Wassenberg: Huskys fühlen sich pudelwohl bei eisiger Kälte

Wassenberg : Huskys fühlen sich pudelwohl bei eisiger Kälte

Es ist kalt. Bitter kalt in deutschen Landen.

Wenn man seinen Blick in den trist-grauen Himmel richtet und auf den Straßen die Menschen dick vermummt mit eiligem Schritt sieht, um sich nur gerade so lange wie nötig den Temperaturen auszusetzen, fällt einem unwillkürlich der Spruch ein: „Ein Wetter, bei dem man keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken kann.”

Für die Siberian Huskys von Iris Mauderer stimmt das allerdings nicht. Im Gegenteil. Bei klirrender Kälte fühlen sich die Huskys geradezu pudelwohl und spüren einen unbändigen Tatendrang.

Die gebürtige Krefelderin, die seit mittlerweile vier Jahren in Wassenberg lebt, ist eine der erfolgreichsten Schlittenhunderennen-Fahrerinnen Europas. Dreimal bereits konnte sie in den Jahren 1990, 1991 und 1996 den Vize-Europameister-Titel erringen. Deutsche Meisterin war sie in den Jahren 1991 und 1996.

Eigentlich, so erzählt Iris Mauderer, sei es ihre Mutter Marion gewesen, die als Erste mit dem „Virus” Schlittenhunderennen infiziert worden sei. „Meine Eltern haben einen Husky als Familienhund angeschafft, als ich acht war. - Mit den typischen Husky-Problemen. Er hat das Haus auseinander genommen, wenn er alleine war.”

Schnell stand damals fest, dass der Hund in der freien Natur und einem Zwinger gehalten werden sollte. „Dazu musste ein zweiter Hund her, denn einer alleine kann nicht klappen, aber das weiß man am Anfang nicht so genau.”

Das zweite Tier, die Hündin Kiana, so sollte sich später herausstellen, war ein regelrechter Glückskauf. Mit Hund Nummer drei war dann schließlich das erste kleine Gespann komplett, und Mutter Marion nahm den „Rennbetrieb” auf - jedoch mit mäßigem Erfolg.

„Wir wussten gar nicht, dass wir mit Kiana einen ganz besonderen Hund gekauft hatten”, erinnert sich Iris Mauderer. Erst Rudi Ropertz, der damals erfolgreichste Musher (Schittenhunderennen-Fahrer), den wir in Deutschland hatten, erkannte das sofort. Er wollte Kiana kaufen, was aber nicht zur Debatte stand.” Letztlich habe sich ihre Mutter dazu überreden lassen, mit der Hündin einen Wurf zu züchten, wovon letztlich drei Tiere im Familienbesitz blieben.

Nachdem die Tiere etwa eineinhalb und Iris 14 Jahre alt war, begann auch ihre Karriere im Rennsport. „In Busek bei Kassel bin ich im Herbst als jüngste Teilnehmerin bei einem Wagenrennen gestartet. Ich habe mich in diesem Jahr schon für die Europameisterschaft qualifizieren können, was mir seitdem fast jedes Jahr gelungen ist”, erzählt die heute 31-Jährige.

Erst in diesen Tagen ging die gelernte Tierarzthelferin, die sich derzeit auch noch in Krefeld und Köln zur Fitness-Fachwirtin ausbilden lässt, bei der EM im österreichischen Nauders auf die Piste - allerdings mit dem Gespann einer Freundin. Diesmal reichte es nur für Platz 15.

Ihre eigenen Huskys seien für solche geforderten Top-leistungen schon zu alt. Mit acht oder neun Jahren sei für die Tiere, die durchaus um die 15 Jahre alt werden könnten, im Spitzensport nichts mehr zu holen.

„Wenn man züchtet”, erläutert die Mutter eines siebenjährigen Sohnes, „sollte man auch vorher wissen, ob man später mit einem Vier-Hunde-Gespann oder mit einem Zwölf-Hunde-Gespann im Rennen fahren möchte.”

Bei der großen Zahl eigneten sich nämlich Hündinnen besser, weil sie leichter, feingliedriger seien und schneller laufen könnten. In ihrer züchterischen Hochphase betreute Iris Mauderer in Krefeld rund 40 Hunde.

Obwohl das Leben mit den agilen Vierbeinern sicher viel Freude bereite, erlebte die junge Frau auch die Schattenseiten ihres Sports. „Im letzten Jahr sind wir zur Weltmeisterschaft nach Italien gereist - mit durchaus guten Chancen auf einen der ersten Plätze. Mitten auf der Strecke brach plötzlich ein Hund tot zusammen. Er litt, wie die Obduktion später ergab, an einer Verengung der Lungenarterie. Das war der traurigste Moment in meiner Karriere.”

Dennoch blickt Iris Mauderer schon aufs nächste Jahr. Denn dann wird die Weltmeisterschaft Ende Februar/Anfang März im Thüringer Wald ausgefahren. „Ich hoffe, dass meine Freundin wieder ein Gespann für mich hat. Ab Weihnachten gehts dann ins Trainingslager. Wahrscheinlich wieder nach Polen.”