Gangelt: Hühnerkot-Lagerfläche nicht vorgesehen

Gangelt : Hühnerkot-Lagerfläche nicht vorgesehen

Im Verfahren um die Zuordnung von Vorrangflächen für Massentierhaltung im Gemeindebereich gibt es einen Stau. Der Bau- und Umweltausschuss empfahl am Dienstagabend, vorerst keine weiteren Beschlüsse zu fassen.

Möglicherweise kommt es zu einer Neuberechnung des Flächenangebots bei Nachbarheid von derzeit 2,2 Hektar.

Der Rat der Gemeinde hatte nach monatelanger Debatte um Notwendigkeit und Auswirkungen am 9. Februar dieses Jahres die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen. Vorausgegangen war die bekundete Absicht eines niederländischen Investors, im Gemeindebereich einen Legehennenbetrieb von knapp 40000 Hühnern einzurichten.

Beteiligte informiert

Nach Meinungsbildung der Verwaltung könnten Anträge solcher Art nicht einfach abgewiesen werden. Juristisch könnte eine solche Absicht durchgesetzt werden. Aber die Gemeinde habe es in der Hand, über eine Vorrangflächenbestimmung die Lage und Größe des reservierten Areals festzulegen.

Im Zusammenhang mit dem Basisbeschluss für das Areal bei Nachbarheid wurden auch die Bürgerbeteiligung und die Anhörung der Behörden bzw. Träger öffentlicher Belange festgelegt. Mit Frist vom 21. Juni sind die amtlichen Darstellungen bei der Verwaltung eingetroffen und in den Beschlussentwurf eingearbeitet worden.

Interessiertes Publikum

Auf Differenzen zwischen Planungs- und Baurecht machte Hans-Otto von der Heide vom Erkelenzer Planungsbüro VDH-Projektmanagement am Dienstag in öffentlicher Sitzung vor interessiertem Publikum aufmerksam. In Sachen Emissionsschutz fehle es an der nachweislichen Festschreibung, dass der beim Betrieb der Hühnerfarm anfallende Kot nur in getrocknetem Zustand transportiert werde; eine Lagerfläche für den Mist sei im Plangebiet nicht vorgesehen.

Von einem Abnahmevertrag zwischen dem Unternehmer und dem Betreiber der Biogasanlage Schümm über wöchentlich 30 Tonnen Hühnerkot werde zwar gesprochen, „das muss aber untersucht werden”, riet Hans-Otto von der Heide. Ebenso sollten die Transportwege für die Trockenmasse vom Betrieb zum Abnehmer eindeutig sein. Der Kreis Heinsberg notierte in seiner Stellungnahme „vorsorglich”, dass „einer Erschließung der Sonderbaufläche von der L288 nicht bzw. nur unter Auflage zusätzlicher Maßnahmen der Verkehrssicherung zugestimmt wird”. Die Benutzung bestehender Wirtschaftswege, warnte Hans-Otto von der Heide, sei bereits eine „Sondernutzung”.

Für nachhaltige Verwirrung im Ausschuss sorgte Jurist von der Heide danach mit der grundsätzlichen Infragestellung, ob die Fläche mit 2,2 Hektar nicht zu groß dimensioniert wäre. Anfangs sei es um 40000 Tiere gegangen, die Fläche reiche auch für einen gleichgespiegelten Betrieb aus, also 80000 Stück Federvieh bei Nachbarheid. Vergleiche man aber Ausdehnung und gebäudliche Grundrisse, wäre vermutlich die Unterbringung von bis zu 200000 Hühnern möglich.

Neues Stichwort sei also, sagte Hans-Otto von der Heide, über eine Verkleinerung der Vorratsfläche nachzudenken, sollte man zu voreilig geurteilt haben. Wenngleich die Gefahr bestehe, dass die Flächenreduzierung den ganzen Bevorratungsplan kippen könne.

„Ja, wem ist denn da noch zu glauben?”, fragte Günter Dammers (CDU) mit Zustimmung des Gremiums. „Mir kommen da alte Zweifel wieder auf”, fuhr er fort und gab sich „absolut enttäuscht” über den Fortgang des Verfahrens: „Man kann sich vom Verhalten des Investors über den Tisch gezogen fühlen.” Der Ausschuss folgte dem Antrag von Wolfgang Erkens, Entscheidungen bis zur Klärung aller Fragen auszusetzen.