Heinsberg/Geilenkirchen: Heinsberger soll Ehefrau geschlagen und vergewaltigt haben

Heinsberg/Geilenkirchen : Heinsberger soll Ehefrau geschlagen und vergewaltigt haben

Auf der Anklagebank sitzt der 27-jährige Helmut D. aus Heinsberg, Vater eines zweijährigen Sohnes, geschieden, ein korpulenter junger Mann mit gepflegtem Vollbart und Kurzhaarfrisur. Er trägt einen sauberen gestreiften Pullover, beantwortet die ihm gestellten Fragen ruhig und mit durchaus gewählten Worten.

Zu diesem Bild eines netten jungen Mannes will der Umstand, dass zwei Justizbeamte den Angeklagten in Handschellen in den Gerichtssaal führen und während der gesamten Verhandlung anwesend sind, ebenso wenig passen, wie der Vorwurf der zweimaligen versuchten Vergewaltigung nebst mehrfacher, teils schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung, weswegen der Angeklagte vor Gericht steht.

Mit verhandelt werden an diesem ersten Verhandlungstag vor dem Geilenkirchener Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schönig auch zwei Drogendelikte, wobei Helmut D. an den damals minderjährigen Bruder seiner jetzigen Ex-Frau Amphetamine weiter gegeben haben soll. Der Angeklagte räumt dies ein, verneint jedoch die ihm zur Last gelegten Beweggründe.

„Der nahm damals schon lange alle möglichen Drogen und war schon mehrmals auf Entzug“, gibt er an. „Er gab mir schon mal was ab, und ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass er immer alles bezahlte, deshalb hab‘ ich auch mal was besorgt.“ Von Weiterverkauf sei nie die Rede gewesen. Das Kernstück der ersten Verhandlung jedoch bildet die Vernehmung der inzwischen vom Angeklagten geschiedenen Zeugin aus Heinsberg.

Sie zeichnet das Bild einer Ehe, die zunächst normal verlief, mit gelegentlichen Streitereien unter temperamentvollen Partnern, die wohl beide kein Blatt vor den Mund nehmen und „das Herz auf der Zunge tragen“. Im weiteren Verlauf entwickelten sich die Streite zu Auseinandersetzungen, die immer extremer ausarteten, so dass es zu Schlägen ins Gesicht und einem Tritt in den Bauch der damals im 7. Monat schwangeren Zeugin gekommen sein soll, bis hin zu einer Würgeattacke bis zur Bewusstlosigkeit und einer über mehrere Stunden dauernden versuchten Vergewaltigung durch den Angeklagten.

Trennungsjahr

Letztere beiden Taten sollen während des Trennungsjahres geschehen sein. Die damaligen Noch-Ehepartner hatten sich auf ein 14-tägliches Besuchsrecht des Vaters in Bezug auf den gemeinsamen Sohn geeinigt. Als die Zeugin im Rahmen eines Eifersuchtsstreits den Sohn vorzeitig abholen wollte, soll es zu der Tätlichkeit gekommen sein. Der Angeklagte habe die Zeugin gewürgt, bis sie bewusstlos wurde, ihr dann allerdings geholfen und sich „1000 Mal entschuldigt“. In einem weiteren Fall habe er „sein eheliches Recht“ eingefordert, notfalls mit Gewalt. Zu diesen Vorwürfen bezog der Angeklagte vorerst keine Stellung.

Die Schilderungen der einzelnen Taten fielen der Zeugin sichtlich schwer. Die Verhandlung musste einmal kurz unterbrochen werden, weil sie zu weinen begann und nicht mehr antworten konnte. Als sie im weiteren Verlauf der Verhandlung wieder mit den Tränen kämpfte, erwiderte sie auf eine erneute Unterbrechung angesprochen: „Es hilft ja doch nichts, nachher ist es auch nicht besser.“

Der Angeklagte blieb während der gesamten Schilderungen ruhig und gefasst. Von dem gewalttätigen, aufbrausenden Temperament, dass von unterschiedlichen Zeugen, die jedoch zum Tathergang selbst nichts Konkreteres sagen konnten, bestätigt wurde, war an diesem Tage nichts zu sehen.

Allerdings sind noch zahlreiche andere Zeugen zu hören. Ein weiterer vorgeworfener Vergewaltigungsversuch mit Körperverletzung ist noch zu untersuchen, wozu der Angeklagte in Abwesenheit des angeblichen Opfers hingegen bereits Stellung bezog. Er habe keine sexuellen Handlungen versucht. Sie habe gewollt, er aber nicht. Als sie dann nach seinem Hund getreten habe, sei ihm die Hand ausgerutscht, woraufhin sie ihn gebissen habe. „Das hatte ich wohl verdient, darum habe ich mich dagegen nicht gewehrt. Die Ohrfeige tat mir ja schon leid. Warum sollte ich ihr weiteres Leid antun?“