Gangelt: Hitze im Wildpark Gangelt: Mit großer Gießkanne zum Murmeltier

Gangelt : Hitze im Wildpark Gangelt: Mit großer Gießkanne zum Murmeltier

Die drei Verschlüsse an den Sprudelflaschen zischen fast gleichzeitig, und bei Florian Wilde und Arnold Schmitz sieht man in den Gesichtern die wohltuende, kühlende Wirkung. Nur Falkner Erwin Janssen verzieht das Gesicht; er hätte gerne etwas Geschmack in der Flasche gehabt.

Die drei Herren haben das Geschehen im Wildpark unter Kontrolle — nur gegen die Hitze können auch sie nichts ausrichten. „Allerdings“, so schränkt Erwin Janssen gleich ein, „wissen die Tiere mit dem Wetter umzugehen.“ Auffällig für die Parkbesucher ist, dass die Weideflächen im Wildpark Gangelt, die normalerweise ein saftiges Grün auszeichnet, inzwischen völlig ausgedörrt sind; braun soweit das Auge schaut.

Rotwild, Damwild und Sikawild finden auf diesen Flächen jedenfalls keine Nahrung mehr. So sind es dann auch schon mal 15 Ballen Heu, die am Tag zugefüttert werden müssen. Wenn die Tiere sehen, wie „Nölles“ Schmitz sich den Gehegen nähert, wissen sie, dass Futterzeit ist. Und sie wissen auch, dass es diesmal etwas mehr gibt, da ja das Grasen und Weiden aktuell ausfällt.

Wer mangelndes Wasser im Wildpark für ein Problem hält, der irrt. „In fast allen Gehegen gibt es unterschiedlich große Tränken, die permanent mit Frischwasser versorgt werden“, weiß Florian Wilde alle Parkbewohner auf der sicheren Seite.

Freiflüge fallen aus

Natürlich haben es nicht alle Tiere so gut wie das Rotwild oder gar die Wildschweine. Das Rotwild hat eine große Suhle, die derzeit regelmäßig nicht nur zum Trinken besucht wird. „Die Tiere kühlen sich darin ab und können hier auch wunderbar ihre Haut reinigen“, sagt Erwin Janssen. Die Wildschweine finden in Sachen Suhlen ein Paradies vor. Der ganze untere Bereich am Zaun in Richtung Fahrradweg ist feucht und mit mehr oder weniger großen Tümpeln durchzogen.

Da zeugt dann das Quieken nicht von Revierkämpfen, sondern ist Ausdruck puren Vergnügens. Die Greifvögel in der Falknerei haben eine Schale mit Wasser vor sich stehen. Die dient grundsätzlich mehr als Bad, in der Hitze wird aber daraus auch schon mal getrunken. Bei extrem hohen Temperaturen fallen die beliebten Freiflüge aus. Das ist aber erst dreimal in diesem Sommer passiert. Zu den weiteren Tieren, die mittels Gießkanne versorgt werden, gehören die Murmeltiere. Die haben in diesem Jahr keinen Nachwuchs.

Dafür begeistern in vielen anderen Gehegen die Jungtiere. Die Steinböcke und Gämsen zeigen Kletterkunst, die Frischlinge bei den Wildschweinen rasen wie lebende Staubsauger durch ihr Gehege, junge Hirschkälber und Muffellämmer tollen übermütig umher. Herrlich anzusehen ist das Verhalten des Wildpark-Nachwuchses und ein Publikumsmagnet für die Besucher. Fischotter, Wildkatzen, Baummarder, Luchse und Wölfe können die Besucher bei einem Fütterungsrundgang zu bestimmten Zeiten hautnah erleben.

Das junge Wolfsrudel mit Rüde Nathan und den Wölfinnen Dragna und Hamni fangen langsam an, sich aneinander zu gewöhnen, und der zweijährige Wisentbulle Eisig aus dem Wisentgehege Hardehausen ist mittlerweile heimisch geworden. Nachwuchs bei den Füchsen gibt es auch nicht jedes Jahr. Über Fritz und Kalle, beides Handaufzuchten, freut man sich in Gangelt besonders.

Falkner Erwin Janssen und sein Team geben bei den täglichen Flugvorführungen interessante Informationen über Merkmale und Fähigkeiten der Greifvögel. Ein junger Schwarzmilan, ein Lannerfalke und vier junge Turmfalken sind neu dazugekommen. Wer den Wildpark mit Blick auf das heiße Sommerwetter meidet, bedenkt nicht, dass die Bäume entlang der Wege und häufig eine leicht Brise für Kühlung sorgen.

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