Kreis Düren: Helmut Clahsen hinterlässt bewegte Schüler

Kreis Düren : Helmut Clahsen hinterlässt bewegte Schüler

Der kleine Helmut freut sich riesig, als ihm seine Mutter eröffnet, dass er zu Weihnachten ein Geschwisterchen bekommen wird. Diese Freude will er mit einer älteren Hausbewohnerin auf der Straße teilen.

„Ich bekomme ein Brüderchen”, sprudelt es aus ihm heraus. „Ein Judenbalg mehr oder weniger wird unserem Führer nichts ausmachen”, dämpft die deutsche Frau den Überschwang des Kindes. „Mama, was ist ein Judenbalg?”, fragt Helmut seine Mutter.

Bei Beginn der Machtübernahme 1933 ist Helmut Clahsen zwei Jahre alt. Mit seinen Eltern lebt er in Aachen. Seine Mutter ist Deutsche jüdischen Glaubens, sein Vater Deutscher katholischen Glaubens. Der Vater ist Beamter, seine Mutter darf bald ihrem Beruf als Konzertpianistin nicht mehr nachgehen. „Trenn„ dich von der Judenschlampe!”, wird der Vater alsbald aufgefordert. Weil er gegen die Rassegesetze verstößt, wird er aus dem Dienst entfernt.

Der heute 78-jährige Helmut Clahsen erzählte die Geschichte seiner Kindheit vor Jugendlichen des 12. Jahrgangs des Berufskollegs Kaufmännische Schulen. „Ich merkte bald, dass ich anders war als die anderen, aber ich wusste nicht, woran das lag”, erinnerte Clahsen seine Gedanken und Gefühle von damals. Im Vortragsraum hätte man eine Stecknadel fallen hören, so aufmerksam und ernsthaft hörten die jungen Männer und Frauen zu. Pfarrer Rainer Bushe hatte bei der Vorbereitung auf den Vortrag offenbar gute Arbeit geleistet.

In seinem Buch „Mama, was ist ein Judenbalg?” beschreibt Clahsen seine schreckliche Odyssee, nicht verbittert, nicht hasserfüllt, nicht nach Mitleid heischend. Er möchte dazu beitragen, dass die Neo-Nazis nicht noch mehr Fuß fassen in den Parlamenten. Deshalb schreibt er seine Bücher, deshalb geht er immer wieder in die Schulen.

Die Schüler waren tief angerührt. Nina Kaulen, 17 Jahre: „Ich bin schockiert. Das ist doch etwas anderes, solche Dinge von einem zu erfahren, der das erlebt hat. Herr Clahsen ist einfach authentisch.” Dem konnten ihre Mitschülerinnen und Mitschüler nur zustimmen.

Auf dem Flur standen einige Zwölfer vor dem Plakat „Lauf gegen Rechts”. Sie dachten laut über eine Teilnahme an diesem Lauf am 28. August, zwei Tage vor der Kommunalwahl, nach.