Städteregion: Hilfsbedarf bei schulpsychologischer Beratung steigt deutlich

Städteregion : Hilfsbedarf bei schulpsychologischer Beratung steigt deutlich

Rein statistisch gesehen geht es kräftig bergauf: Mehr Personal, mehr Aufgabenfelder und mehr Neuanmeldungen hat die Schulpsychologische Beratungsstelle der Städteregion im vergangenen Jahr verzeichnet. Doch weil sich die Mitarbeiter der Einrichtung in der Eschweiler Steinstraße mit den eher schwierigen Seiten des Lebens beschäftigen, sorgt der Aufwärtstrend sicher nicht für einen Jubelsturm.

Immerhin aber sorgt er für Zufriedenheit. Denn Dr. Marie-Luise Maschmeier orientiert sich am Erfolg der Arbeit in der von ihr seit 2010 geleiteten Beratungsstelle. Und der könne sich sehen lassen, findet die Psychologin. Vor allem deshalb, weil es immer wieder gelinge, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen: Im Zusammenspiel von Eltern, Kinder und Lehrer liege die größte Chance, Kindern oder Jugendlichen, die in ihrem schulischen Umfeld Probleme haben, effektiv und nachhaltig zu helfen.

Sieht die Schulpsychologische Beratungsstelle gut aufgestellt: Marie-Luise Maschmeier. Foto: Grobusch

Wobei Maschmeier ein Hinweis wichtig ist: „Unser Feld ist die Beratung und Diagnostik, wir bieten keine Therapie an.“ Sehr wohl aber gibt es die Möglichkeit, den Betroffenen eine Therapie oder andere Hilfen zu vermitteln. Schließlich ist das Erkennen des Problems nur der erste Schritt auf dem Weg zu dessen Lösung.

Für gesamten Altkreis zuständig

Die Angebotspalette der Schulpsychologischen Beratungsstelle, die für den gesamten Altkreis Aachen zuständig ist, unterteilt sich in drei Bereiche. Die Einzelfallhilfe für Schüler und Eltern sowie die Beratung und Fortbildung von Lehrern sind zwei von ihnen. Bei der Einzelfallarbeit gab es 2017 gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von rund 14 Prozent. Das macht in absoluten Zahlen 206 neue Fälle. Fast die Hälfte aller Kontakte kamen aufgrund von Problemen im Bereich „Lernen und Begabung“ zustande.

„Die Aufgabenschwerpunkte haben sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verschoben“, blickt Maschmeier zurück. „Aber die Unterstützung bei sogenannten Teilleistungsschwierigkeiten machen immer noch einen beträchtlichen Teil aus.“ Vor allem Probleme beim Erlernen von Rechnen und Schreiben im Primarbereich treten nach wie vor häufig auf.

Rund 30 Prozent der Fälle im Jahr 2017 entfielen derweil auf „sozial-emotionale Fragestellungen“. Neben Verhaltensauffälligkeiten gehören auch Mobbing und Schulabsentismus zu den Phänomenen, mit denen die Psychologen häufig zu tun haben. Auffällig ist dabei die durchweg ungleiche Verteilung von Jungen und Mädchen: Gut 60 Prozent aller Rat- und Hilfesuchenden waren männlich. Eine wissenschaftliche Erklärung hierfür hat Marie-Luise Maschmeier nicht. Für die Arbeit der Beratungsstelle sei das aber auch unerheblich. Denn sie konzentriere sich auf die individuellen Gegebenheiten des Einzelfalls.

Das gilt auch für den dritten, erst seit 2015 existierenden Bereich „Integration durch Bildung“. Mit dem enorm steigenden Bedarf ist auch das Angebot der Beratungsstelle stark ausgebaut worden. Heute gehören Einzelfallhilfe, präventive Maßnahmen vor allem an Berufskollegs und Fortbildungen für Lehrer zum Portfolio. „Die meisten Maßnahmen sind längerfristig angelegt“, erklärt Marie-Luise Maschmeier. „Denn der Unterstützungsbedarf ist in diesem Feld besonders hoch.“

Da passt es gut, dass die personelle Ausstattung der Beratungsstelle, die vom Land und der Städteregion finanziert wird, aus Sicht der Leiterin gut ist. „Nach der Entfristung einer halben Stelle verfügt unser Team jetzt über drei unbefristete Stellen und eine halbe befristete Stelle.“ Das sorge für „Stabilität“ und schaffe die Grundlage für eine auch in Zukunft erfolgreiche Arbeit. Zu deren Schwerpunkten werde weiterhin der Bereich „Integration durch Bildung“ zählen, wo unter anderem die Kooperation mit den Berufskollegs ausgeweitet werden soll.

Auch bei der Supervision von Lehrerkollegien oder Fachteams wird mit einer weiter steigenden Nachfrage gerechnet. Wobei die Beratungsstelle nach Aussage von Marie-Luise Maschmeier dann doch an ihre Grenzen stoßen könnte: „Die Entwicklung finde ich erfreulich. Allerdings fehlen uns hier die personellen Ressourcen, um allen Nachfragen gerecht werden zu können.“

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