einer zunehmenden Altersarmut für Frauen: „Prekäre Jobs führen zu niedrigeren Rentenansprüchen.“

„Wenn Politik und Wirtschaft nichts unternehmen, dann werden Frauen bei der Rente immer öfter zu Verliererinnen“, so Friedrich Feldmann, Bezirkschef der IG BAU Aachen. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass Teilzeit immer mehr zum Normalarbeitsverhältnis für Frauen werde. So gab es nach Angaben der Böckler-Studie im Kreis Heinsberg zuletzt 15.092 Teilzeit-Arbeiterinnen — nahezu doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Demgegenüber haben Ende letzten Jahres nur 3225 Männer in Teilzeit gearbeitet. Außerdem waren mit insgesamt 17.368 Mini-Jobberinnen 64 Prozent aller geringfügig Beschäftigten im Kreis weiblich.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Rentendebatte fordert die IG BAU, die Situation der Frauen stärker in den Blick zu nehmen. „Gerade in der Gebäudereinigung, im Gartenbau und in der Floristik bekommen sie kaum Vollzeitstellen, sondern Teilzeit- oder Mini-Jobs. Die Folge ist, dass Frauen trotz jahrzehntelanger Arbeit im Alter zum Sozialamt gehen müssen“, so Gewerkschafter Feldmann. Zudem fehlten Frauen wegen Erwerbsunterbrechungen häufig mehrere Jahre an Rentenbeiträgen. Und auch nach einer Scheidung stünden viele Frauen mit leeren Händen, aber oft mit dem alleinigen Sorgerecht da.

„Die Folge davon ist eine weiter zunehmende Altersarmut bei Frauen“, zeigte sich Friedrich Feldmann überzeugt. Unternehmen und Politik müssten deshalb gleichermaßen gegensteuern. „Statt Frauen nur für wenige Wochenstunden einzustellen, sollten Firmen vollwertige Jobs schaffen — für Frauen und Männer.“ Weniger zu arbeiten, müsse eine individuelle Entscheidung sein und kein Zwang. Für Reinigungskräfte sei Vollzeit mittlerweile fast eine Seltenheit, obwohl sich das viele Beschäftigte wünschen würden.

Eine zentrale Voraussetzung für höhere Renten sei natürlich die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, so der Gewerkschafter weiter. Mittlerweile habe die Politik die Bedeutung von „Equal Pay“ erkannt und ein Lohngerechtigkeitsgesetz auf den Weg gebracht. Feldmann sprach von einem „Schritt in die richtige Richtung“, kritisierte jedoch, dass Beschäftigte erst in Betrieben ab 200 Mitarbeitern einen Auskunftsanspruch über die Bezahlung der Belegschaft hätten. Damit greife das geplante Gesetz nur in Teilen des Handwerks und der Reinigungsbranche.

Eine entscheidende Maßnahme wäre es, so die IG BAU, Phasen der Erwerbslosigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung aufzuwerten.

Friedrich Feldmann: „Zeiten der Schwangerschaft und Erziehung müssen endlich anerkannt werden — zum Beispiel durch Extra-Rentenpunkte“.