Erkelenz: Hohe Verluste sorgen für stürmische Zeit

Erkelenz : Hohe Verluste sorgen für stürmische Zeit

Entlassungen und Verkäufe von Beteiligungen sollen die wirtschaftliche Schieflage der Umweltkontor AG mit Sitz in Erkelenz beheben.

Wie der Vorstandssprecher Heinrich Lohmann am Montagabend bei einer Belegschaftsversammlung verkündete, werden 22 Mitarbeiter zum 31. März 2004 entlassen. Die Kündigungen wurden am Dienstag bereits ausgesprochen. „Dieser Schritt wurde erforderlich, weil die derzeitige schlechte gesamtwirtschaftliche Situation nicht spurlos an Umweltkontor vorbeigegangen ist”, begründete Lohmann.

So hatte beispielsweise die Debatte über die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die Kapitalanleger in den vergangenen Monaten verunsichert. Entsprechend zurückhaltend war das Verhalten der Kunden gegenüber Neuinvestments in erneuerbare Energien.

„Zudem haben die Biodieselraffinerie Schwarzheide und die Solarzellenproduktion in Erfurt Verluste eingefahren, die durch das ebenfalls nicht befriedigende Ergebnis im Segment Windenergie nicht aufgefangen werden konnten”, ergänzte er.

Wie Firmensprecher Andreas Köster am Dienstag hinzufügte, habe Umweltkontor inzwischen seine Anteile an der Nevest New Energie AG und damit an der Biodieselraffinerie verkauft. „Das war gewissermaßen die Notbremse. Die Raffinerie verursachte 2003 vier bis fünf Millionen Euro Verluste, die wir nicht ausgleichen konnten.” Mithin werde der Jahresabschluss 2003, so schätzt Köster, unterm Strich rote Zahlen schreiben. „Mit diesen Verlusten haben wir nicht gerechnet.”

Die Verluste in der Solarzellenproduktion sind nach Kösters Worten die Folge der Kosten einer massiven Produktionserweiterung und der gleichzeitigen Unsicherheit der Bürger über die zukünftige staatliche Förderung. Diese Unsicherheit werde zum 1. Januar ausgeräumt. Daher erwarte Umweltkontor im Segment der Solarenergie eine positive Entwicklung mit vermehrten Verkäufen.

„Der jetzige Schritt ist schmerzhaft. Vor dem Hintergrund der dringend erforderlichen Kostenreduktion im Unternehmen, insbesondere im Bereich der Betriebskosten, blieb uns aber keine andere Wahl”, betonte Lohmann. „Durch die angepasste Kosten- und Organisationsstruktur müssen die in 2004 anstehenden Geschäftsaktivitäten des Konzerns nun mit einem verkleinerten Team in Angriff genommen werden.”

Bislang waren am Stammsitz der Umweltkontor AG im Erkelenzer Gewerbe- und Industriepark Commerden 150 Mitarbeiter beschäftigt. „Vor vier Jahren waren es knapp 30”, sagte Köster, der auf den rasanten Personalanstieg verweist.

„Jetzt muss abgebaut werden, wobei es vornehmlich die Verwaltung im weiteren Sinne betrifft. Die Planungs- und die Service-Abteilungen sind vom Personalabbau nicht betroffen. „Nach wie vor ist die Auftragslage bei unserem wichtigsten Standbein, der Windenergie, ausgezeichnet.” Rund 70 Anlagen warten nach der Planung auf die Realisierung, die 2004 und 2005 erfolgen soll.

Als ein Signal für eine wirtschaftliche Verbesserung sieht Köster eine mögliche Landesbürgschaft in Höhe von 25 Millionen Euro für weitere Projekte. „Ein Gutachterausschuss hat eine zustimmende Empfehlung ausgesprochen.”