Heinsberg: Heinsberger baut 7 Zwergen ihr Häuschen

Heinsberg : Heinsberger baut 7 Zwergen ihr Häuschen

Eingefleischte Otto Walkes-Fans können es wohl kaum noch erwarten. Am Donnerstag, 28. Oktober, ist es endlich so weit. Der neue „Otto”-Film kommt in die Kinos.

„7 Zwerge - Männer allein im Wald” lautet der Titel. Wenn die klamaukige Parodie auf „Schneewittchen und die sieben Zwerge” über die Leinwand flimmern und das Publikum sich vor Lachen biegen wird, dann dürfte auch bei dem Heinsberger Zimmerermeister Martin Knoben ein zufriedenes Schmunzeln übers Gesicht huschen. Denn das Haus der Zwerge, Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, hat er zusammen mit seinem Team entworfen und gebaut.

Martin Knoben, der das gleichnamige Holzbau-Unternehmen schon in der vierten Generation in Heinsberg betreibt, erinnert sich noch gut an den Tag im März vor einem Jahr. „Ich erhielt einen Anruf von Bernd Gaebler aus Unterbruch, der bei dem neuen Otto-Film für die komplette Ausstattung zuständig war. Er suchte nach einer Firma, die ihm ein Haus bauen könne, dessen Dach die Form einer Zipfelmütze habe.”

Im Prinzip, so antwortete Knoben damals, sei alles möglich. Schon einen Tag später stand der Anrufer mit einer Rohskizze in der Hand vor der Tür, denn die Zeit bis zur Fertigstellung drängte. „Obwohl wir damals gerade mit der Erstellung des neuen Turmes von St. Gangolf beschäftigt waren, wusste ich sofort, dass sich eine solche Chance vielleicht nur einmal im Leben bieten würde und griff zu.”

Das Film-Business hatte den 40-Jährigen infiziert. „Ende Mai haben wir in den MMC-Studios in Köln mit der Montage begonnen. Das Hauptproblem lag in den geschwungenen Dachbalken; die habe ich bei einer Firma in Süddeutschland herstellen lassen, die über eine Maschine verfügt, die diese Balken fräsen kann.”

Den Holzbau-Fachleuten stand inzwischen ein Styropor-Modell zur Verfügung, das als Bauvorlage diente. Das fertige Haus ist eine Ständerkonstruktion aus Fichtenholz. „Obwohl es ein Zwergenhaus ist, misst es immerhin acht mal acht Meter in der Fläche und stattliche zehn Meter in der Höhe. Das hat auch einen Hintergrund”, verrät Martin Knoben schon ein kleines Geheimnis. „Im Verlauf des Films werden nämlich alle Betten der Zwerge übereinander stehen, weil Schneewittchen einen Teil des Hauses für sich bekommt.”

Nach kaum vier Tagen setzten die Heinsberger die letzte Schraube. „Wir haben oben gerade die letzte Latte montiert, da begann man unten bereits mit der Verkleidung der Außenfassade mit Lehm.” Alles musste halt auf Alt getrimmt werden. „Das Dach wurde später mit Ried eines betagten Hauses aus Norddeutschland gedeckt, das hierfür eigens ein neues bekam.”

Der gesamte Film, erzählt Martin Knoben, sei in nur zwei riesigen, 50 mal 50 Meter großen Hallen gedreht worden. In der einen sei neben dem Zwergenhaus eine komplette Waldlandschaft mit Bachlauf entstanden.

In der anderen zauberte die Film-Crew das Schloss der „bösen Stiefmutter”. „Bei manchen Bäumen wurde sogar das Laub entfernt und durch künstliches ersetzt, damit es nicht nach kurzer Zeit schon welk aussah”, ist der Zimmerermeister noch heute von der Perfektion und Professionalität der Filmschaffenden fasziniert.

„Bei der Premiere in Köln am nächsten Dienstag werde ich den Film zum erstenmal sehen”, freut sich Knoben. „Wenn es stimmt, was am Set erzählt wurde, ist es die teuerste Produktion gewesen, die je in Deutschland gemacht worden ist.” Für Knobens vierjährigen Sohn Simon dürfte das keine Rolle spielen, wohl jedoch, dass sein Papa es war, der den „Sieben Zwergen” ihr Haus baute.