Kreis Düren: Hunde „sind die besten Therapeuten“ für Senioren

Kreis Düren : Hunde „sind die besten Therapeuten“ für Senioren

Der alte Herr beugt sich lächelnd zu Tierheimhund Tobi hinunter, krault den Mix aus Dackel und Beagle eine Weile, dreht sich dann unvermittelt um, geht weg, setzt sich in den nächsten Sessel und greift zur Zeitung. „Das ist jetzt die Demenz“, sagt seine Tochter erklärend. „Aber ich weiß trotzdem, dass er mit dem Hund ein paar wunderbare Augenblicke erlebt hat.“

Der alte Herr wohnt in der Seniorenresidenz Burg Binsfeld und ist dort einer von vielen, die früher selbst jahrelang einen Hund hatten und sich über den vierbeinigen Besuch aus dem Tierheim freuen. Mit dem Mischling Tobi sind die ehrenamtlichen Tierheimmitarbeiter Dagmar Dorn-Busch und Wolf-Achim Busch zu Gast bei den Senioren. Sie kommen etwa alle drei Wochen vorbei und kennen die Bewohner. Sie wissen, bei wem man besonders laut sprechen muss, wer nur bei guter Tagesform Lust auf ein paar Streicheleinheiten mit dem Tier hat und wer sich jedes Mal besonders freut. Zur letzten Gruppe gehört Heinz Kellner.

Hunde aus dem Dürener Tierheim, wie der Dackel-Beagle-Mix Tobi (großes Bild) sind regelmäßig in 13 Seniorenheimen im Kreis zu Gast. Anneliese Heinen (rechts Mitte) und Heinz Kellner (rechts unten) freuen sich besonders über diesen Besuch. Auch Arnold Berg (rechts oben) ist ein Hundenarr. Sein Cocker Spaniel Luca ist vor Kurzem gestorben. Foto: Welkener

Neben seiner Zimmertür hängt eingerahmt ein Schwarz-Weiß-Bild, das Kellner vor einigen Jahrzehnten in einem Skiurlaub zeigt. Drinnen sitzt der 85-Jährige im Rollstuhl, fängt an zu strahlen und klatscht freudig in die Hände, als Tobi schwanzwedelnd hineinstürmt. „Das ist aber schön, dass Du deinen alten Opa Heinz besuchst“, ruft er dem wuseligen Hund zu. Dass Tobi erst vor Kurzem ins Dürener Tierheim gekommen ist und vorher noch nicht auf Burg Binsfeld war, tut nichts zur Sache.

Hunde aus dem Dürener Tierheim, wie der Dackel-Beagle-Mix Tobi (großes Bild) sind regelmäßig in 13 Seniorenheimen im Kreis zu Gast. Anneliese Heinen (rechts Mitte) und Heinz Kellner (rechts unten) freuen sich besonders über diesen Besuch. Auch Arnold Berg (rechts oben) ist ein Hundenarr. Sein Cocker Spaniel Luca ist vor Kurzem gestorben. Foto: Welkener

Der Hund und Herr Kellner begrüßen sich wie alte Bekannte. Der Senior bekommt eine dicke Decke über die Beine gelegt, damit der Hund ihn nicht aus Versehen kratzt, denn im Nu stemmt er die dackeltypisch abgewinkelten Vorderpfoten auf die Knie von Heinz Kellner, um besser an die Leckerchen aus dessen Hand heranzukommen. Mit einem breiten Lächeln verabschiedet Kellner später den Hund. „Toll, dass Du da warst“, ruft er ihm hinterher und klatscht noch einmal.

g Foto: Welkener

So fit wie er sind bei weitem nicht alle Senioren auf der Burg. Aber auch bei den bettlägerigen oder sehr abwesenden Tierfreunden öffnen sich die Augen oder auch mal verkrampfte Fäuste, wenn sie die feuchte Hundeschnauze und das weiche Fell spüren. „Es ist enorm, was so ein Tier allein durch seine Anwesenheit bewirkt“, sagt Viola Heuser, Leitung Sozialer Dienst in der Seniorenresidenz. „Das sind die besten Therapeuten.“ Sie erzählt von einer Bewohnerin, die sich direkt in einen großen schwarzen Hund aus dem Tierheim verliebte und trotz ihrer Demenz noch drei Tage lang nach ihm fragte.

Zunächst skeptisch

Liebe auf den ersten Blick war es auch bei Arnold Berg (86) aus Düren und dem Cocker Spaniel Luca. Wenige Tage nach dem Tod seiner dritten Cocker-Spaniel-Hündin war er — damals 83 Jahre — mit seiner Tochter im Tierheim. Mit seinem treuen Blick hat der achtjährige Luca den Rentner sofort für sich gewinnen können. Aber die Tierheimmitarbeiter waren zunächst aufgrund von Bergs Alter skeptisch. Er ließ sich dennoch nicht beirren und besuchte den Cocker täglich.

„Ich habe ihm sogar Leckerli gebracht, obwohl das verboten war. Aber ein bisschen Bestechung muss doch sein, oder?“, fragt er mit einem schelmischen Grinsen. Letztendlich ließen sich die Tierheimmitarbeiter überzeugen, als Bergs Tochter versicherte, den Hund im Notfall zu übernehmen und nicht zurück ins Heim zu bringen. Dieser Notfall ist aber nicht eingetreten, und Luca hatte bis zu seinem Lebensende vor ein paar Wochen ein liebevolles zu Hause bei Arnold Berg.

Die beiden waren ein eingespieltes Team. Selbst zuletzt, als Luca fast nichts mehr roch, blind und taub war, motivierte ihn Berg weiter zu täglichen Spaziergängen. „Ich musste ihn am Ende schon ein bisschen ziehen“, erinnert er sich jetzt und lässt seinen Blick über eine Urne in der Zimmerecke schweifen. Luca und die vorherige Hündin hat Berg zur Erinnerung einäschern lassen, weil er sich nach dem Tod seiner Frau um diese beiden Vierbeiner alleine kümmerte.

Nun lebt der Dürener allein, vermisst seinen vierbeinigen Begleiter für die Spaziergänge sehr. Eine große Runde durch den Burgauer Wald dreht Berg trotzdem noch jeden Tag. Und vielleicht wird Luca auch nicht sein letztes Tier gewesen sein. „Freunde wollen mir jetzt eine Katze andrehen“, sagt Berg schmunzelnd. „Aber erst einmal geht es in den Urlaub. Vor Ende September wird das nichts mit der Katze.“