Kreis Düren: Heinrich Becker versucht einen Neuanfang

Kreis Düren : Heinrich Becker versucht einen Neuanfang

„Ich will doch nur arbeiten”, sagt Heinrich Becker. Dabei wirkt der, sonst so fröhliche Heinz sehr nachdenklich. Gearbeitet hat der gebürtige Lendersdorfer trotz seiner angeborenen Sehbehinderung sein ganzes Leben.

Im Alter von 14 Jahren unterschrieb er nach der Volksschule bei einem Feinpapierhersteller in Düren seinen ersten Arbeitsvertrag. Zunächst arbeitete er fast 25 Jahre in der Produktion bis er in die Wareneingangskontrolle und später ins Labor versetzt wurde.

Im Frühjahr dieses Jahres setzte die Geschäftsführung den 57-Jährigen nach 43 Jahren Unternehmenszugehörigkeit völlig unerwartet vor die Tür. Begründung: Man müsse Personalkosten sparen. Die Maschine, die jetzt seinen Job macht, sei einfach billiger und brauche keinen Urlaub. „Das war ein Schlag ins Gesicht und ich musste gegen meine Tränen ankämpfen”, erinnert sich Heinz.

Ein Händedruck sowie ein gutes, aber belangloses Zeugnis waren der Dank für 43 Jahre Treue und Loyalität. „Wir bedanken uns für seine gute Mitarbeit und wünschen ihm beruflich wie privat alles Gute für die Zukunft.”

„Unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet war seine Kündigung mit Sicherheit sinnvoll, menschlich aber schlicht amoralisch”, erklärt Sascha Fackeldey vom berufsförderungswrek Düren, wo Heinrich becker in diesen tagen ein bewerbungstraining absolviert.

In acht Jahren könnte Heinrich Becker in Rente gehen, bis dahin will er aber unbedingt arbeiten und einen beruflichen Neuanfang wagen, auch um seine kranke Frau gut versorgen zu können. Gut stehen seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt aber nicht, zum einen ist er durch seine Sehbehinderung bei der Berufswahl eingeschränkt und weil er nie einen Führerschein machen konnte muss die Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.

Hinzu kommt, dass er mit 57 Jahren nicht gerade im besten Alter für einen beruflichen Neuanfang ist. Die Hoffnung gibt er trotz der, nicht gerade rosigen Aussichten aber nicht auf.

Mit Hilfe des Berufsförderungswerks Düren, das sich ausschließlich für die berufliche- und somit gesellschaftliche Integration blinder und sehbehinderter Menschen einsetzt, versucht Heinrich Becker den Neuanfang. „Ich will doch nur arbeiten. Zuhause rum sitzen ist nichts für mich und ich will doch nichts geschenkt.”

Am „Tag des weißen Stockes” hofft nicht nur Heinrich Becker, dass der eine oder andere Arbeitgeber sich auf das Miteinander in unserer Gesellschaft besinnt und sich vielleicht an, in unserer modernen Zeit scheinbar vergessene Tugenden wie soziale Verantwortung erinnert.

Arbeitgeber, die mehr Informationen zur Einstellung von Menschen mit Sehschädigung wünschen, durch die für sie auch finanzielle Vorteile entstehen, können sich für weitere Informationen an das Berufsförderungswerk Düren wenden. Ansprechpartner beim BfW ist Sascha Fackeldey.