„Ich werde ihm nie verzeihen können”

„Ich werde ihm nie verzeihen können”

Aachen/Alsdorf/Übach-Palenberg. Faruk E. ist eine gepflegte Erscheinung: Anthrazitfarbene Hose, blauer Blazer, blütenweißes Hemd, blaugemusterte Krawatte.

Aber der 40-Jährige aus Übach-Palenberg sitzt auf der Anklagebank, weil er am 13. April seine Frau nach 16 Jahren Ehe mit einem 26 Zentimeter langen, eben gekauften Ausbeinmesser niedergestochen und ihr den Hals bis zur Wirbelsäule durchgeschnitten haben soll.

Sie war seine erste und einzige Liebe. Und er sei ihr immer treu gewesen. Sie ihm aber nicht. „Da konnte ich nicht mehr klar denken. Da habe ich die Beherrschung verloren”, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Nachdem er die 36 Jahre alte Ehefrau getötet hatte, attackierte er seine Schwägerin. Die 45-Jährige überlebte knapp. Eine Notoperation rettete ihr Leben. 14 Tage verbachte sie im Krankenhaus, wird noch heute ambulant versorgt und psychologisch betreut.

Bilderbuchehe

Am Mittwocherschien sie vor Gericht als Zeugin und sagte über den wegen Totschlags und versuchten Mordes angeklagten Schwager: „Ich habe ihn als einen lieben Menschen kennen gelernt. Er hat nur gearbeitet und war nur für seine Familie da.”

Ihre Schwester und er hätten eine Bilderbuchbeziehung geführt. Bis unverhofft ein anderer Mann aufgetaucht sei. „Eine Luftnummer. Ich mag ihn nicht”, sagte die Schwägerin. Sie habe das hautnah mitbekommen, als Schwester und Schwager wegen des Umbaus ihres Hauses vorübergehend bei ihr wohnten.

Eines Tages habe der Angeklagte in den Taschen seiner Frau ein neues Handy, die Pille, dazu verschiedene Präservative und das Foto eines anderen Mannes gefunden. Aber statt sich zu erklären, habe die Ehefrau die Schwester vorgeschickt. Am Tattag habe der Angeklagte noch einmal das Gespräch gesucht, in der Wohnung der Schwägerin. Seine Ehefrau habe ihrer Schwester beteuert, man habe sich ausgesprochen und in Frieden getrennt.

Doch plötzlich habe der kleine Sohn der beiden gellend geschrien. Sie selbst sei in die Küche gestürmt und habe gesehen, wie der Schwager neben seiner Frau gekniet habe und ihr den Hals durchschneiden wollte. „Ich sagte nur: Bist du blöd, oder was?”, erinnerte sich die Zeugin. Da habe der Angeklagte den Blick auf sie gerichtet. „Ich habe nur noch das Weiße in seinen Augen gesehen, keine Pupillen mehr”, weiß sie heute noch.

Dann sei er auf sie losgegangen: „Du bist es Schuld. Du hast es gewusst!” Die Zeugin: „Ich hab den noch nie so gesehen. - Ich werde ihm nie verzeihen.” Dennoch wolle sie ihm den Rücken nicht kehren, auch wenn sie jetzt noch nicht wisse, wie sie zu ihm stehe.

Einen Hauch von Seelenfrieden erhoffe sie sich von einem späteren Gespräch mit ihm. „Vielleicht geht es mir dann besser. Ich weiß es nicht.” Mit den Tränen musste sie kämpfen, als der Angeklagte ganz persönliche Worte an sie richtete und sie um Entschuldigung bat.