Heinsberg: Idee aus Bauschutt, Zement und Alufolie

Heinsberg : Idee aus Bauschutt, Zement und Alufolie

Bauschutt, Zement und Alufolie - das sind die Zutaten, mit denen drei Schüler aus der Region einen innovativen Werkstoff entwickelt haben.

Nach rund sechs Monaten Projektarbeit stellten die Nachwuchsforscher ein Baumaterial her, das ihnen den dritten Platz des diesjährigen Schülerwettbewerbs des Werkstoff-Forums der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen einbrachte - und ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro.

„Hätte ich damals nicht die Tafel geputzt, hätten wir uns nicht zusammengefunden”, erinnert sich Jessica Bellinghausen aus Haaren, die damals die 10. Klasse des Kreisgymnasiums Heinsberg besuchte.

Während die heute 18-Jährige den Tafeldienst übernahm, sprach Bastian Kappertz aus Dremmen ihre gemeinsame Lehrerin, Sabine Kaufmann, auf den Schülerwettbewerb der RWTH an. Die beiden taten sich zusammen und konnten auch ihren Mitschüler Florian Jöris aus Kempen für das Projekt begeistern.

„Wir wollten einen Werkstoff herstellen, der sehr günstig und sehr fest ist”, erklärte der 17-jährige Bastian Kappertz. Er sollte zudem aus recycelbarem Material angefertigt werden.

Die Schüler kamen auf die Idee, einen Werkstoff durch das Einarbeiten eines Textil- oder Metallgewebes zu festigen. Zunächst hatten sie versucht, Kunststoff in ein Bauschutt-Zement-Gemisch einzulegen.

„Aber dieser Werkstoff hatte keine hohe Zugfestigkeit”, sagt Bastian Kappertz. In Gesprächen mit ihrem Betreuer Björn Banholzer, einem Diplom-Ingenieur der RWTH, sei man auf den Zusatz von Aluminium gekommen.

Die Schüler schnitten handelsübliche Alufolie in Streifen und legten diese längs und quer in das Bauschutt-Zement-Gemisch. „Das war Frickelarbeit ohne Ende”, erinnert sich Jessica Bellinghausen.

Die drei Schüler mussten sehr genau arbeiten, damit keine Luft in den Stein eingeschlossen wurde oder die Alufolie Knicke bekam. „Das war am Anfang eine ziemliche Matscherei”, erzählt Bastian Kappertz von den ersten Versuchen im Winter auf der Terrasse von Familie Jöris. „Mir sind fast die Finger abgefroren.”

Mit den getrockneten Steinen sind die Schüler dann mehrmals zur RWTH nach Aachen gefahren. Dort wurde im Labor geprüft, welche Kräfte der entwickelte Werkstoff aushält. Das Ergebnis: Der Stein mit Aluminium-Einlage war um 20 Prozent belastbarer als der ohne Bewehrung.

Zur Dokumentation der eigenen Arbeit mussten die Wettbewerbsteilnehmer ein ausgearbeitetes Protokoll beim Werkstoff-Forum einreichen. „Am Schluss haben wir schon gedacht, wir schaffen das nicht mehr”, erinnert sich Bastian Kappertz daran, wie die drei bis zum Abgabetag an ihrem Bericht gearbeitet haben. Geschafft haben sie es dann aber doch - und sich sogar gegen eine Konkurrenz von 27 anderen Gruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen behauptet.

„Dass sich die Schüler auf einen Wissensstand gebracht haben, der es erlaubt mit Fachleuten zu diskutieren, das ist schon was”, meint Björn Banholzer anerkennend. Der Diplom-Ingenieur bezeichnet die Idee, Aluminium als Bewehrung einzusetzen, als „innovativen Ansatz”. Auch Sabine Kaufmann, Biologie- und Chemielehrerin am Kreisgymnasium Heinsberg, stand ihren Schülern beratend zur Seite.

Das Engagement der Schüler hat sich schließlich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht. Das Preisgeld wollen die drei erst einmal für ihre Führerscheinprüfung zur Seite legen.