Erkelenz: Heimatgeschichte: Fritz Jacobs entpuppte sich als Deserteur

Erkelenz : Heimatgeschichte: Fritz Jacobs entpuppte sich als Deserteur

Alle schimpfen über das Wetter. Einmal ist es zu nass, dann wieder zu trocken, zu warm oder zu kalt.

Das war 1860 nicht anders, wie wir im Erkelenzer Kreisblatt lesen: „Pfingsten, das lieblichste der Feste des ganzen Jahres, der Beginn der Frühkirmessen in den Ortschaften, die Hoffnung aller Freunde des Reisens und Tanzvergnügens, hat in diesem Jahr - es fiel auf den 27. Mai - manchem, ja fast allen ein Schnippchen geschlagen, denn schon sein Erscheinen brachte uns ein solches Wetter, daß jedem die Lust nahm auch nur die Nase vor die Tür zu stecken.

Sturmwind, Hagelwetter und eine solche Temperatur, daß die schon längst in die Rumpelkammer gebrachten Heizungsapparate wiederum zur Hilfe genommen werden mußten...”

Die jüngste Rechtschreibereforrn haben wir gut hinter uns gebracht, obwohl Kritiker über die Notwendigkeit lange diskutieren und sich auch heute noch nicht einig sind.

Dazu entlockt uns ein Beitrag zur deutschen Sprache in der Ausgabe des Erkelenzer Kreisblattes vom 6. Juni 1860 ein Schmunzeln: „Runzeln ist ein Zeitwort, Strumpfband ein Bindewort, Dame ein Hauptwort, Buben und Mädels sind Geschlechtswörter, Verstand ist ein Nebenwort, Michael und Neujahr sind Zahlworte, Geld ein Mittelwort, Esel ein Beiwort, Dummkopf ein Eigenname, stehlen ein zueignendes Fürwort, betteln ein Sammelwort, Knute ein Schlagwort, Mamsell ein Gattungsname, Hebamme ein Hilfszeitwort.”

Als „Idyll” bezeichnet die Zeitung 1889 folgenden Vorfall: „Seit dem Monat Juli beherbergt das hiesige Amtsgericht im Gefängnis einen Inhaftierten, der in der Bürgermeisterei Niederkrüchten wegen des Verdachts der Vagabundage von der Polizei aufgegriffen wurde.

Der 23jährige Mensch nennt sich Fritz Jacobs aus Goch, aber dort wurde festgestellt, daß diese Angaben falsch waren. Es wurde dann hin und her recherchiert, um die Identität des verschlagenen Burschen, der sich anscheinend in der Rolle des „Unbekannten” und in der gastlichen Zelle wohl zu fühlen scheint, hinter dem man aber, eben weil er um die Nichtfeststellung seines lieben Ichs so besorgt schien, einen Verbrecher zu vermuten glaubte, zu konstatieren. Und ist dies nun endlich gelungen, und hat sich der Bursche als ein Deserteur des 53. Infanterie-Regiements entpuppt.

Am 14. November 1914 wurde in Keyenberg der Lehrer Matthias Clahsen zur letzten Ruhe geleitet. Fast fünf Jahrzehnte, seit 1861, hatte er in seinem Heimatort als Lehrer gewirkt und war 1910 in den Ruhestand getreten.

Der Erste Weltkrieg brach im August 1914 aus.

Mit den Siegesmeldungen der deutschen Truppen kamen zugleich Transporte mit verwundeten Soldaten nach Erkelenz.

Dazu berichtet das Erkelenzer Kreisblatt: „Das in den Bürogebäuden der Internationalen Bohrgesellschaft durch den hiesigen Zweigverein vom Roten Kreuze errichtete Vereinslazarett erhielt am 18. September die erste Belegschaft mit 38 Leichtverletzten. Die Zahl stieg bis zum 23. auf 63, von einem weiter eintreffenden Transport wurden 12 an das Hilfslazarett in Kückhoven eingeliefert, das dem Erkelenzer Lazarett unterstellt war.”

Der erste Gefallene des Weltkrieges 1914 bis 1918 aus Erkelenz, dessen Heldentod im Erkelenzer Kreisblatt bekannt gegeben wurde, war der Pionier der Reserve im 8. Pinonier-Batallion Heinrich Landwehr aus Tenholt.

Er erlag am 1. September 1915 im Feldlazarett den schweren Verwundungen.